Sonntag, April 01, 2012

Sonnenstrahlen

Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen in diesem Jahr packte ich meine Decke unter den Arm und ging in den Park. Kaum hatte ich es mir auf der Wiese gemütlich gemacht, setzte sich ein Mann hinter mich, den ich unter normalen Umständen wohl "Obdachloser" nennen würde. Doch eigentlich weiß ich gar nicht, ob diese Leute tatsächlich ohne Obdach sind. Es gab nur einige Hinweise, wie seine ausgebeulte Hose, das schmuddelige Hemd, der Dreck unter den Fingernägeln, die langen fettigen braunen Locken und der Drei-Tage-Bart, der sicher schon mehr als drei Tage vor sich hin wuchs. Kurze Zeit später, stieß ein (ähnlich ungepflegter) Freund zu ihm.
Die beiden unterhielten sich einige Zeit. Dann kramte der Lockige in seiner Tasche und beförderte eine Batterie zu Tage. "Hier", sagte er fröhlich. "Ich habe neue Batterien bekommen. Auf der müsste noch was drauf sein..." er kramte weiter. "Und auf der auch." Gut gelaunt steckte er sie in seinen kleinen tragbaren CD-Player, aus dem auch gleich scheppernde Musik erklang.
Schlagartig war ich genervt. Eine Mischung aus Pop, christlichem Wir-Klatschen-Im-Rhythmus-Mit-Und-Wiegen-Uns-Im-Takt-Worship und psychedelischen Bollywood-Klängen erreichten mein Ohr. So eine Musik hatte ich noch nie gehört. Und doch erinnerte sie mich an eine Wahlwerbung der Violetten, die ich vor etwa zehn Jahren im Politikunterricht gesehen hatte.

Der Mann drehte sich zu seinem Freund: "Geil, wa? Die Scheibe? ...also wem das nicht gefällt."

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