Nach einem entspannten und sonnigen Tag in Essen mit einem Ausflug in den Grugapark, einem leckeren Eiskaffee und einem Bummel durch die Fußgängerzone wartete ich nachmittags am Hauptbahnhof auf den Zug zurück nach Aachen. Die Bahn hatte schon im Vorhinein Verspätungen angekündigt, die mit dem hohen Reiseaufkommen während der Gamescon entschuldigt wurden. Unklar blieb, warum auch mein Zug mit 20 Minuten Verspätung am Gleis eintrudelte. Die Strecke von Paderborn nach Essen schien mir von der Messe in Köln nicht betroffen. Aber ich kann mich irren.
Ich stieg ein. Und obwohl es draußen bereits über 30 Grad waren, fing ich schlagartig an zu schwitzen. Keine Klimaanlage, keine Lüftung, nicht mal ein kleines Lüftchen. Die Luft stand.
Ich schnappte mir den ersten freien Platz und stellte fest, dass ich im Partywaggon gelandet war. Fetzige Songs von Pitbull und Marc Anthony tönten durch die Sitzreihen und verbreiteten eine Bombenstimmung beim großzügigen Organisator der Fete. Aus seinem Handy, das ihm als DJ-Pult diente, dröhnte blecherner Sound in mein Ohr.
Die übrigen Reisegäste wirkten angeschlagen. Und auch ich merkte, wie mein Körper müde zu werden schien.
Die Hitze hatte sich um mich gelegt wie eine wärmende Wolldecke, wie eine zweite Haut, ein Bärenfell, das eins mit mir wurde und nicht mehr abgestreift werden konnte. Kleine Schweißperlen liefen mir übers Gesicht. Meine Beine glänzten und in den Armbeugen hatten sich Pfützchen gebildet. Meine Haare klebten an meiner Stirn. Beim Versuch, sie wegzustreichen, vermischte sich der Schweiß meines Gesichts mit dem meiner Hände. Die Haare klebten weiter. Ich lehnte mich zurück, streckte Beine und Arme weit von mir. Und schwitzte. Die Hitze wirkte beklemmend auf mich, sie engte mich ein. Plötzlich überkam mich klaustrophobische Panik. Hektisch griff ich in meine Tasche, fand "Die Straße" von McCarthy, klappte es auf und begann, mir Luft zuzuwedeln.
Während ich gegen die drohende Ohnmacht ankämpfte, unterhielten sich meine ebenso schwitzenden Sitznachbarn.
"Mensch! Die Klimaanlagen fallen aber auch jeden Sommer aufs Neue aus! Das kriegt die Bahn einfach nicht hin. Gerade eben im Aldi war es schön! So frisch!"
"Ja! Ehrlich gesagt war es das Beste, was mir heute passiert ist."
Pause.
Erschöpft starrten die Freunde ins Leere.
"Wisst ihr, was wir jetzt alle machen müssen? Schließt eure Augen, entspannt euch. Sprecht zu euren Schweißporen und sagt: Hört auf. Ihr habt genug geleistet. Ihr könnt euch schließen."
Ich versuchte es. Doch meine Schweißporen gehorchten mir nicht.
Das Mädchen, das vorher auf meinem Platz gesessen hatte, hatte sich aus der Bahn Mobil einen Fächer gebastelt, den ich übernahm. Und bis Aachen nicht mehr aus der Hand gab.
Mittlerweile hatte der Zug 40 Minuten Verspätung. An drei Bahnhöfen gab der Lokführer über den Lautsprecher durch, dass sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögern werde. Kurz nach Essen wusste er noch nicht, ob wir überhaupt in Köln einfahren würden.
Es war mir egal. Für mich existierte nur noch die Hitze.
Ich stellte mir vor, kalt zu duschen. Oder mich gleich in eine mit Eiswürfeln gefüllte Badewanne zu legen. In einen See zu springen oder ins Meer. Ich dachte an Planschbecken, Swimmingpools, an eiskalte Getränke, Wassereis ...
Ich dachte, dass die Bahn wirklich ein besseres Krisenmanagement braucht. Zum Beispiel jemanden, der den Reisenden kaltes Wasser ausschenkt.
Ich blieb ganz bescheiden.
Eine Viertelstunde bevor wir in Aachen einfahren sollten, passierte ein Schaffner unser Abteil. Grinsend sagte er zu uns: "Der Waggon nebenan ist kühler."
