Donnerstag, August 09, 2012

Mit dem Bus zur Arbeit

Seit meinem Umzug fahre ich morgens mit einem anderen Bus zu Arbeit. Es fiel mir nicht leicht, meine gewohnte Linie aufzugeben. Ich fahre äußerst gerne Bus. Und ich hatte mich an die Route gewöhnt und auch meine Mitfahrer waren mir im Laufe der Zeit vertraut geworden. Jeden Morgen traf ich die gleichen, mir eigentlich völlig unbekannten Menschen. Ich lernte ihre Gewohnheiten schnell kennen, wusste, wer immer schon zu früh mit mir an der Bushaltestelle wartete und wer knapp vor der Abfahrt eintrudelte. Ich beobachtete, welche Bücher meine Mitfahrer lasen und konnte bei dem ein oder anderen zu laut eingestellten MP3-Player den Musikgeschmack des Besitzers erahnen. Ich wusste, wer seinen Platz für eine alte Person aufgab und wer scheinbar verträumt aus dem Fenster starrte, wenn jemand mit Krücken den Bus betrat. Es gab so manchen, der seine Augen schloss und ein kleines Nickerchen hielt, und andere, die gut gelaunt drauf los schnatterten, wenn sie ihre Bekannten oder Kollegen trafen.
Ein Mann mittleren Alters, der immer mit mir zusammen in den Bus einstieg, wurde fünf Haltestellen immer ganz nervös. Denn dort stieg eine hübsche Russin mit langen Beinen ein. Ein junges Mädchen verlagerte ihr Frühstück jeden Morgen in den Bus. An einem Tag - der Bus fuhr immer um 7:30 Uhr ab - schleckte sie gerade an einem Eis, als ich sie entdeckte. Traf ich jemanden nicht, wusste ich, dass er Urlaub hatte oder krank war. Kam er nach zwei Wochen braun gebrannt wieder, wusste ich, dass er nicht krank war.
Eine Gymnasialklasse in der Region hatte sogar ein Musical zu dieser Buslinie geschrieben. Leider hatte ich keine Gelegenheit, mir die Aufführung anzusehen.

Nun fahre ich also mit einem anderen Bus. Die Strecke ist um einiges schöner. Und die Atmosphäre ist eine ganz andere. Hier scheint sich jeder zu kennen. Die meisten Fahrgäste steigen im Industriegebiet aus und ich teile mir den Bus dann mit etwa einer handvoll anderen Personen.
Vorne im Bus sitzen sich immer zwei Frauen gegenüber. Da das ein oder andere Gespräch zwischen den beiden schon zu meiner Unterhaltung während der Busfahrt beitragen konnte, setze ich mich gerne in ihre Nähe. Auch wenn die eine der beiden Frauen, eine dunkelhaarige Mittfünfzigerin mit vielen kleinen Sommersprossen, eine sehr laute Stimmt hat und es eigentlich gar nicht nötig wäre. So konnte ich schon Zeuge von so manch einem Gedankenaustausch werden. Dieser hat mir bisher am besten gefallen:

Die Blonde (ganz müde und erschöpft): "Mensch, weißt du... gestern war ich so fertig! Um halb zehn habe ich mich hingelegt und bin sofort eingeschlafen. Ich weiß gar nicht, was los ist ..."
Die Braunhaarige (belehrend): "Na! Wir haben ein sehr großes Ozonloch. Daran liegt das!"


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