Sonntag, Februar 26, 2012

Stolze Patin

Schon länger hatte ich mit dem Gedanken gespielt und im Januar war es endlich so weit. Nach einer ausführlichen Besichtigung des Geländes und einer kurzen Schulung, bei der ich viel über die verchiedenen Möglichkeiten lernte, sich eine Bisswunde zu holen, gab ich meine Unterschrift ab und wurde offiziell Patin im Tierheim. Ich habe nicht nur die Möglichkeit, die Institution finanziell zu unterstützen, sondern kann auch auch bei Aktionen helfen oder mich mit um die Tiere kümmern. Im Katzenhaus können Katzen gestreichelt werden und im Kleintierbereich die Kaninchen, Hasen und Meerschweinchen. Außerdem müssen Hunde ausgeführt werden. Und das wollte ich machen. Schon im Vorhinein konnte ich auf der Internetseite einiges über die Lebensgeschichten der kleinen Flausch-Bewohner erfahren. Einige wurden abgegeben, viele wurden einfach nur gefunden.
Über ihre Vergangenheit ist nichts bekannt, doch die Verhaltensweisen geben Hinweise. Voller Mitgefühl und altruistischem Tatendrang fuhren wir Sonntag morgens los. Die Ausgehzeiten sind geregelt und fangen morgens um zehn Uhr an. Etwa um zehn nach standen wir auf dem Hof und ich blickte einer Tierpflegerin in die Augen. "Leider sind schon alle Hunde weg. Wobei... Moment." Sie drehte sich zu ihrer Kollegin um: "Sind die beiden Opis noch da?"
Kurze Zeit später kam sie wieder. In der Hand hielt sie zwei Leinen, an deren Ende ich zwei kleine steinalte Mischlinge entdeckte, die mich beide, in Strickjäckchen gepackt, erwartungsvoll und schwanzwedelnd anstarrten. "Hier, das sind unsere Opas. Die gehören zusammen. Schaut einfach mal, wie weit ihr kommt."
Ich nahm die beiden Leinen und versuchte das Gelände durch das große Tor zu verlassen. Doch schon hier hielt der eine an und schnupperte an der Mauer, während mich der zweite ungeduldig anschaute. Seine Beine waren ganz blau und an einigen Stellen fehlte Fell. Er erinnerte mich an eine der Muppetfiguren, seine Schnauze sah aus, als versteckte er dahinter ein verschmitzes Lächeln. Die Tierpflegerin gab dem Trödler einen Schubs und wir hatten es endlich geschafft. Fünf Meter weiter erledigten beide ihr Geschäft, natürlich auf dem Gehweg. Wir mussten zurück, denn wir hatten die schwarzen Tüten vergessen. Schnell stellte sich heraus, dass der Trödler nicht gerne lief, sondern lieber schnüffelte, während sein Kumpel Blaubein sich völlig unbeeindruckt von den Gerüchen zeigte und es nicht erwarten konnte, vorwärts zu kommen. In dieser Kobination war es kaum möglich, auch nur einen Schritt zu machen. Während der Eine seine Nase in herumliegende Äste steckte, bellte mich der Andere vorwurfsvoll an und hüpfte auf seinen kleinen Beinchen herum. Ich zog also ganz sanft an der einen Leine, um den Schimpfenden nicht noch weiter zu verärgern, und wir erreichten nach etlichen Minuten den nur wenige Meter entfernten Parkplatz. Dort angekommen blickten beide schon wieder sehnsüchtig zurück in die Richtung, aus der wir gerade erst gekommen waren. Den Kleinen war merklich kalt und der mit den kahlen Stellen im Fell benutzte seit einigen Metern nur noch drei Beine, obwohl er vier hat. Der Schnüffler weigerte sich, auch nur einen Meter weiterzugehen und so beschlossen wir, wieder umzukehren.
In gewohnter Umgebung angekommen, waren die beiden sichtlich froh, uns los zu sein.

Auf dem Weg nach Hause bekomme ich einen Ohrwurm von "Who let the Dogs out." Blaubein kläfft dazu im Takt.

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