Dienstag, Juni 11, 2013

Wir sind die Coolsten ...

... wenn wir cruisen, wenn wir durch die City düsen."

Wäre ich vor kurzem gefragt worden, welche der vielen strapaziösen Sportarten ich am unangenehmsten finde, dann hätte ich wohl gesagt: Fahrradfahren (eigentlich hätte ich gesagt: Jede Art von Mannschaftssport. Aber diese Antwort hätte meinen genialen Einstieg torpediert).

Sind im Fitnessstudio die Stepper und Laufbänder belegt, verzichte ich lieber auf das Ausdauertraining als auf eins der Räder zu steigern (ein wenig gelegen kommt mir dieser Fall übrigens durchaus).Ich würde lieber eine Stunde zu Fuß laufen als die gleiche Strecke in zehn Minuten auf einem Drahtesel zurückzulegen. Eine einwöchige Fahrradtour, die ich mit 16 mit einem geliehenen lila Rad gemacht habe, dessen Gangschaltung nur in Ausnahmefällen reagiert hat, war eines der schlimmsten Ferienbeschäftigungen, an die ich mich erinnern kann.

Dass ich Radfahren nicht leiden kann, hat vor allem den Grund, dass es anstrengend ist.
Jeder kleinste Anstieg erscheint mir als unzumutbare Schikane. Kann ich schon beim Abwärtsfahren sehen, dass es gleich wieder bergauf geht, erreicht mein Körper noch im Leerlauf einen unangenehmen Zustand - eine Mischung aus Panik, Ermüdung und Transpiration. Mir fehlt die Kondition und meine Beinmuskulatur zeigt sich mit dieser ungewohnten Bewegung völlig überfordert. Und da mir in den sportlichen Bereichen meines Lebens jeglicher Ehrgeiz abhandenkommt, tritt hier auch keine Verbesserung ein.

Ehrlich gesagt finde ich auch die ebenen Strecken ermüdend.

Um auf dem Punkt zu kommen: Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Genauer gesagt: Ein E-Bike.

Pedelecs (die Cooleren unter uns sagen "E-Bikes") haben mich nie interessiert. Nie - bis ich vor etwa einem Jahr überredet wurde, mal eine kleine Tour mit einem geliehenen Rad zu machen. Ich hatte keine hohen Erwartungen, setzte mich auf den Ledersattel, dem ich insgeheim schon das Maximum an Ungemütlichkeit unterstellt hatte, und trat in die Pedalen. Mit einem kräftigen Schwung setzte sich das Bike in Bewegung - und ich drückte erschrocken auf die Bremsen.
Dann versuchte ich es nochmal. Im Turbo-Gang ging es über die Roermonder Straße und ehe ich mich versah, war ich schon wieder zurück - nur um gleich zur zweiten Runde aufzubrechen ... die diesmal etwas länger dauerte.
Der frische Fahrtwind verknotete meine Haare und ich fühlte mich dynamisch, ... ja ... sportlich! Der Geschmack von Freiheit erfüllte mich.
Die Unterstützung des Motors sorgte dafür, dass ich jede Angst im Straßenverkehr verlor. Beim Anfahren an der Ampel musste ich mir keine Sorgen machen, die hinter mir wartenden Autos durch mein unbeholfenes Hin- und Herschlenkern aufzuhalten, und ich fühlte mich durch die Rennradfahrer nicht länger bedroht. Keine Straße, keine Kreuzung und auch kein Anstieg konnte mir mehr etwas anhaben.

Seitdem wusste ich: In meinem Leben fehlt Mobilität. Und das konnte geändert werden.

In der letzten Woche war ich in Kornelimünster, am Drei-Länder-Eck, auf dem Lousberg, in jedem mir bekannten Park der Stadt und düste stundenlang durch die Aachener Straßen, weil mein Orientierungssinn zu wünschen übrig lässt und mein Handy mich auf der Karte nicht gefunden hat.

Und hatte dabei unfassbar viel Spaß!

Doch als ich einer Freundin freudestrahlend von meinem Kauf berichtete, war der erste Kommentar: "Du bist doch noch keine 80!" Ich musste feststellen, dass das Pedelec trotz der starken Entwicklungen in den letzten Jahren und vieler Versuche von Städten und Händlern, dem E-Bike ein junges und hippes Image zu verpassen, noch immer als Hilfestellung für alte Leute wahrgenommen wird.
Doch entgegen der scheinbar weit verbreiteten Annahme, dass einem durch den Motor das Fahren abgenommen wird und das Rad so eine Metamorphose zum Moped durchlebt, verliert man das Gefühl des Radfahrens nichts. Mit den verschiedenen Modi kann ich mir den Grad der Unterstützung selbst aussuchen oder den Motor einfach ganz ausstellen. Doch ohne trampeln komme ich nicht vorwärts. Die Bewegung kommt also nicht zu kurz und trotzdem steht der Spaßfaktor im Vordergrund.

Demnächst gibt's hier also einiges zu berichten!

Die Heimtrainer im Fitnessstudio meide ich aber auch weiterhin.


 

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