Wäsche aufhängen.
Der Spruch "Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied".
Bot Checker, die man nicht lesen kann.
Zähne putzen.
Dass ich so oft Werbung für Viagra bekomme, die ich gar nicht gebrauchen kann.
Die Lakritztürme in der Haribo-Colorado-Packung.
Dass Kaulquappen nicht Kaulquappen bleiben, sondern sich zu Froschen entwickeln müssen.
Das Ticken von Uhren.
Die Farbkombination türkis-pink.
Dass ich keinen Swimmingpool besitze.
Und auch nicht das entsprechende Anwesen dafür.
Wenn bei Gebäckmischungen nur noch die Marmeladenkekse übrig sind.
Die Einfallslosigkeit der Marketingabteilungen bei Waschmittelwerbung.
Und bei Shampoo.
Das "fröhliche Zwitschern" von Kanarienvögel.
Das Uhrenbild von Dalí.
Dass Fashionblogger mehr Aufmerksamkeit bekommen als ich.
Die zwei dicken Engel von Raphael.
Dass ich nicht so gut singen kann wie Adele.
Und auch nicht so viel verdiene.
Stifte anspitzen.
Wenn jemand sagt: "Das kommt auf die Situation drauf an."
Dass Fussballer ständig auf den Boden spucken.
Witze über Großfamilien.
Dass Josef K. in "Der Prozess" über 300 Seiten lang nicht fragt, warum er angeklagt wurde.
Und dass ich das Buch nicht geschrieben habe.
Donnerstag, Juni 28, 2012
Sonntag, Juni 24, 2012
Lindt Pralinen
Es war kurz vor Weihnachten. Der Kaufhof in Aachen hatte den Anlass entsprechend einen Adventskalender- und Nikolausverkauf im Eingangsbereich organisiert und ich durchstöberte gut gelaunt die angebotene Ware. Nach langem Überlegen entschied mich für eine kleine Packung Lind-Pralinen und stellte mich an die Kasse.
Als ich gerade mein Portemonnaie aus der Tasche kramte, fragte mich die Verkäuferin: "Haben Sie Ihren Ausweis dabei?"
Irritiert schaute ich auf. "Ja. Warum?"
Mit gereizter Stimme belehrte mich die Frau: "Ja, da ist Alkohol drin! Die kann ich nicht einfach so verkaufen!"
Erstaunt antwortete ich: "Da ist Alkohol drin?"
"Jaha"! giftete sie mich an. "Marc de Champagne."
Erschrocken schaute ich sie an. Dann starrte ich auf die Pralinenschachtel. Ich wollte keine Schokolade mit Alkohol. Die schmeckte mir nicht. Doch als ich in das auffordernde Gesicht der Verkäuferin blickte, die offensichtlich meinte, wieder das Täuschungsmanöver eines leichtsinnigen Jugendlichen verhindern zu können, wurde mir bewusst, dass es verdächtig wirken würde, wenn ich die Packung nun umtauschen wollte. Also begann ich nach meinem Ausweis zu suchen. Hinter mir hatte sich bereits eine Schlange gebildet und die übrigen Wartenden starrten mich genervt an. Langsam wurde mir die Situation peinlich. Als ich schließlich meinen Führerschein fand (den ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte), überreichte ich der Verkäuferin erleichtert den Ausweis. Konzentriert studierte sie mein Geburtsdatum und nickte zufrieden ab. Ich zahlte schnell und verließ den Laden.
Draußen überlegte ich frustriert, wie viele von den Pralinen ich essen musste, um mir ordentlich die Kante zu geben.
Als ich gerade mein Portemonnaie aus der Tasche kramte, fragte mich die Verkäuferin: "Haben Sie Ihren Ausweis dabei?"
Irritiert schaute ich auf. "Ja. Warum?"
Mit gereizter Stimme belehrte mich die Frau: "Ja, da ist Alkohol drin! Die kann ich nicht einfach so verkaufen!"
Erstaunt antwortete ich: "Da ist Alkohol drin?"
"Jaha"! giftete sie mich an. "Marc de Champagne."
Erschrocken schaute ich sie an. Dann starrte ich auf die Pralinenschachtel. Ich wollte keine Schokolade mit Alkohol. Die schmeckte mir nicht. Doch als ich in das auffordernde Gesicht der Verkäuferin blickte, die offensichtlich meinte, wieder das Täuschungsmanöver eines leichtsinnigen Jugendlichen verhindern zu können, wurde mir bewusst, dass es verdächtig wirken würde, wenn ich die Packung nun umtauschen wollte. Also begann ich nach meinem Ausweis zu suchen. Hinter mir hatte sich bereits eine Schlange gebildet und die übrigen Wartenden starrten mich genervt an. Langsam wurde mir die Situation peinlich. Als ich schließlich meinen Führerschein fand (den ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte), überreichte ich der Verkäuferin erleichtert den Ausweis. Konzentriert studierte sie mein Geburtsdatum und nickte zufrieden ab. Ich zahlte schnell und verließ den Laden.
Draußen überlegte ich frustriert, wie viele von den Pralinen ich essen musste, um mir ordentlich die Kante zu geben.
Donnerstag, Juni 21, 2012
Norma
Hier in der Nähe gibt es einen Norma. Alles in allem lässt sich sagen, dass der Laden in keinem guten Zustand ist. Die Regale sind nicht aufgeräumt, auf dem Boden häufen sich klebrige Reste von geplatzten Safttüten und aus dem Lager kommt ein merkwürdiger, muffiger Geruch. Wenn der Müll im Lager seine Dünste über Nacht vollends ausbreiten konnte, stinkt morgens der ganze Straßenabschnitt nach faulen Eiern und Biotonne. Da er für mich aber auf dem Weg liegt, spring ich oft nach der Arbeit noch kurz rein, um mir die eine oder andere Kleinigkeit zu besorgen.