Ich schnappte meine Sachen, sprang auf und beeilte mich, in das andere Abteil zu kommen. Tatsächlich kühlte eine Lüftung den Raum auf ca. 30 Grad.
Endlich in Aachen angekommen, wartete H. mit einem Menü von McDonalds auf mich. Ich nahm einen tiefen Schluck von der Cola.
"Will man einmal in seinem Getränk Eiswürfel haben, die einem sonst nur Hirnfrost und schmerzende Zähle bescheren, gibt es bei McDonalds keine mehr." beschwerte sich H., als mir gerade der lauwarme, verdünnte Sirup die Speiseröhre herunterlief.
Einen Tag später war ich ausgiebig im kühlen Blausteinsee schwimmen.
Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass Google bei einer Suche nach dem Begriff "Hitze" als ersten Treffer einen Artikel über die Reise mit der Deutschen Bahn anzeigt.
Dienstag, August 21, 2012
Sonntag, August 19, 2012
Mittwoch, August 15, 2012
Gaddafis Erbe
Ich denke, ich bin sehr beliebt. Die Menschen wissen meine Generosität und Selbstlosigkeit zu schätzen und wenden sich mit ihren Problemen und Belangen gerne an mich. Täglich werde ich mit persönlicher Post bedacht, immer wieder schreiben mir Leute, die von meiner Großzügigkeit gehört haben müssen.
Die meisten E-Mails beginnen mit "Dear friend" und beinhalten Begriffe wie "Transaktion", "Auslandskonto" und "Investition". Viele dieser Menschen habe ich angeblich bei einem meiner vielen Auslandsaufenthalte in afrikanischen Ländern, an die ich mich nicht erinnern kann, persönlich kennen gelernt. Die meisten von ihnen sind mit ihrer Familie in eine Notlage geraten, müssen aus ihrem Land fliehen oder sind durch politische Ungerechtigkeiten völlig verarmt. Sie liefern die traurigsten Geschichten und bitten mich inständig, ihnen schnellstmöglich meine gesamten persönlichen Daten zuzusenden und eine Überweisung von ca. 100.000 Euro zu tätigen - für sie und ihre Kinder, die ich bei meinen Besuchen ja auch schon getroffen habe.
Mein E-Mail Postfach ist voller seriöser Investitionsangebote.
Gestern ereilte mich nun ein Schreiben von Gabriel Kazeem. Was ich bisher nicht wusste, ist, dass er der persönliche Adjutant von Gaddafis Sohn ist. In einem langen Brief erzählte er mir seine Lebensgeschichte, die mich sehr mitnahm. Kurz vor seinem Tod vertraute Gaddafi selbst sein Vermögen (73.900.000 Dollar) einer europäischen Bank an. Nun ist aber die libysche Regierung fest entschlossen, sich dieses Geld zurückzuholen. Und der Adjutant ist in der Bredouille. Denn er ist für die Finanzen zuständig und sucht nun einen Investmentpartner, der ihm bei einer "Bewegung" der Gelder unter die Arme greifen kann. Da komme ich ins Spiel. Denn als Europäer und damit als Insider habe ich möglicherweise Kontakte oder kann sogar selbst aktiv werden. Es ist dringend, Kazeem betont: "Wir wollen die Gelder so schnell wie möglich ausziehen."
Leider fehlen mir die Connections. Aber falls jemand daran interessiert ist, "30% des Gesamt-Cash" zu bekommen, kann er seinen "vollständigen Namen, Adresse und private Telefonnumer" gerne an Herrn Kazeem weiterleiten.
Ich bin auch der Meinung, man sollte Gaddafis Erbe schützen.
Die meisten E-Mails beginnen mit "Dear friend" und beinhalten Begriffe wie "Transaktion", "Auslandskonto" und "Investition". Viele dieser Menschen habe ich angeblich bei einem meiner vielen Auslandsaufenthalte in afrikanischen Ländern, an die ich mich nicht erinnern kann, persönlich kennen gelernt. Die meisten von ihnen sind mit ihrer Familie in eine Notlage geraten, müssen aus ihrem Land fliehen oder sind durch politische Ungerechtigkeiten völlig verarmt. Sie liefern die traurigsten Geschichten und bitten mich inständig, ihnen schnellstmöglich meine gesamten persönlichen Daten zuzusenden und eine Überweisung von ca. 100.000 Euro zu tätigen - für sie und ihre Kinder, die ich bei meinen Besuchen ja auch schon getroffen habe.
