Mittwoch, Dezember 28, 2016

Haare auf den Zähnen - Redewendungen in Bildern


Zu Weihnachten wurde das erste Mal in meiner Familie gewichtelt. Das mag den einen oder anderen erstaunen. Denn man könnte annehmen, dass wir da schon früher darauf gekommen wären. Doch tatsächlich haben wir uns in den vergangenen Jahren alle strikt an die Jeder-schenkt-jedem-etwas-Tradition gehalten, was dazu führte, dass spätestens Mitte Dezember ein eigener Platz in der Wohnung gefunden werden musste, um die Geschenkberge zu lagern. Und obwohl die Türme von Tag zu Tag höher wurden, hatte man doch immer das ungute Gefühl, die Schwester, den Neffen oder die Schwägerin vergessen zu haben.

Dieses Mal also Wichteln. Eine gute Sache. Wirklich. Nur ein einziges Geschenk besorgen zu müssen, hat etwas für sich. Schon Wochen vorher hatte ich die passende Idee und habe – etwas übereifrig – alle Vorkehrungen für das Geschenk getroffen. Und dann stand ich da, am 23.12., und musste gar nicht mehr in die Stadt, musste mich nicht durch die Massen genervter Menschen quetschen, stundenlang an Kassen anstehen oder erschöpften Verkäufern hinterherrennen, während sie mir in Eiltempo den Weg zu den gewünschten Artikel frei bahnten. Nein, ich saß ganz entspannt in einem Lokal und habe Ratatouille gegessen.
Doch wir wären nicht unsere Familie, wenn wir nicht ein Schlupfloch aus diesem - doch etwas kleinkariert wirkenden - Geschenkereglement finden würden. Zwar waren weitere Geschenke nicht erlaubt, von „Aufmerksamkeiten“ hat aber niemand etwas gesagt. Und so haben meine beiden Schwestern und ich eine Idee umgesetzt, auf die wir im Frühjahr bei einem Ausflug in Amsterdam gekommen sind. Wir wollten deutsche Redewendungen und Sprichwörter in Bildern darstellen. An einem Wochenende im Herbst war es so weit. Wir schnappten uns die Spielsachen meines Neffen und stellten damit Szenen da. Herausgekommen ist das Buch „Haare auf den Zähnen“, das nicht nur die Fotos, sondern auch (wenn bekannt) Erläuterungen zu den Ursprüngen der Redewendungen beinhaltet – und das es als kleine „Aufmerksamkeit“ für alle zu Weihnachten gab.

Hier gibt's ein paar Auszüge.



(In die Höhle des Löwen wagen)

Eine Fabel von Äsop erzählt die Geschichte eines alten Löwen, der nicht mehr jagen kann. Darum bittet er alle Tiere zu sich, um sich vor seinem Tod von ihnen zu verabschieden. Ein Fuchs bemerkt jedoch, dass die Fußspuren der Tiere zwar alle in die Höhle des Löwen hinein führen, aber nicht wieder hinaus. Und so macht er kehrt und rettet damit sein Leben.


(die Beine in die Hand nehmen)


(Haare auf den Zähnen haben)

Eine starke Behaarung stand früher für Männlichkeit und Mut. Hatten Männer an Stellen Haare, an denen sonst nichts wuchs, galten die Fähigkeiten dieser Körperteile als besonders ausgeprägt. Haare auf den Zähnen wiesen somit auf Schlagfertigkeit und Bissigkeit hin.


(in China fällt ein Sack Reis um)


(jemandem auf den Keks gehen)


(jemandem den Zahn ziehen)


(ins Fettnäpfchen treten)

Wurden früher Schinken und Wurst zum Trocknen unter die Decke gehangen, verteilte man auf dem Boden kleine Näpfe, um das heruntertropfende Fett aufzufangen. Ärgerlich war es natürlich, versehentlich in eines der Fettnäpfchen zu treten.



(Da brat' mir doch einer 'nen Storch.)

Während früher viele Vogelarten gegessen wurden, musste sich der Storch (vielleicht auch weil er als Glücksbote galt) nicht vor Jägern fürchten. Es war undenkbar einen Storch zu braten, wodurch die Redewendung für ebenso undenkbare Vorfälle benutzt wurde.


(jemandem einen Bären aufbinden)


(jemanden über den Tisch ziehen)

Bei der bayerischen Spiel "Fingerhakeln" sitzen sich zwei Menschen an einem Tisch gegenüber, verhaken ihre Mittelfinger ineinander und beginnen zu ziehen. Gewonnen hat der, der den anderen über den Tisch ziehen kann. 


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