In diesem Supermarkt stellen sich mir zwar keine Fragen, für die ich einen Ansprechpartner brauchen würde, die schlechte Besetzung macht sich aber spätestens an der Kasse bemerkbar. Während ich - wie ich schon in sehr vielen Lebenslagen feststellen durfte - äußerst professionell mit dem Thema Langeweile umgehe, scheinen andere schnell überfordert, sobald sie ohne entsprechende Unterhaltung einmal warten müssen.
Vor einigen Wochen war es wieder sehr voll. Ich stellte mich hinten an der Schlange an und beobachtete, wie diese immer länger wurde. Mit Paprika und einem Salatkopf im Arm kam ich mir einsam vor. Um mich herum warteten nur verwahrlost wirkende Gestalten mit Bierflaschen oder Hochprozentigem in der Hand, die Schwierigkeiten hatten, längere Zeit an einer Stelle zu stehen, ohne nach rechts oder links zu schwanken. Als ich ein genervtes Murren hinter mir vernahm, drehte ich mich um und entdeckte einen großen, alten Mann mit Vollbart, durchsifftem Kapuzenpullover und drei Flaschen vom Norma-Billig-Bier. "Das kann doch wohl nicht wahr sein!" schimpfte er und fixierte wütend den Kassierer, der schuldbewusst hinter der Kasse saß, hastig die Ware von links nach rechts über den Scanner zog und nervös die wartende Meute im Auge behielt. Die meisten Kunden pflichteten ihm bei und nickten bestätigend die Köpfe. Als ich mich gerade mit der Frage beschäftigte, warum eigentlich Arbeitslose und Rentner beim Einkaufen immer so in Zeitnot waren, deutete der Riese in die andere Ecke des Ladens, in der ein junger Mann Regale einräumte: "Da hinten ist doch noch jemand, wieso kassiert der denn nicht mit?!" Alle drehten sich neugierig um. Eine Frau mit strubbeligen schwarzen Haaren und faltigem Gesicht mischte sich ein. "Ach, das kann der bestimmt gar nicht!" versuchte sie ihn zu verteidigen, doch diese Antwort provozierte den Riesen nur noch mehr. "Was?! Was soll denn daran so schwer sein?! Kassieren kann jawohl nicht so schwer sein!" Wieder nickten alle, nuschelten "genau" und "das stimmt" und seufzten entnervt. "Das ist doch nur 'ne Kasse! Da muss man doch bloß das Zeug drüber ziehen!" Er wollte schon Anstalten machen, selbst diese Aufgabe zu übernehmen, als ein hoch gewachsener, tätowierter Mann vorne neben dem Kassierer auftauchte. Wie ein Prediger baute er sich vor der wartenden Masse auf, holte tief Luft und rief mit dunkler Stimme und leicht betrunken: "Hey! Der Junge ist ganz alleine hier! Der beeilt sich doch schon! Aber mehr geht nicht. Was soll er denn machen?!"
Amüsiert - und auch ein wenig gerührt - drehte ich mich um. Im Laden war es still geworden. Brav warteten die Kunden, während der Mann vorne die Stellung hielt und in regelmäßigen Abständen an das Problem erinnerte. Erstaunt stellte ich fest, dass keiner der Wartenden versuchte, den Laden unbemerkt, mit den Flaschen unter der Jacke, zu verlassen. Der Kassierer war bekanntlich alleine (der Mitarbeiter, der die Regale einräumte, nur Aushilfe und dazu beschäftigt) und die Gelegenheit günstig.
Oder sollte ich dort die einzige mit kriminellem Potential gewesen sein?
In diesem Supermarkt stellen sich mir zwar keine Fragen, für die ich einen Ansprechpartner brauchen würde, die schlechte Besetzung macht sich aber spätestens an der Kasse bemerkbar. Während ich - wie ich schon in sehr vielen Lebenslagen feststellen durfte - äußerst professionell mit dem Thema Langeweile umgehe, scheinen andere schnell überfordert, sobald sie ohne entsprechende Unterhaltung einmal warten müssen.
Vor einigen Wochen war es wieder sehr voll. Ich stellte mich hinten an der Schlange an und beobachtete, wie diese immer länger wurde. Mit Paprika und einem Salatkopf im Arm kam ich mir einsam vor. Um mich herum warteten nur verwahrlost wirkende Gestalten mit Bierflaschen oder Hochprozentigem in der Hand, die Schwierigkeiten hatten, längere Zeit an einer Stelle zu stehen, ohne nach rechts oder links zu schwanken. Als ich ein genervtes Murren hinter mir vernahm, drehte ich mich um und entdeckte einen großen, alten Mann mit Vollbart, durchsifftem Kapuzenpullover und drei Flaschen vom Norma-Billig-Bier. "Das kann doch wohl nicht wahr sein!" schimpfte er und fixierte wütend den Kassierer, der schuldbewusst hinter der Kasse saß, hastig die Ware von links nach rechts über den Scanner zog und nervös die wartende Meute im Auge behielt. Die meisten Kunden pflichteten ihm bei und nickten bestätigend die Köpfe. Als ich mich gerade mit der Frage beschäftigte, warum eigentlich Arbeitslose und Rentner beim Einkaufen immer so in Zeitnot waren, deutete der Riese in die andere Ecke des Ladens, in der ein junger Mann Regale einräumte: "Da hinten ist doch noch jemand, wieso kassiert der denn nicht mit?!" Alle drehten sich neugierig um. Eine Frau mit strubbeligen schwarzen Haaren und faltigem Gesicht mischte sich ein. "Ach, das kann der bestimmt gar nicht!" versuchte sie ihn zu verteidigen, doch diese Antwort provozierte den Riesen nur noch mehr. "Was?! Was soll denn daran so schwer sein?! Kassieren kann jawohl nicht so schwer sein!" Wieder nickten alle, nuschelten "genau" und "das stimmt" und seufzten entnervt. "Das ist doch nur 'ne Kasse! Da muss man doch bloß das Zeug drüber ziehen!" Er wollte schon Anstalten machen, selbst diese Aufgabe zu übernehmen, als ein hoch gewachsener, tätowierter Mann vorne neben dem Kassierer auftauchte. Wie ein Prediger baute er sich vor der wartenden Masse auf, holte tief Luft und rief mit dunkler Stimme und leicht betrunken: "Hey! Der Junge ist ganz alleine hier! Der beeilt sich doch schon! Aber mehr geht nicht. Was soll er denn machen?!"
