Sonntag, August 05, 2012

Schwulitäten

Seit Anfang des Jahres steigerte sich die Anzahl meiner Beiträge stetig. Im Juni lief es dann wirklich gut. Ich veröffentlichte 8 Beiträge innerhalb von vier Wochen und war so richtig im Flow. Mein Fleiß wurde sogleich von einer erstaunlich guten Statistik belohnt. Mit etlichen Suchbegriffen landete man auf meinen Posts und jeden Tag kamen mehr Besucher auf meinen Blog.

Doch dann kam der Juli. Und nach beinahe zwei Jahren war es wieder Zeit für einen Umzug. Ich sortierte meinen Kram, mistete aus, schmiss einen Haufen unnützer Dinge weg und wickelte zerbrechliche Gegenstände genervt in Zeitungspapier. Ich wunderte mich darüber, wie wenig Bücher in einen Umzugskarton passten (3 Billyregale - teils in doppelter Reihe gelagerte Bücher - ergeben 30 Kisten) und konnte mich plötzlich nicht mehr erinnern, was eigentlich gegen einen E-Reader sprach.
Schon vor dem eigentlichen Umzugstermin schleppte ich täglich nach Feierabend Kisten die vier Stockwerke nach unten. Und obwohl ich ja unter die Sportler gegangen bin, musste ich feststellen, dass die Fitness- und Kraftübungen im Alltag keine Wirkung zeigten. Schon nach dem ersten Abstieg zitterten meine Knie und meine Arme zeigten Ermüdungserscheinungen. Die Kartons, die in der Wohnung noch gut gepackt schienen, wogen vier Etagen tiefer 10 Kilo mehr.

Seit Jahren verfolgt mich ein Traum. Ich werde morgens vom Türklingeln geweckt, schrecke hoch und es fällt mir wieder ein: Heute ziehe ich um. Hektisch springe ich auf, schaue mich in der Wohnung um und stelle fest, dass noch nichts gepackt ist. Es sind nicht mal Umzugskartons organisiert. Im Treppenhaus höre ich laute Schritte, die Helfer kommen immer näher. Mir wird ganz heiß ... Und dann wache ich auf.


Bei diesem Umzug habe ich darüber nachgedacht, es beim nächsten Mal vielleicht einfach darauf ankommen zu lassen.

Zurück zum Thema Statistik. Am Telefon hat mir Alice versichert, dass es kein Problem sei, mit meinem Vertrag umzuziehen. Das Ganze sei völlig unkompliziert und würde maximal drei Wochen dauern. Eine Woche später erhielt ich einen Brief mit der Vorankündigung, der Techniker würde Mitte August kommen. Gut 1 1/2 Monate später als vereinbart. Ich kündigte meinen Vertrag und suchte mir einen neuen Anbieter.
Seit dieser Woche kann ich wieder ins Internet. Doch jetzt sitze ich am Computer, öffne meinen Blog und finde die unerfreuliche Nachricht: "Gestern: 2 Besucher". Ich muss dringend etwas tun, denke ich und klicke nervös auf "Neuer Post". Eine leere, völlig weiße Seite öffnet sich und in mir breitet sich ein ungutes Gefühl aus. Ich denke über die letzten Wochen nach, erinnere mich an lustige Begebenheiten, interessante Gespräche, nette Anekdoten. In meinem kleinen Heft mit dem trompetespielenden Nashorn hatte ich einige brauchbare Ideen notiert. Doch mir erscheint alles zu belanglos.

Andererseits habe ich meinen letzten Posts einem versauten Haarschnitt gewidmet und keinen Gedanken daran verschwendet, dass das Thema möglicherweise ein wenig trivial sein könnte.

Doch vielleicht hätte ich das tun sollen.

Die Blog-freie Zeit bringt mich in Schwulitäten.

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