Mein E-Mail Postfach ist voller seriöser Investitionsangebote.
Gestern ereilte mich nun ein Schreiben von Gabriel Kazeem. Was ich bisher nicht wusste, ist, dass er der persönliche Adjutant von Gaddafis Sohn ist. In einem langen Brief erzählte er mir seine Lebensgeschichte, die mich sehr mitnahm. Kurz vor seinem Tod vertraute Gaddafi selbst sein Vermögen (73.900.000 Dollar) einer europäischen Bank an. Nun ist aber die libysche Regierung fest entschlossen, sich dieses Geld zurückzuholen. Und der Adjutant ist in der Bredouille. Denn er ist für die Finanzen zuständig und sucht nun einen Investmentpartner, der ihm bei einer "Bewegung" der Gelder unter die Arme greifen kann. Da komme ich ins Spiel. Denn als Europäer und damit als Insider habe ich möglicherweise Kontakte oder kann sogar selbst aktiv werden. Es ist dringend, Kazeem betont: "Wir wollen die Gelder so schnell wie möglich ausziehen."
Leider fehlen mir die Connections. Aber falls jemand daran interessiert ist, "30% des Gesamt-Cash" zu bekommen, kann er seinen "vollständigen Namen, Adresse und private Telefonnumer" gerne an Herrn Kazeem weiterleiten.
Ich bin auch der Meinung, man sollte Gaddafis Erbe schützen.
Donnerstag, August 09, 2012
Mit dem Bus zur Arbeit
Seit meinem Umzug fahre ich morgens mit einem anderen Bus zu Arbeit. Es fiel mir nicht leicht, meine gewohnte Linie aufzugeben. Ich fahre äußerst gerne Bus. Und ich hatte mich an die Route gewöhnt und auch meine Mitfahrer waren mir im Laufe der Zeit vertraut geworden. Jeden Morgen traf ich die gleichen, mir eigentlich völlig unbekannten Menschen. Ich lernte ihre Gewohnheiten schnell kennen, wusste, wer immer schon zu früh mit mir an der Bushaltestelle wartete und wer knapp vor der Abfahrt eintrudelte. Ich beobachtete, welche Bücher meine Mitfahrer lasen und konnte bei dem ein oder anderen zu laut eingestellten MP3-Player den Musikgeschmack des Besitzers erahnen. Ich wusste, wer seinen Platz für eine alte Person aufgab und wer scheinbar verträumt aus dem Fenster starrte, wenn jemand mit Krücken den Bus betrat. Es gab so manchen, der seine Augen schloss und ein kleines Nickerchen hielt, und andere, die gut gelaunt drauf los schnatterten, wenn sie ihre Bekannten oder Kollegen trafen. Ein Mann mittleren Alters, der immer mit mir zusammen in den Bus einstieg, wurde fünf Haltestellen immer ganz nervös. Denn dort stieg eine hübsche Russin mit langen Beinen ein. Ein junges Mädchen verlagerte ihr Frühstück jeden Morgen in den Bus. An
einem Tag - der Bus fuhr immer um 7:30 Uhr ab - schleckte sie gerade an einem Eis, als ich sie entdeckte. Traf ich jemanden nicht, wusste ich, dass er Urlaub hatte oder krank war. Kam er nach zwei Wochen braun gebrannt wieder, wusste ich, dass er nicht krank war.
Eine Gymnasialklasse in der Region hatte sogar ein Musical zu dieser Buslinie geschrieben. Leider hatte ich keine Gelegenheit, mir die Aufführung anzusehen.
Nun fahre ich also mit einem anderen Bus. Die Strecke ist um einiges schöner. Und die Atmosphäre ist eine ganz andere. Hier scheint sich jeder zu kennen. Die meisten Fahrgäste steigen im Industriegebiet aus und ich teile mir den Bus dann mit etwa einer handvoll anderen Personen.
Vorne im Bus sitzen sich immer zwei Frauen gegenüber. Da das ein oder andere Gespräch zwischen den beiden schon zu meiner Unterhaltung während der Busfahrt beitragen konnte, setze ich mich gerne in ihre Nähe. Auch wenn die eine der beiden Frauen, eine dunkelhaarige Mittfünfzigerin mit vielen kleinen Sommersprossen, eine sehr laute Stimmt hat und es eigentlich gar nicht nötig wäre. So konnte ich schon Zeuge von so manch einem Gedankenaustausch werden. Dieser hat mir bisher am besten gefallen:
Die Blonde (ganz müde und erschöpft): "Mensch, weißt du... gestern war ich so fertig! Um halb zehn habe ich mich hingelegt und bin sofort eingeschlafen. Ich weiß gar nicht, was los ist ..."