Amüsiert - und auch ein wenig gerührt - drehte ich mich um. Im Laden war es still geworden. Brav warteten die Kunden, während der Mann vorne die Stellung hielt und in regelmäßigen Abständen an das Problem erinnerte. Erstaunt stellte ich fest, dass keiner der Wartenden versuchte, den Laden unbemerkt, mit den Flaschen unter der Jacke, zu verlassen. Der Kassierer war bekanntlich alleine (der Mitarbeiter, der die Regale einräumte, nur Aushilfe und dazu beschäftigt) und die Gelegenheit günstig.
Oder sollte ich dort die einzige mit kriminellem Potential gewesen sein?
Montag, Juni 18, 2012
Was nervt II
Das Spiel "Die Siedler von Catan".
Tim Bendzko.
Knoten im Haar.
Wenn jemand einen "Latte Matsch-atto" bestellt.
Oder nur einen "Latte".
Wenn man im Bus nicht telefonieren darf.
Bootsschuhe.
Wenn man keinen Keks zum Kaffee bekommt.
Und dass bei Kaltgetränken nie Kekse gereicht werden.
Löcher im Socken.
Dass die Mode der Neunziger wieder da ist.
Und dass niemand merkt, wie bescheuert die Mode der Neunziger war.
Haut auf warmer Milch.
Dass Frau Desiree Nick ständig nach ihrer Meinung gefragt wird.
Mohnkrümmel zwischen den Zähnen.
Dass "Gilmore Girls" mit der siebten Staffel endet.
Schmatzen.
Dass Fingernägel so schnell wachsen.
Orgelmusik.
Wenn jemand im überfüllten Bus seine Tasche auf den Sitz neben sich legt.
Stückchen im Pudding.
Dass Lieder im Radio so oft gespielt werden bis man sie kaum noch erträgt.
Ernie.
(- Bert mag ich.)
Wenn jemand den Tastenton seines Handys nicht abschaltet und neben mir eine SMS tippt.
Das Schimpfen von Krähen.
Wenn Leute auf öffentlichen Toiletten vergessen, wie sie abziehen.
Dass Pinguine sich nicht als Haustiere eignen.
Und Babyziegen auch nicht.
Schluckauf.
Dass M&Ms mehr Kalorien haben als Gurken.
Arztserien.
Dass Schlafanzüge nicht bürotauglich sind.
Der Film "Keinohrhasen".
Tim Bendzko.
Knoten im Haar.
Wenn jemand einen "Latte Matsch-atto" bestellt.
Oder nur einen "Latte".
Wenn man im Bus nicht telefonieren darf.
Bootsschuhe.
Wenn man keinen Keks zum Kaffee bekommt.
Und dass bei Kaltgetränken nie Kekse gereicht werden.
Löcher im Socken.
Dass die Mode der Neunziger wieder da ist.
Und dass niemand merkt, wie bescheuert die Mode der Neunziger war.
Haut auf warmer Milch.
Dass Frau Desiree Nick ständig nach ihrer Meinung gefragt wird.
Mohnkrümmel zwischen den Zähnen.
Dass "Gilmore Girls" mit der siebten Staffel endet.
Schmatzen.
Dass Fingernägel so schnell wachsen.
Orgelmusik.
Wenn jemand im überfüllten Bus seine Tasche auf den Sitz neben sich legt.
Stückchen im Pudding.
Dass Lieder im Radio so oft gespielt werden bis man sie kaum noch erträgt.
Ernie.
(- Bert mag ich.)
Wenn jemand den Tastenton seines Handys nicht abschaltet und neben mir eine SMS tippt.
Das Schimpfen von Krähen.
Wenn Leute auf öffentlichen Toiletten vergessen, wie sie abziehen.
Dass Pinguine sich nicht als Haustiere eignen.
Und Babyziegen auch nicht.
Schluckauf.
Dass M&Ms mehr Kalorien haben als Gurken.
Arztserien.
Dass Schlafanzüge nicht bürotauglich sind.
Der Film "Keinohrhasen".
Sonntag, Juni 17, 2012
Bioeier
Gestern waren H. und ich einkaufen.
Eine Tüte Aufbackbrötchen in der einen und ein Glas Erdbeermarmelade in der anderen Hand, steuerte ich zielstrebig die Kühltheke an, während H. noch mit einem Sechserträger Wasser kämpfte. Auf dem Weg dorthin standen sich ein Mann und eine Frau in einem der Quergänge gegenüber.
Und sprachen über Eier.
Als ich in Hörweite war, kündigte die Frau gerade an: "Ich nehme hier die vier Bioeier." Entschlossen griff sie zu einem der Eierkartons, während ihr Freund interessiert aufschaute und empfahl: "Aber schau nach, ob die auch ganz sind." Sichtlich genervt von dieser Pedanterie verdrehte sie die Augen und schnaufte: "Oh man! Na gut!"
Gerade als ich das Paar erreichte und ganz rücksichtsvoll zwischen ihnen durchhuschen wollte, hörte ich sie noch zufügen: "Ich warte noch bis die Olle hier vorbei ist."
Entsetzt lief ich einige Meter weiter, um mich in Sicherheit zu bringen, und drehte mich dann um. H. hatte mich eingeholt und kam mir entgegen. Aufgeregt blickte er mich an und holte Luft, als ich ihn wütend unterbrach und auf die beiden zeigte: "Weißt du, was die Frau dort gerade gesagt hat?! Ich warte noch bis die Olle hier vorbei ist."
H. schien nicht überrascht und schaute amüsiert in die Richtung, aus der er kam. Das Paar stand noch immer an der gleichen Stelle und war konzentriert über den Eierkarton gebeugt. Dann antwortete er: "Und als ich vorbei lief, meinte sie: Jetzt kommt auch noch der Typ von der Ollen."
Ich finde es sehr vorbildlich, dass die beiden sich für freie und glückliche Hühner einsetzen.
Eine Tüte Aufbackbrötchen in der einen und ein Glas Erdbeermarmelade in der anderen Hand, steuerte ich zielstrebig die Kühltheke an, während H. noch mit einem Sechserträger Wasser kämpfte. Auf dem Weg dorthin standen sich ein Mann und eine Frau in einem der Quergänge gegenüber.
Und sprachen über Eier.
Als ich in Hörweite war, kündigte die Frau gerade an: "Ich nehme hier die vier Bioeier." Entschlossen griff sie zu einem der Eierkartons, während ihr Freund interessiert aufschaute und empfahl: "Aber schau nach, ob die auch ganz sind." Sichtlich genervt von dieser Pedanterie verdrehte sie die Augen und schnaufte: "Oh man! Na gut!"
Gerade als ich das Paar erreichte und ganz rücksichtsvoll zwischen ihnen durchhuschen wollte, hörte ich sie noch zufügen: "Ich warte noch bis die Olle hier vorbei ist."
Entsetzt lief ich einige Meter weiter, um mich in Sicherheit zu bringen, und drehte mich dann um. H. hatte mich eingeholt und kam mir entgegen. Aufgeregt blickte er mich an und holte Luft, als ich ihn wütend unterbrach und auf die beiden zeigte: "Weißt du, was die Frau dort gerade gesagt hat?! Ich warte noch bis die Olle hier vorbei ist."
H. schien nicht überrascht und schaute amüsiert in die Richtung, aus der er kam. Das Paar stand noch immer an der gleichen Stelle und war konzentriert über den Eierkarton gebeugt. Dann antwortete er: "Und als ich vorbei lief, meinte sie: Jetzt kommt auch noch der Typ von der Ollen."
Ich finde es sehr vorbildlich, dass die beiden sich für freie und glückliche Hühner einsetzen.
Mittwoch, Juni 13, 2012
Was nervt
Nur ein kleiner Auszug::
Die Frage "Was geht?"
Oasis.
Die Antwort "Muss ja."
Das Klingeln des Weckers.
Kalt gewordener Kaffee.
Rutschende Strumpfhosen.
Rosinen.
Wenn sich die Daunen in der Bettdecke ungleichmäßig verteilen.
Pfeifen.
Die Begeisterung für Paolo Coelho.
Wenn Fremde keinen Sicherheitsabstand halten.
Die Krümmel ganz unten in der Cornflakes-Packung.
"Scrubs".
Und "Sex and the City".
Erbsen.
Abstrakte Kunst.
Der Staubsauger meiner Nachbarin.
Das Märchen vom Froschkönig.
Die Passage aus einem Lied: "Ich liebe dich - eins, zwei drei"
Hummeln.
Dass es in Aachen kein Meer gibt.
Wenn sich während des Zähneputzens die elektrische Zahnbürste entleert.
Wenn der Faden nicht durchs Nadelöhr will.
Dass ich nicht reich bin.
Kartoffeln und Möhren schälen.
Dass alle Fernsehzeitschriften rot sind.
Wenn sich jemand mit der puren Selbstverständlichkeit vordrängelt.
Stiefmütterchen.
Kleine dekorative Buddhas.
Wenn jemand von sich selbst behauptet, er sei "ein bißchen verrückt" und man könne mit ihm "Pferde stehlen".
Braune Fliesen.
Und gelbe.
Wenn Leute nicht über meine Witze lachen.
Tiere mit dürren Beinchen.
Poloshirts.
Effi Briest und Major von Crampas.
Das Wort "Mutterkuchen".
Mario Barth.
Wenn mein Briefkasten keine Überraschungen für mich bereithält.
Trikotstoff.
Karius.
Und Baktus.
Wenn niemand meine Beiträge liest
Oder kommentiert.
Es ist wirklich kaum zu glauben, wie ausgeglichen ich angesichts dieser täglichen Herausforderungen bin.
Die Frage "Was geht?"
Oasis.
Die Antwort "Muss ja."
Das Klingeln des Weckers.
Kalt gewordener Kaffee.
Rutschende Strumpfhosen.
Rosinen.
