Sonntag, Juli 20, 2014

Cat Content ist guter Content

Als ich im Februar den Artikel über den „Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2013“ veröffentlichte, hatte ich ein gutes Gefühl. Mehrere Monate waren vergangen, seitdem ich das letzte Mal gebloggt hatte. Ich dachte, dieser Artikel nun wäre ein wichtiger Schritt: eine Wende für meinen Blog und das Ende meiner - es hilft mir, es euphemistisch zu formulieren - Enthaltsamkeit.

Doch nur wenige Tage später hatte sich mein Hochgefühl verflüchtigt. Der Blog fristete sein Dasein. Verwahrloste, während sich meine einzigen schriftlichen Ergüsse - außerhalb der Arbeit - auf kurze Nachrichten via Facbeook oder WhatsApp beschränkten.

Wochen vergingen, ganze Monate zogen an mir vorbei, ohne dass ich auch nur den Versuch unternahm, einen halbwegs akzeptablen Beitrag zu Papier zu bringen. Ich vermied es, meinen eigenen Blog zu besuchen und ignorierte die Statistiken zu Besucherzahlen und Kommentaren. Doch das Wissen, dass er nach wie vor existierte, belastete mich wie ein Gang auf die Waage nach den weihnachtlichen Feiertagen, wenn ich mich nur noch vage an den letzten Besuch im Fitnessstudio erinnern kann.

Ich hatte Ideen für Beiträge - sogar einige. Manchmal formulierte ich in Gedanken Sätze oder sogar ganze Abschnitte, überlegte mir den Aufbau für mögliche Artikel und doch tippte ich keine einzige Zeile. Während die Anzahl meiner Veröffentlichungen immer geringer wurde, steigerten sich meine Ansprüche an mögliche Texte exponentiell. Und je weniger ich schrieb, desto sicherer war ich, dass kein Satz meine eigenen Erwartungen erfüllen könnte. Es würde an Witz fehlen, an Genialität, an Adjektiven wäre es einen Hauch zu viel, an Verben zu wenig, die Formulierungen würden holprig klingen und vom Inhalt wollen wir gar nicht erst reden. 

Oder vielleicht doch? Denn wo ich gerade schon dabei bin: Wie viel Belanglosigkeit verträgt ein Artikel eigentlich? 

(Und noch eine Frage, die mich beschäftigt: Darf ich einen Artikel veröffentlichen, in dem ich über Schreibflauten spreche, mich wegen meiner eigenen Unzulänglichkeiten bemitleide und Besserung gelobe (an dem Punkt waren wir noch nicht - aber er kommt ganz sicher noch), auch wenn sich anschließend nichts ändert?)

Doch zurück zum Thema (was gar nicht so einfach ist, denn so ganz sicher bin ich mir nicht, welches das eigentlich sein soll): Ich hatte das Gefühl, sollte ich je wieder einen Artikel für „Marens Langeweile“ verfassen, müsste dieser grandios sein. Er müsste ein relevantes Thema haben, etwas von Bedeutung. Und natürlich müsste er fantastisch geschrieben sein. 

Und genau daran scheiterte jede einzelne Idee. Wie könnte ich virtuelles Konfetti schmeißen, Sektkorken knallen lassen und die Auferstehungsparty meines Blogs feiern, wenn der dazugehörige Artikel von meinem letzten Supermarktbesuch oder einem schlecht erzählten Witz handelt? Andererseits: Den Statistiken zufolge würden ohnehin nicht all zu viele Leute bei der Party auftauchen. 

Übrigens - und das sei nur nebenbei erwähnt - hatte ich vor, zur Auflockerung eine kleine Grafik zu erstellen, die das Verhältnis „Häufigkeit meiner Veröffentlichungen“ und „Erwartungshaltung“ verdeutlichen sollte: zwei farbige Kurven (blau und grün), die sich in unterschiedliche Richtungen bewegen. Das stellte ich mir ganz pfiffig vor. Und Bilder machen sich immer gut. Leider hatte ich ein paar Schwierigkeiten beim Eintragen der Werte. Und mit einem Mal hatte ich eine Art Flashback und befand mich mitten in meiner Mathe-Abiprüfung (die ich mit stolzen 3 Punkten bestand) und ließ es lieber bleiben. 


Das macht aber nichts. Denn - und das möchte ich in meinem kleinen Monolog über die Wiederbelebung dieses Blogs zu meinem Hauptargument machen - ich habe nun eine Katze. Und allgemein bekannt ist ja: Cat Conent ist guter Content. Also habe ich als Artikelbild ein Foto von Lucy gewählt und außerdem das Wort „Katze“ nicht nur in der Überschrift, sondern auch im Artikel zwei Mal auf deutsch und ein Mal auf englisch untergebracht. Das sollte reichen, um den einen oder anderen Leser auf meinen Blog zu locken und die Statistiken zu verbessern. Und wenn nicht, trinke ich den Sekt eben alleine.

(Achja, was die "Besserung-geloben"-Sache betrifft: Ich verzichte doch lieber drauf. Ein Schritt nach dem anderen.)

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