Sonntag, August 18, 2013

Literarische Faxen: Affenbande auf Entdeckertour




Endlich (und ich weiß genau, dass hier schon sehnsüchtig darauf gewartet wurde) gibt es eine neue Episode aus der Reihe „Literarische Faxen“. Mir wird ein Satz vorgegeben und ich verfasse darauf aufbauend einen Zeitungsartikel, ein Gedicht und einen Romanauszug. 

Übrigens: Über Satzvorschläge freue ich mich immer! Also, her mit neuen Ideen!

Der Satz stammt dieses Mal von meiner Schwester und lautet:  „Wie viele Affen wohnen denn dort?“




1) Zeitungsbericht



Für diejenigen unter uns, denen das Bild zu klein ist, hier nochmal der Text:

Affenbande auf Entdeckertour

Am Sonntagnachmittag sind 9 Affen im Aachener Tierpark aus ihrem Gehege ausgebrochen. Durch das offenstehende Tor hatten sie einen Weg nach draußen gefunden, von wo aus sie auf Entdeckertour gingen. Bei der Fluchtaktion der Tiere wurden etliche Besucher so erschreckt, dass mehrere Krankenwagen zum Einsatz kamen. Verletzt wurde aber niemand. Der Zoo wurde umgehend evakuiert. „Mit Affen ist nicht zu spaßen.“, sagte uns Zoodirektor Wolfram Graf-Rudolf. „Wenn sie aus ihrer gewohnten Umgebung herausgeholt werden, stehen sie unter enormen Stress. Wir mussten schnell handeln.“.

Mittlerweile ist bekannt, dass ein ehemaliger Pfleger des Zoos, Michael B., das Tor des Geheges im betrunkenen Zustand geöffnet und den Tieren so die Möglichkeit gegeben hat, zu fliehen. Es ist wohl von einem Racheakt auszugehen. Eine Woche zuvor war der junge Mann gekündigt worden. Am selben Tag hatte er auf die Bürotür des Zoodirektors mit schwarzer Farbe den Satz „Wie viele Affen wohnen denn dort?“ gesprayt.

Nach etlichen Stunden, in denen auf der fast 9 ha großen Zoofläche nach den Tieren gesucht wurde, sind nun alle Affen zurück in ihrem Gehege. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden im Nachhinein gründlich kontrolliert. „Tierfreunde können sich hier vollkommen sicher fühlen und ihren Besuch im Aachener Tierparkt unbesorgt genießen“, so Graf-Rudolf. Mit ähnlichen Vorkommnissen sei nicht zu rechnen.

2) Lyrik


3) Auszug aus einem Roman


Faul lag der Pavian auf einem flachen Stein und ließ sich die Sonne auf den Hinterkopf scheinen. Neben ihn setzte sich ein kleineres Äffchen, winkelte seine Hinterbeine an wie nur Affen es tun, und begann, das grau-braune Fell des Liegenden zu untersuchen. Mit akribischer Sorgfalt kämmte es Strähne um Strähne zur Seite und puhlte mit seinen Fingerchen konzentriert auf der freigelegten Haut herum. Gezielt griff es nach den kleinen Läusen, die es sich im dichten Fell gemütlich gemacht hatten und nun aufgeregt hin- und herliefen, und führte die zwischen zwei Fingern zusammengequetschten Parasiten geradewegs zum Mund. Routiniert ging es zu Werke, als hätte es nie etwas anderes getan, wie ein Friseur, der Lockenwickler um Lockenwinkler in die Haare seiner Kunden dreht – sicher und konzentriert, mit leiser Melancholie im Blick.

Vor einigen Jahren hatte Sebastian eine Reportage gesehen. An Einzelheiten konnte er sich nicht mehr erinnern. Gezeigt wurde eine große Gruppe von Affen, die auf einen Felsen lebten. In welchem Land, wusste er nicht mehr. Da die Tiere mit höherem Rang keinen eigenen Nachwuchs bekamen, klauten sie kurzer Hand den niedrig gestellten Müttern ihre Babys. Sie wehrten sich nicht und nahmen ihr Schicksal still hin. Doch die weiblichen Affen konnten sich nicht ausreichend um die Neugeborenen kümmern. Ihnen fehlte die Milch und nach und nach starben ihnen die Babys weg. Nur wenige Jahre später lebte keins mehr der Tiere aus der Felsengruppe.

„Hör auf die Affen anzuglotzen!“, flüsterte es neben ihm.  Sebastian schreckte zusammen. Das Flüstern drang mit solch einer Heftigkeit in sein Ohr, blähte sein Volumen im Gehörgang schmerzend auf und schmetterte mit entsetzlichem Knall gegen sein Trommelfell. Mit Wucht hatten ihn die Worte zurückgerissen. Unvermittelt fand er sich auf dem schmalen Kiesweg wieder, vor ihm das Affengehege, neben ihm seine Frau, hinter ihm ein Getränkestand mit einer jungen Studentin, die gelangweilt an einem Baum gelehnt stand und voller Hingabe ihr Kaugummi kaute. Es wirkte, als würde sie es zerbeißen wollen. Als wäre alles, was sie an diesem Nachmittag erreichen wollte, das Kaugummi mit ihren Zähnen zu zermalmen, es in einzelne Stücke zu zerreißen und es mit der bloßen Kraft ihres Kiefers zu vernichten. Vorhin hatte er bei ihr eine Tüte Saft besorgt. Die kämpferischen Schmatzgeräusche aus dem Mund des Mädchens wurden zu einer Zerreißprobe. Jedes Mal, wenn sich ihr Unterkiefer mit energischer Bewegung der oberen Zahnreihe näherte, meinte er, der nächste Biss galt nicht dem Kaugummi, sondern ihm. 

Eine Mischung aus Vogelgezwitscher, Grillenzirpen und leisem Wind drang in sein Ohr und versuchte ihn zu besänftigen. Wie immer im Zoo frage er sich, ob die Töne natürlich waren oder mit versteckten Lautsprechern erzeugt wurden. Sebastian drehte sich um.

„Ich sagte, hör auf die Affen anzugloten!“, wiederholte sie ihren Satz. Diese Mal lauter. So laut, dass sich die Studentin kurz umdrehte, neugierig schaute und sich dann wieder dem Kaugummi widmete. „Schau mich an.“, forderte seine Frau ihn auf.  

In diesem Moment spürte er eine kleine Hand, die hektisch auf seinen Bauch tippte. Als er herunter sah, schaute ihn ein vertrautes Kindergesicht neugierig an. Die blonden Locken hingen wirr über dem Gesicht des Mädchens, das seine Augen leicht zukniff, um die hellen Sonnenstrahlen abzuschirmen. „Wie viele Affen wohnen denn dort?“, fragte es aufgeregt und zeigte auf das Gehege.

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