Wenn sich die Daunen in der Bettdecke ungleichmäßig verteilen.
Pfeifen.
Die Begeisterung für Paolo Coelho.
Wenn Fremde keinen Sicherheitsabstand halten.
Die Krümmel ganz unten in der Cornflakes-Packung.
"Scrubs".
Und "Sex and the City".
Erbsen.
Abstrakte Kunst.
Der Staubsauger meiner Nachbarin.
Das Märchen vom Froschkönig.
Die Passage aus einem Lied: "Ich liebe dich - eins, zwei drei"
Hummeln.
Dass es in Aachen kein Meer gibt.
Wenn sich während des Zähneputzens die elektrische Zahnbürste entleert.
Wenn der Faden nicht durchs Nadelöhr will.
Dass ich nicht reich bin.
Kartoffeln und Möhren schälen.
Dass alle Fernsehzeitschriften rot sind.
Wenn sich jemand mit der puren Selbstverständlichkeit vordrängelt.
Stiefmütterchen.
Kleine dekorative Buddhas.
Wenn jemand von sich selbst behauptet, er sei "ein bißchen verrückt" und man könne mit ihm "Pferde stehlen".
Braune Fliesen.
Und gelbe.
Wenn Leute nicht über meine Witze lachen.
Tiere mit dürren Beinchen.
Poloshirts.
Effi Briest und Major von Crampas.
Das Wort "Mutterkuchen".
Mario Barth.
Wenn mein Briefkasten keine Überraschungen für mich bereithält.
Trikotstoff.
Karius.
Und Baktus.
Wenn niemand meine Beiträge liest
Oder kommentiert.
Es ist wirklich kaum zu glauben, wie ausgeglichen ich angesichts dieser täglichen Herausforderungen bin.
Samstag, Juni 09, 2012
Bodypump
Ein Bürojob hat viele Vorteile. Einer davon ist, dass man bei der Arbeit sitzt. Ein anderer, dass man während der Arbeit essen kann.
Für problematisch halte ich jedoch das Phänomen, dass mein Körper durch die mangelnde Bewegung sehr wenig verbrennt, mein Appetit aber ungebrochen zu sein scheint. Erst kürzlich musste ich feststellen, dass die sommerliche Leinenhose, die ich erst vor einigen Wochen gekauft hatte und die bisher nur wegen des unkooperativen Wetters noch nicht zum Einsatz gekommen war, nicht mehr passte. Wobei, um bei der Wahrheit zu bleiben, muss ich mich verbessern: Die Knöpfe lassen sich mit ein wenig Disziplin (das Ausatmen sollte man sich verkneifen) noch schließen, nur das Hinsetzen gestaltet sich schwierig - was, wo ich schon beim Thema bin, ein weiterer Nachteil eines Bürojobs ist.
Also entschloss ich mich, zum Sport zu gehen. Ich hasse Ballport, langweile mich beim Joggen, empfinde Fahrradfahren als eine Zumutung und denke, dass Schwimmen mit einem nervtötenden Aufwand verbunden ist - mal ganz abgesehen davon, dass ich beim Streit um eine eigene Bahn immer den Kürzeren ziehe und so vor allem damit beschäftigt bin, nach Luft japsend um sture alte Menschen herumzupaddeln. Überhaupt finde ich körperliche Anstrengung in den meisten Fällen lästig und halte mich da lieber an Balu, den Bären.
Aber Sport soll ja gesund sein. Und so ging ich ins Fitnessstudio. J. kannte sich aus und nahm mich mit. Schon seit einigen Monaten besuchte sie einen Kurs namens "Bodypump" und war ganz begeistert. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen und so fiel es mir leicht, ein Mal mitmachen zu wollen.
Zum Aufwärmen ging sie immer noch eine halbe Stunde auf den Stepper. Etwas in Sorge, dass mich dieser Part schon genug herausfordern würde, tat ich es ihr gleich, stellte mir etwa 1/3 von dem Widerstand ein, den J. wählte und spürte nach fünf endlos währenden Minuten Schweißperlen von meiner Stirn tropfen. Ich verringerte den Widerstand und versuchte, mich auf die an der gegenüberliegenden Wand angebrachten Fernseher zu konzentrieren. Der Sportsender zeigte Radfahren - das interessierte mich gar nicht. Wobei ich mich schon einige Zeit mit der Frage beschäftigte, was wohl die Zuschauer am Wegrand davon hatten, den Radprofis einige Meter hinterherzurennen. Auf ARD lief Schwimmen. Mir war heiß. Und ich stellte mir vor, ins Wasser zu hüpfen, abzutauchen, abzukühlen, Bahnen zu ziehen und das kalte Wasser zu spüren. Auf einmal schien mir Schwimmen äußerst attraktiv.
Als die halbe Stunde endlich vorbei war und der Sport damit gerade mal angefangen hatte, liefen wir zum Kursraum. Noch war er besetzt und wir warteten vor der Tür, neben der ebenfalls ein Bildschirm hing. Es wurden kurze Ausschnitte aus den verschiedenen Kursen gezeigt, die im Studio angeboten wurden. Einige Männer und Frauen standen auf einer Bühne, hielten Langhanteln in den Händen und machten Kraftübungen. Vor ihnen machten es reihenweise Menschen begeistert nach und lachten in die Kamera. Gerade als ich mich dazu äußern wollte, sagte J.: "Das ist unser Kurs." Schlagartig bekam ich Angst.
