Sonntag, August 07, 2011

Trompete spielendes Nashorn

Vor einiger Zeit habe ich mir ein Notizheftlein zugelegt, um meine brillanten Ideen gleich zu Papier zu bringen und dann zu Hause in die von mir gewohnte hochliterarische Form zu bringen. Das war ein nicht gerade einfacher Schritt. Denn tatsächlich hat der herkömmliche Papier- und Schreibwarenhandel eine erbärmliche Auswahl an schönen Notizbüchern im Sortiment. Und ich wollte auf keinen Fall riskieren, dass mich, wenn ich meine scharfsinnigen Beobachtungen aufschreiben möchte und dazu mein kleines Büchlein zücke, sein Cover verspottet und mir alle Inspirationen aussaugt.
Tatsächlich brachte mich das Angebot regelrecht in Schwulitäten (etwa zum gleichen Zeitpunkt habe ich mir auch ein Wörterbuch der Synonyme angeschafft) und beinahe hätte ich mein Vorhaben aufgegeben, wäre mir nicht dieses wunderschöne blaue Heftchen in die Hände gefallen, auf dem ein Trompete spielendes Nashorn gemalt war. Es gibt wenige Momente im Leben, in denen man sicher sein kann, dass man die richtige Entscheidung trifft. Dieser war einer davon. (Sobald dieses Heft voll sein sollte, werde ich mir das graue mit der marschierenden Ente zulegen.)
Ich musste feststellen, dass dieser Kauf eine hervorragende Idee (wenn auch ernüchternder Weise nicht meine) und beinahe ein genialer Schachzug war. Passierte etwas merkwürdiges, schrieb ich es sofort auf. Hatte ich einen Gedanken, den ich gerne weiterverfolgen würde, hielt ich ihn fest. Mit meiner - wie meine Religionslehrerin zum Abitur sagte - "ausgereiften, aber unleserlichen Schrift" wurden die einzelnen Seiten zu kleinen Kunstwerken und die Aneinanderreihung von zusammenhangslosen Notizen erinnerte an experimentelle Prosa. Das einzige Problem, wenn man es denn nun so bezeichnen möchte, war die Tatsache, dass ich diese verknappten Stichworte, die selbstverständlich alles in allem großes Potential versprachen, nicht weiter verarbeitete. In den letzten zwei Wochen glich die Stats-Kurve meines Blogs auf bemerkenswerte Weise meiner Kreativätskurve - und leider auch die meiner Produktivität. Nachdem die Anzahl der Seitenaufrufe nun den absoluten Tiefpunkt erreicht hat (denn ich glaube, dass hier im Minus-Bereich nicht gezählt wird), werde ich mich wohl intensiv mit meinen Aufzeichnungen beschäftigen müssen.

In diesem Sinne sagte ich: "Bis bald" und ende mit einer Anekdote, die nach keiner kreativen Weiterverarbeitung verlangt und trotzdem meine Stats auf ganz subtile Weise erhöhen soll:

Auf meinem Weg von der Arbeit nach Hause verfolgt mich eine verwirrt aussehende Frau mit zotteligen Haaren. Als sie mich einholt, läuft sie ein Mal im Kreis um mich herum und gibt mir dann lautstark den Rat mit auf den Weg: "Kauf nicht zu viel! Und grüß' mir den Pimmel!"

Keine Kommentare: