Sonntag, Januar 30, 2011

Herbstzeit

Gefühllose Härte inmitten des Lichts
Gelb oranger Schein
Eingebettet in totes Laub
Und wieder aufgewirbelt
vom tobenden Wind

Milliarden Tropfen prasseln
Auf Schwarze Schirme, die
Wandern durch große kleine Pfützen.
Gefolgt von dunkler Watte
Ungemütlich nass

Scheinwerfer am helllichten Tage
Mit Gummistiefeln, ohne Kinderwagen
Das Lächeln im Sommer gelassen
Erst im März zum Abholen bereit
Warmen Schal und Handschuhe gekauft

Melancholischer Kerzenschein
Zaubert Gemütlichkeit im Kopf
Das Innerste verdrängen
Nur tiefe Gedanken auf Papier
Für die Zeit der Trauer

Gelb oranges Kastanienblatt
Vom tobenden Wind gebracht
Tiefe Gedanken vergessen - nie gedacht
Das Lächeln niemals weggebracht
Eine Botschaft von dir.

(Marinski, 13. Dezember 2005)

"Es ist vollbracht"

Verfolgt von der gierigen Menge,
verspottet, verachtet, gehasst,
der giftige Kuss der sterbenden Schlange,
vom höchsten Rate gefasst.

Beschimpft, belacht und geschlagen
trug er die Schuld dieser Welt,
verlassen von Gott, ohne ein Klagen,
an liebenden Geboten sich hält.

Ans splitternde Holze gehängt,
mit eisernen Nägeln durchbohrt,
mit seines Vaters Kraft beschenkt
.„Welt: erhebt eure Stimme zum Mord.“

Lästernde Augen und verlorene Seelen
Richteten ihre Sinne aufs Leid,
harte Worte aus blutigen Kehlen,
zu Qualen und Schmerzen bereit.

„Ist er der König von Israel,
so steige er nun vom Kreuze herab,
so wollen wir an ihn glauben
und ihm geben die höchste Macht.

“Ein schwarzer dürrer Schatten,
mit einer Axt das Kreuze zerhackt,
spürt seine müden Glieder ermatten
und sprach zur Welt: „es ist vollbracht.“

(Marinski, 14. Dezember 2005)

Mittwoch, Januar 19, 2011

Stirb Schmetterlin, stirb

Stirb Schmetterling, stirb

Kleines hilfloses Geschöpf,
kreischst schrill, schweigst still.
Friert's dich? Du frisst mich!
Träum von dir die ganze Nacht.

Schütze mich, pflege mich, hege mich.
Farbenfrohes Wesen, kleiner Akrobat.
Quält's dich? Du tötest mich.
Kraftloser Flattermann.

Stirb doch endlich, stirb.
Empfindliches Insektchen.
Flieg doch davon. Wenn du kannst.
Hasse dich, wein um dich.
Stirb Schmetterling, stirb.

Mit diesem Gedicht habe ich voriges Jahr bei dem Wettbewerb der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte teilgenommen. Zwar habe ich keinen der Gewinnerplätze belegt (was ich zweifellos verdient hätte), aber der Text ist in dem Buch "Gesammelte Werke XIII" erschienen, der für läppische 66 Euro im Handel zu kriegen ist.

Sonntag, Januar 02, 2011

Globen

"Fräulein?"

Ich wusste bis vor Kurzem nicht, dass dieses Wort noch gebraucht wird."Wir bräuchten mal Beratung bei den Globen..."
Ein älteres Ehepaar schaut mich auffordernd an. Ich lächel, sage "ja, gerne" und führe sie zum hinteren Regal. "Haben Sie sich denn schon einen ausgesucht?"
"Ja... also, wir wissen nicht so recht. Könnten Sie uns da nicht beraten?"
Ich lass meinen Blick über die Globen schweifen, suche mir einen aus, der mir am besten gefällt und berichte über das Offensichtliche.
Doch schnell werde ich unterbrochen. "Aber nee, Günther. Schau mal, der ist doch schon ganz kaputt..."
"Nein, nein." verusche ich dazwischen zu gehen. "Der ist nicht kaputt. Das ist ein Relief-Globus. Der ist einerseits politisch...sehen Sie, da können Sie die Grenzen der Länder erkennen. Und zusätzlich sind die Berge, ein wenig abgehoben. Sie können also, wenn sie mit der Hand über die Oberfläche gehen, die Höhen und Tiefen ertasten."
Günther probiert es gleich mal aus, streicht mit seinen Fingern über Amerika und schaut interessiert über seine Brille hinweg auf die Weltkugel. Seine Frau mustert das Treiben sichtlich kritisch.
"Nee, nee, Günther. Das mit den Wubbels gefällt mir nicht."