Als wir den Raum betraten, lief laute Musik, eine Frau begrüßte euphorisch alle Teilnehmer und wir gingen zu den Gewichten. J. erklärte mir, welche Scheiben ich brauchen würde und schon begannen die Übungen. Trainiert wurde alles, die Beine, die Schultern, der Rücken, die Arme und der Bauch. Bei den meisten Übungen hielt man eine Langhantel in den Händen, die mit unterschiedlichen Gewichten bestückt wurde. Auch wenn die Trainerin für neue Teilnehmer etwa das Dreifache vorschlug, entschied ich mich auf J.'s freundschaftlichem Rat hin fast immer für ein kleines Kilo auf jeder Seite. Die Trainerin war äußerst sympathisch, hoch motiviert und hatte scheinbar keinerlei Empathiefähigkeit. Denn schon nach dem Warm-Up (das ich ja eigentlich schon vorher längst hinter mich gebracht hatte), als meine Knie leicht zu zittern begannen, wiederholte sie immer wieder "Und ich will hier keinen aufgeben sehen!" So etwas setzt mich unter Druck und ich fürchtete, gleich ertappt zu werden, sobald ich eine Bewegung nicht ganz im Takt machen würde. Dann kamen die Beine dran. Die Hantel lag auf meiner Schulter, ich ging in die Knie und streckte meinen Po raus, dann ging es wieder hoch. Erst langsam, dann schnell, der Takt änderte sich. Mir war unerträglich heiß, der Schweiß lief und mein Gesicht war dunkelrot gefärbt. Meine Hände wurden schmierig und ich bekam Angst, mir könnte die Hantel wegrutschen. Besorgt schaute ich mich um. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass andere noch völlig unbeeindruckt schienen. Meine Nachbarin wirkte ganz frisch, sie schwitzte nicht mal, während meine Beine langsam drohten nachgeben zu wollen. Alles fühlte sich ganz weich an und ich fürchtete, dass ich es nicht mehr schaffen würde, die Hantel über meinen Kopf zu heben. "Die Beine sind fest auf dem Boden!" kam es in dem Moment von vorne und ich versuchte, meine Muskeln mehr anzuspannen, um das Zittern der Knie zu unterdrücken. Ich scheiterte.
Endlich ging es weiter. Trizepsübungen. Wir sollten uns mit dem Rücken auf den Stepper legen, was mir erstmal zusagte. Dann wurden die Arme nach oben gestreckt, die Hantel sollte langsam zur Stirn gezogen und dann wieder nach oben gedrückt werden. Erschöpft klammerte ich mich an meine Stange, die über meinem Kopf gefährlich nach links und rechts tanzte und mir bedrohlich näher kam. Gerade als sie kurz vor meiner Stirn war, musste ich mit Schrecken feststellen, dass ich offensichtlich gar keinen Trizeps hatte. Die Hantel ließ sich nicht mehr hoch pressen. Mein ganzer Körper kämpfte - gegen die Hantel, gegen die lächerliche kleine Scheibe auf jeder Seite, gegen die zitternden Beine die trotz des Liegens einfach nicht mit zittern aufhören konnten. Und gegen die Zeit. Denn wir hatten nicht mal die Hälfte geschafft.
J. brachte mich fast bis vor die Haustür. Doch die vier Etagen hoch in meine Wohnung schaffte ich nicht. Meine Beine schienen die Konsistenz von Pudding angenommen zu haben, ich legte mehrere Pausen ein. Oben angekommen ließ ich mich mit dem Bauch zuerst aufs Bett fallen - und blieb liegen.
Eine Woche lange kämpfte ich mit schlimmstem Muskelkater. Am zweiten Tag begann ich, mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen, ob ich mir eine Sportverletzung zugezogen haben könnte - am gesamten Körper.
Nur eine Woche später wurde ich Mitglied im Fitnessstudio.
Wie schön die Zeit doch war, als man dem Irrtum erlegen war, mit Spinat würde man Muckis bekommen.
Für problematisch halte ich jedoch das Phänomen, dass mein Körper durch die mangelnde Bewegung sehr wenig verbrennt, mein Appetit aber ungebrochen zu sein scheint. Erst kürzlich musste ich feststellen, dass die sommerliche Leinenhose, die ich erst vor einigen Wochen gekauft hatte und die bisher nur wegen des unkooperativen Wetters noch nicht zum Einsatz gekommen war, nicht mehr passte. Wobei, um bei der Wahrheit zu bleiben, muss ich mich verbessern: Die Knöpfe lassen sich mit ein wenig Disziplin (das Ausatmen sollte man sich verkneifen) noch schließen, nur das Hinsetzen gestaltet sich schwierig - was, wo ich schon beim Thema bin, ein weiterer Nachteil eines Bürojobs ist.
Also entschloss ich mich, zum Sport zu gehen. Ich hasse Ballport, langweile mich beim Joggen, empfinde Fahrradfahren als eine Zumutung und denke, dass Schwimmen mit einem nervtötenden Aufwand verbunden ist - mal ganz abgesehen davon, dass ich beim Streit um eine eigene Bahn immer den Kürzeren ziehe und so vor allem damit beschäftigt bin, nach Luft japsend um sture alte Menschen herumzupaddeln. Überhaupt finde ich körperliche Anstrengung in den meisten Fällen lästig und halte mich da lieber an Balu, den Bären.
Aber Sport soll ja gesund sein. Und so ging ich ins Fitnessstudio. J. kannte sich aus und nahm mich mit. Schon seit einigen Monaten besuchte sie einen Kurs namens "Bodypump" und war ganz begeistert. Ich konnte mir darunter nichts vorstellen und so fiel es mir leicht, ein Mal mitmachen zu wollen.