Die Braunhaarige (belehrend): "Na! Wir haben ein sehr großes Ozonloch. Daran liegt das!"
Eine Gymnasialklasse in der Region hatte sogar ein Musical zu dieser Buslinie geschrieben. Leider hatte ich keine Gelegenheit, mir die Aufführung anzusehen.
Nun fahre ich also mit einem anderen Bus. Die Strecke ist um einiges schöner. Und die Atmosphäre ist eine ganz andere. Hier scheint sich jeder zu kennen. Die meisten Fahrgäste steigen im Industriegebiet aus und ich teile mir den Bus dann mit etwa einer handvoll anderen Personen.
Vorne im Bus sitzen sich immer zwei Frauen gegenüber. Da das ein oder andere Gespräch zwischen den beiden schon zu meiner Unterhaltung während der Busfahrt beitragen konnte, setze ich mich gerne in ihre Nähe. Auch wenn die eine der beiden Frauen, eine dunkelhaarige Mittfünfzigerin mit vielen kleinen Sommersprossen, eine sehr laute Stimmt hat und es eigentlich gar nicht nötig wäre. So konnte ich schon Zeuge von so manch einem Gedankenaustausch werden. Dieser hat mir bisher am besten gefallen:
Die Blonde (ganz müde und erschöpft): "Mensch, weißt du... gestern war ich so fertig! Um halb zehn habe ich mich hingelegt und bin sofort eingeschlafen. Ich weiß gar nicht, was los ist ..."
Die Braunhaarige (belehrend): "Na! Wir haben ein sehr großes Ozonloch. Daran liegt das!"
Montag, August 06, 2012
Sonntag, August 05, 2012
Schwulitäten
Seit Anfang des Jahres steigerte sich die Anzahl meiner Beiträge stetig. Im Juni lief es dann wirklich gut. Ich veröffentlichte 8 Beiträge innerhalb von vier Wochen und war so richtig im Flow. Mein Fleiß wurde sogleich von einer erstaunlich guten Statistik belohnt. Mit etlichen Suchbegriffen landete man auf meinen Posts und jeden Tag kamen mehr Besucher auf meinen Blog.
Doch dann kam der Juli. Und nach beinahe zwei Jahren war es wieder Zeit für einen Umzug. Ich sortierte meinen Kram, mistete aus, schmiss einen Haufen unnützer Dinge weg und wickelte zerbrechliche Gegenstände genervt in Zeitungspapier. Ich wunderte mich darüber, wie wenig Bücher in einen Umzugskarton passten (3 Billyregale - teils in doppelter Reihe gelagerte Bücher - ergeben 30 Kisten) und konnte mich plötzlich nicht mehr erinnern, was eigentlich gegen einen E-Reader sprach. Schon vor dem eigentlichen Umzugstermin schleppte ich täglich nach Feierabend Kisten die vier Stockwerke nach unten. Und obwohl ich ja unter die Sportler gegangen bin, musste ich feststellen, dass die Fitness- und Kraftübungen im Alltag keine Wirkung zeigten. Schon nach dem ersten Abstieg zitterten meine Knie und meine Arme zeigten Ermüdungserscheinungen. Die Kartons, die in der Wohnung noch gut gepackt schienen, wogen vier Etagen tiefer 10 Kilo mehr.
Seit Jahren verfolgt mich ein Traum. Ich werde morgens vom Türklingeln geweckt, schrecke hoch und es fällt mir wieder ein: Heute ziehe ich um. Hektisch springe ich auf, schaue mich in der Wohnung um und stelle fest, dass noch nichts gepackt ist. Es sind nicht mal Umzugskartons organisiert. Im Treppenhaus höre ich laute Schritte, die Helfer kommen immer näher. Mir wird ganz heiß ... Und dann wache ich auf.
Bei diesem Umzug habe ich darüber nachgedacht, es beim nächsten Mal vielleicht einfach darauf ankommen zu lassen.
Zurück zum Thema Statistik. Am Telefon hat mir Alice versichert, dass es kein Problem sei, mit meinem Vertrag umzuziehen. Das Ganze sei völlig unkompliziert und würde maximal drei Wochen dauern. Eine Woche später erhielt ich einen Brief mit der Vorankündigung, der Techniker würde Mitte August kommen. Gut 1 1/2 Monate später als vereinbart. Ich kündigte meinen Vertrag und suchte mir einen neuen Anbieter.
