Sonntag, Mai 27, 2012

Kurioses aus Aachen

Gestern in Aachen ...

1) Vor mir lief ein Paar, etwa 40 Jahre alt. Die Frau trug ein rot-weiß gestreiftes Kleid, das an ein verlängertes Sportshirt erinnerte und für das sie trotz der Einfallslosigkeit des Designers sicher einen unverschämten Preis gezahlt hatte. Ihre blondierten Haare waren am Kinn akkuarat zu einem spießigen Bob geschnitten, der perfekt zur Sylt-Urlauber-Optik des Paares passte. Die beiden unterhielten sich über eine Termin mit einem befreundeten Ehepaar, als die Frau sagte: "Ist ja auch egal. Ihr könnt ja mal schauen. Wir Chicas treffen uns abends ohnehin im Café."


2) In der Fußgängerzone kam mir ein kleiner zierlicher Dackel entgegegen. Mir sind Dackel extrem sympathisch. Die kurzen Beine mit dem in die Länge gezogenen Rücken und dem bärtigen Gesicht lassen das merkwürdig proportionierte Tier fast surreal wirken. Gut gelaunt und schwanzwedelnd trottete mir der Kleine entgegen, im Schlepptau einen älteren Herrn.
Plötzlich hörte ich ein tiefes Knurren. Gelbe, scharfe Zähne kamen zum Vorschein und die Leine begann gefährlich zu vibrieren. Mit einem Mal explodierte es und der Hund brachte ein wütendes, dunkles Kläffen hevor. Er zerrte an der Leine, riss mit aller Gewalt daran und fixierte dabei etwas, das hinter mir zu sein schien. Wie kurze schnelle Schüsse dröhnte sein tiefes Bellen durch die Straße und zog neugierige Blicke auf sich. Ich drehte mich um und entdeckte einen muskulösen, sabbernden Boxer, der gemütlich an mir vorbei spazierte.
Auf dem Halsband des Dackels stand "Schmusebacke".

3) Zwei Freunde im Café. Der eine beschwerte sich lautstark: "Ey, ich hasse den! Ich hasse den! Wenn ich den treffe, ich überfahre den!" Ich stellte mir vor, wie er ihn in einer Imbissbude, einer Bar oder der Fußgängerzone trifft, losrennt und schnell sein Auto holt.

4) Eine junge Mutter schob ihren Kinderwagen vor sich über die Straße. Eine Freundin begleitete sie und steigerte sich in einen Monolog hinein. Sichtlich aufgebracht erzählte sie: "Man! Ich bin dem auch immer hinterhergelaufen. Der kann mir auch mal hinterlaufen. Thomas sagt auch, ich bin ihm immer hinterhergelaufen. Warum kann der mir nicht mal hinterlaufen. Der wird einem Mädchen doch wohl auch mal hinterherlaufen können ..." Da musste ich abbiegen und dachte an einen Artikel aus der "Zeit" zur Stilkunde, in dem sich der Verfasser über einen krampfhaften Gebrauch von Synonymen beschwert.

5) Die Cafés hatten Ihre Stühle rausgestellt und der Platz war voller Menschen, die sich unter dem Schutz von Sonnenschirmen ein kühles Getränk oder ein Eis gönnten. Ich schlenderte an ihnen vorbei, ließ mir die Sonne ins Gesicht scheinen und genoss die warme Luft. Ein braun gebrannter Mann mir kurzer Hose und T-Shirt kam mir entgegen. In seinen Händen hielt er zwei Skier. Mich würde interessieren, was er damit vorhatte.



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