Zum Aufwärmen ging sie immer noch eine halbe Stunde auf den Stepper. Etwas in Sorge, dass mich dieser Part schon genug herausfordern würde, tat ich es ihr gleich, stellte mir etwa 1/3 von dem Widerstand ein, den J. wählte und spürte nach fünf endlos währenden Minuten Schweißperlen von meiner Stirn tropfen. Ich verringerte den Widerstand und versuchte, mich auf die an der gegenüberliegenden Wand angebrachten Fernseher zu konzentrieren. Der Sportsender zeigte Radfahren - das interessierte mich gar nicht. Wobei ich mich schon einige Zeit mit der Frage beschäftigte, was wohl die Zuschauer am Wegrand davon hatten, den Radprofis einige Meter hinterherzurennen. Auf ARD lief Schwimmen. Mir war heiß. Und ich stellte mir vor, ins Wasser zu hüpfen, abzutauchen, abzukühlen, Bahnen zu ziehen und das kalte Wasser zu spüren. Auf einmal schien mir Schwimmen äußerst attraktiv.
Als die halbe Stunde endlich vorbei war und der Sport damit gerade mal angefangen hatte, liefen wir zum Kursraum. Noch war er besetzt und wir warteten vor der Tür, neben der ebenfalls ein Bildschirm hing. Es wurden kurze Ausschnitte aus den verschiedenen Kursen gezeigt, die im Studio angeboten wurden. Einige Männer und Frauen standen auf einer Bühne, hielten Langhanteln in den Händen und machten Kraftübungen. Vor ihnen machten es reihenweise Menschen begeistert nach und lachten in die Kamera. Gerade als ich mich dazu äußern wollte, sagte J.: "Das ist unser Kurs." Schlagartig bekam ich Angst.
Als wir den Raum betraten, lief laute Musik, eine Frau begrüßte euphorisch alle Teilnehmer und wir gingen zu den Gewichten. J. erklärte mir, welche Scheiben ich brauchen würde und schon begannen die Übungen. Trainiert wurde alles, die Beine, die Schultern, der Rücken, die Arme und der Bauch. Bei den meisten Übungen hielt man eine Langhantel in den Händen, die mit unterschiedlichen Gewichten bestückt wurde. Auch wenn die Trainerin für neue Teilnehmer etwa das Dreifache vorschlug, entschied ich mich auf J.'s freundschaftlichem Rat hin fast immer für ein kleines Kilo auf jeder Seite. Die Trainerin war äußerst sympathisch, hoch motiviert und hatte scheinbar keinerlei Empathiefähigkeit. Denn schon nach dem Warm-Up (das ich ja eigentlich schon vorher längst hinter mich gebracht hatte), als meine Knie leicht zu zittern begannen, wiederholte sie immer wieder "Und ich will hier keinen aufgeben sehen!" So etwas setzt mich unter Druck und ich fürchtete, gleich ertappt zu werden, sobald ich eine Bewegung nicht ganz im Takt machen würde. Dann kamen die Beine dran. Die Hantel lag auf meiner Schulter, ich ging in die Knie und streckte meinen Po raus, dann ging es wieder hoch. Erst langsam, dann schnell, der Takt änderte sich. Mir war unerträglich heiß, der Schweiß lief und mein Gesicht war dunkelrot gefärbt. Meine Hände wurden schmierig und ich bekam Angst, mir könnte die Hantel wegrutschen. Besorgt schaute ich mich um. Zu meinem Erstaunen musste ich feststellen, dass andere noch völlig unbeeindruckt schienen. Meine Nachbarin wirkte ganz frisch, sie schwitzte nicht mal, während meine Beine langsam drohten nachgeben zu wollen. Alles fühlte sich ganz weich an und ich fürchtete, dass ich es nicht mehr schaffen würde, die Hantel über meinen Kopf zu heben. "Die Beine sind fest auf dem Boden!" kam es in dem Moment von vorne und ich versuchte, meine Muskeln mehr anzuspannen, um das Zittern der Knie zu unterdrücken. Ich scheiterte.
Endlich ging es weiter. Trizepsübungen. Wir sollten uns mit dem Rücken auf den Stepper legen, was mir erstmal zusagte. Dann wurden die Arme nach oben gestreckt, die Hantel sollte langsam zur Stirn gezogen und dann wieder nach oben gedrückt werden. Erschöpft klammerte ich mich an meine Stange, die über meinem Kopf gefährlich nach links und rechts tanzte und mir bedrohlich näher kam. Gerade als sie kurz vor meiner Stirn war, musste ich mit Schrecken feststellen, dass ich offensichtlich gar keinen Trizeps hatte. Die Hantel ließ sich nicht mehr hoch pressen. Mein ganzer Körper kämpfte - gegen die Hantel, gegen die lächerliche kleine Scheibe auf jeder Seite, gegen die zitternden Beine die trotz des Liegens einfach nicht mit zittern aufhören konnten. Und gegen die Zeit. Denn wir hatten nicht mal die Hälfte geschafft.
J. brachte mich fast bis vor die Haustür. Doch die vier Etagen hoch in meine Wohnung schaffte ich nicht. Meine Beine schienen die Konsistenz von Pudding angenommen zu haben, ich legte mehrere Pausen ein. Oben angekommen ließ ich mich mit dem Bauch zuerst aufs Bett fallen - und blieb liegen.
Eine Woche lange kämpfte ich mit schlimmstem Muskelkater. Am zweiten Tag begann ich, mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen, ob ich mir eine Sportverletzung zugezogen haben könnte - am gesamten Körper.
Nur eine Woche später wurde ich Mitglied im Fitnessstudio.