Seit dieser Woche kann ich wieder ins Internet. Doch jetzt sitze ich am Computer, öffne meinen Blog und finde die unerfreuliche Nachricht: "Gestern: 2 Besucher". Ich muss dringend etwas tun, denke ich und klicke nervös auf "Neuer Post". Eine leere, völlig weiße Seite öffnet sich und in mir breitet sich ein ungutes Gefühl aus. Ich denke über die letzten Wochen nach, erinnere mich an lustige Begebenheiten, interessante Gespräche, nette Anekdoten. In meinem kleinen Heft mit dem trompetespielenden Nashorn hatte ich einige brauchbare Ideen notiert. Doch mir erscheint alles zu belanglos.
Andererseits habe ich meinen letzten Posts einem versauten Haarschnitt gewidmet und keinen Gedanken daran verschwendet, dass das Thema möglicherweise ein wenig trivial sein könnte.
Doch vielleicht hätte ich das tun sollen.
Die Blog-freie Zeit bringt mich in Schwulitäten.
Doch dann kam der Juli. Und nach beinahe zwei Jahren war es wieder Zeit für einen Umzug. Ich sortierte meinen Kram, mistete aus, schmiss einen Haufen unnützer Dinge weg und wickelte zerbrechliche Gegenstände genervt in Zeitungspapier. Ich wunderte mich darüber, wie wenig Bücher in einen Umzugskarton passten (3 Billyregale - teils in doppelter Reihe gelagerte Bücher - ergeben 30 Kisten) und konnte mich plötzlich nicht mehr erinnern, was eigentlich gegen einen E-Reader sprach. Schon vor dem eigentlichen Umzugstermin schleppte ich täglich nach Feierabend Kisten die vier Stockwerke nach unten. Und obwohl ich ja unter die Sportler gegangen bin, musste ich feststellen, dass die Fitness- und Kraftübungen im Alltag keine Wirkung zeigten. Schon nach dem ersten Abstieg zitterten meine Knie und meine Arme zeigten Ermüdungserscheinungen. Die Kartons, die in der Wohnung noch gut gepackt schienen, wogen vier Etagen tiefer 10 Kilo mehr.
Seit Jahren verfolgt mich ein Traum. Ich werde morgens vom Türklingeln geweckt, schrecke hoch und es fällt mir wieder ein: Heute ziehe ich um. Hektisch springe ich auf, schaue mich in der Wohnung um und stelle fest, dass noch nichts gepackt ist. Es sind nicht mal Umzugskartons organisiert. Im Treppenhaus höre ich laute Schritte, die Helfer kommen immer näher. Mir wird ganz heiß ... Und dann wache ich auf.
Bei diesem Umzug habe ich darüber nachgedacht, es beim nächsten Mal vielleicht einfach darauf ankommen zu lassen.
Zurück zum Thema Statistik. Am Telefon hat mir Alice versichert, dass es kein Problem sei, mit meinem Vertrag umzuziehen. Das Ganze sei völlig unkompliziert und würde maximal drei Wochen dauern. Eine Woche später erhielt ich einen Brief mit der Vorankündigung, der Techniker würde Mitte August kommen. Gut 1 1/2 Monate später als vereinbart. Ich kündigte meinen Vertrag und suchte mir einen neuen Anbieter.
Seit dieser Woche kann ich wieder ins Internet. Doch jetzt sitze ich am Computer, öffne meinen Blog und finde die unerfreuliche Nachricht: "Gestern: 2 Besucher". Ich muss dringend etwas tun, denke ich und klicke nervös auf "Neuer Post". Eine leere, völlig weiße Seite öffnet sich und in mir breitet sich ein ungutes Gefühl aus. Ich denke über die letzten Wochen nach, erinnere mich an lustige Begebenheiten, interessante Gespräche, nette Anekdoten. In meinem kleinen Heft mit dem trompetespielenden Nashorn hatte ich einige brauchbare Ideen notiert. Doch mir erscheint alles zu belanglos.
Andererseits habe ich meinen letzten Posts einem versauten Haarschnitt gewidmet und keinen Gedanken daran verschwendet, dass das Thema möglicherweise ein wenig trivial sein könnte.
Doch vielleicht hätte ich das tun sollen.
Die Blog-freie Zeit bringt mich in Schwulitäten.
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