Mittwoch, Mai 09, 2012

Der Verfall der deutschen Sprache

Um Kunden die Möglichkeiten zu bieten, in einer angenehmen Atmosphäre lange und ausgiebig in den Büchern zu schmökern, hatte man in der Buchhandlung, in der ich einige Zeit beschäftigt war, mehrere gemütliche Sitzgruppen auf den Etagen platziert. Vor allem in der Schulbuchabteilung wurden diese allerdings häufig von Jugendlichen in Beschlag genommen, die die Sache mit der Schulpflicht möglicherweise nicht so eng sahen und auch kein Gefühl für Lautstärke mitbrachten. So konnte ich in auf der gesamten Etage die geistreichen Debatten und tiefschürfenden Diskussionen mithören und stellte fest, dass die Gespräche völlig ohne Präpositionen abliefen.
Als das Handy von einem der Jungs klingelte, hielt er es sich ans Ohr:

"Ey, Alter, was is'?"
Pause.
"Näh, ich bin Buchhandlung! Ich bin Buchhandlung!"
Pause.
"Komm Bushof!"
Pause.
"Ja, ich komm auch Bushof!"
Dann legte er auf, drehte sich zu seinen Kumpels und sagte: "Komm, wir müssen Bushof."
Gesammelt standen alle auf und schlurften Richtung Rolltreppe.

Als ich auf einer Geburtstagsfeier von meinen Beobachtungen erzählte, musste ich feststellen, dass anderen dieses Phänomen schon viel früher augefallen war und sie auch schon einen Spitznamen für die Jugendlichen hatten: "Präpositionsloses Pack".

Ich frage mich, wieso für den Genitiv Rettungsaktivisten laut werden, nach den Präpositionen aber kein Hahn kräht.
Sebastian Sick sollte sich dieses Problems (oder diesem Problem?) annehmen!

Kommentare:

Pony mit Hütchen hat gesagt…

Hach, da werden Erinnerungen wach! Die Schulbuchabteilung - samt ihrer geistreichen Kunden- fehlt mir schon sehr!

Schade, bei uns sagen sie immer nur "Ey, lass mal Lounge!". Für alle nicht Eingeweihten: "Lass uns mal in die Lese-Lounge setzen, die ist so gemütlich und wir können ungesehen, Mangas, Bücher und Zeitschriften zerfledder, weil der Tag sonst nichts bietet!"

Armin Langweg hat gesagt…

Hallo Maren,

die Seite ist super.