Wie schön die Zeit doch war, als man dem Irrtum erlegen war, mit Spinat würde man Muckis bekommen.
Freitag, Juni 01, 2012
Lyrischer Kanon
Bisher war mir die Bedeutung meines künstlerischen Schaffens noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß bewusst. Doch heute ereilte mich ein Schreiben, das mir die Augen öffnete. Mir wurde ein Angebot unterbreitet, das meiner scheinbar unangebrachten Bescheidenheit ein Ende setzt. Mir wurde der Weg für eine literarische Laufbahn geebnet.
Ich zitiere:
"Ihr im Standardwerk ... herausgegebenes Gedicht Tief eingeatmet ist der Redaktion aufgefallen. Es ist sehr geeignet, um im Fernsehen gelesen und ausgestrahlt zu werden.
...
Während die Veröffentlichung in der renommierten ... Ihre Leistung dokumentiert und Sie in den Kanon der zeitgenössischen Dichter eingereiht hat, können Sie mit einer Lesung im Fernsehen, das im Internet seine Beiträge dauerhaft ausstrahlt, das deutschsprachige Publikum weltweit erreichen.
Die Ausstrahlung Ihrer Gedichtlesung ist deshalb wichtig, weil, anders als im Druck, die Gefühle und Intentionen im Vortrag unmittelbar zum Ausdruck gelangen, von denen Ihr Gedicht getragen ist."
An dieser Stelle schon leicht beflügelt von der Bedeutsamkeit meines Werks, konnte mich der folgende Satz dann endgültig überzeugen:
"Nicht zuletzt ist Ihr auf Dauer dokumentierter Auftritt auch ein literaturhistorisches Zeugnis, das der Mitwelt verfügbar bleibt."
Etwas verdächtig schienen mir zwar die Kostenaufstellung und die Möglichkeit eines kostenpflichtigen Monatsabos, das mit die weltweite Ausstrahlung meiner gefühlsbetonten Lesung über einen größeren Zeitraum hinweg ermöglichen soll. Aber als zeitgenössischer Dichter, eingefügt in den lyrischen Kanon, in einer Reihe mit Hilde Domin und Erich Fried, fühle ich mich meiner Mit- und Nachwelt verpflichtet.
Im Übrigen muss ich nicht selbst lesen, sondern kann auch eine andere Person bestimmen. Bewerbungen nehme ich gerne entgegen.
Und die Moral von der Geschicht':
Wer nichts zahlt, der kriegt auch nichts.
Hier übrigens das Gedicht:
Tief eingeatmet
Ein spöttisches Lächeln,
das die Herzkammern umspielt,
rhythmisch im Takt.
Tief eingeatmete, eingesogene Depression,
die in der Lunge Metastasen bildet.
Kurz gehustet, die Atemwege befreit
Für Nachschub
Ein kräftiger Zug an der lebensverachtenden Zigarette
Und die Urteilsfindung liegt auf der Hand.
Beim Ausatmen kein Glück
Dunst in allen Winkeln des Zimmers,
dort, wo der Staub nie weggewischt wird.
Ich zitiere:
"Ihr im Standardwerk ... herausgegebenes Gedicht Tief eingeatmet ist der Redaktion aufgefallen. Es ist sehr geeignet, um im Fernsehen gelesen und ausgestrahlt zu werden.
...
Während die Veröffentlichung in der renommierten ... Ihre Leistung dokumentiert und Sie in den Kanon der zeitgenössischen Dichter eingereiht hat, können Sie mit einer Lesung im Fernsehen, das im Internet seine Beiträge dauerhaft ausstrahlt, das deutschsprachige Publikum weltweit erreichen.
Die Ausstrahlung Ihrer Gedichtlesung ist deshalb wichtig, weil, anders als im Druck, die Gefühle und Intentionen im Vortrag unmittelbar zum Ausdruck gelangen, von denen Ihr Gedicht getragen ist."
An dieser Stelle schon leicht beflügelt von der Bedeutsamkeit meines Werks, konnte mich der folgende Satz dann endgültig überzeugen:
"Nicht zuletzt ist Ihr auf Dauer dokumentierter Auftritt auch ein literaturhistorisches Zeugnis, das der Mitwelt verfügbar bleibt."
Etwas verdächtig schienen mir zwar die Kostenaufstellung und die Möglichkeit eines kostenpflichtigen Monatsabos, das mit die weltweite Ausstrahlung meiner gefühlsbetonten Lesung über einen größeren Zeitraum hinweg ermöglichen soll. Aber als zeitgenössischer Dichter, eingefügt in den lyrischen Kanon, in einer Reihe mit Hilde Domin und Erich Fried, fühle ich mich meiner Mit- und Nachwelt verpflichtet.
Im Übrigen muss ich nicht selbst lesen, sondern kann auch eine andere Person bestimmen. Bewerbungen nehme ich gerne entgegen.
Und die Moral von der Geschicht':
Wer nichts zahlt, der kriegt auch nichts.
Hier übrigens das Gedicht:
Tief eingeatmet
Ein spöttisches Lächeln,
das die Herzkammern umspielt,
rhythmisch im Takt.
Tief eingeatmete, eingesogene Depression,
die in der Lunge Metastasen bildet.
Kurz gehustet, die Atemwege befreit
Für Nachschub
Ein kräftiger Zug an der lebensverachtenden Zigarette
Und die Urteilsfindung liegt auf der Hand.
Beim Ausatmen kein Glück
Dunst in allen Winkeln des Zimmers,
dort, wo der Staub nie weggewischt wird.
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