Mittwoch, November 21, 2012

Diversifikation

Ich finde Elektronikmärkte in der Regel recht öde. Multifunktionsregale in tristen Farben reihen sich auf einem durchgelaufenen dunklen Teppichboden mit veraltetem Muster aneinander. Neben schwarzen Kabelvariationen werden eine erstaunliche Auswahl an Druckerpatronen, haufenweise Stecker und weitere ausschließlich praktisch und wenig ästhetisch orienterte elektronische Geräte präsentiert. An den Decken hängen grelle Rabattschilder und am Anfang jeden Ganges sind Kartons mit Sonderangeboten gestapelt.
Schon die Einfallslosigkeit der Inneneinrichtung löst in mir ein bedrückendes Museumsgefühl aus. Eine gähnende Langeweile, die auch bei der Besichtigung einer Impressionistenausstellung oder einer Porzellanfabrik Besitz von mir nimmt.
Beim Anblick der ausgestellten Produkte werde ich ganz müde und bekomme Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Das ständige Piepen der Diebstahlsicherungen an den Handys und Laptops löst in mir ein Genervtheitsgefühl aus, das mich, kombiniert mit den Langeweilesymptomen, in einen Zustand der Apathie versetzt.

Wenn H. also wieder einmal gemächlich durch Saturn oder Media Markt schlendert und ich bereits den gesamten Laden in Augenschein nehmen konnte, während er sich noch keine zehn Meter von der Eingangstür entfernt hat, muss ich mir Strategien überlegen, diesen Zustand zu überwinden.
Anfangs ging ich immer in die Fernsehabteilung, schnappte mir eine der pinken, für meinen Kopf viel zu groß geschnittenen, Papp-3D-Brillen und schaute mir die Trailer auf dem größten der TV-Geräte an.

Doch mittlerweile führt Saturn ein Produkt, das mich tatsächlich interessiert. Und zwar Bücher.
Zwar ist schon bei der Präsentation der Titel ersichtlich, dass die Mitarbeiter mit dem Buchhandel wenig vertraut sind - so werden Mängelexemplare in einem großen Gitter mit dem Schild "Diverse Interpreten" präsentiert - doch dankbar für dieses wohlwollende Entgegenkommen des Marktes schmöker ich in den Büchern und suche zwischen den ausgestellten Bestsellern nach kleinen Schätzen.

Einige Monate lang besaß ich eine Gutscheinkarte von Saturn. Da mit dem Guthaben keine größere Anschaffung möglich war, mir vielmehr der Erwerb zweier Taschenbücher finanzierbar schien, hielt ich im letzten Monat - zufrieden mit der neuen Option - nach potentiellen Titeln Ausschau. Nach einiger Zeit (in der auch H. den Laden in aller Ruhe begutachten konnte) hielt ich zufrieden zwei Bücher in der Hand und ging zur Kasse.
Als ich meinen Gutschein zückte, erntete ich Spott und Hohn. Belustigt begann die junge blonde Kassiererin zu lachen und sagte: "Ach herrlich! Ich geh zu Saturn und kaufe mir Bücher!"

Zu Hause stellte ich die beiden Bücher ins Regal und schnappte mir ein anderes. Eins, das ich in einer Buchhandlung gekauft hatte.










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