Sonntag, Juni 19, 2011

Sammelwahn

... oder wie ich versuchte, noch ein Buch ins Regal zu stellen.

In den letzten sieben Jahren bin ich sechs mal umgezogen. Kurz vor meinem zweiten Umzug starb der Vater eines Bekannten, der leidenschaftlicher Buchsammler war. Ganz im Gegensatz zu meinem Bekannten, einem Gärtner. Schnell mobilisierte er alle potentiellen Interessenten und lud sie in einen großen Lagerraum ein, wo er sein Erbe zum Verschenken bereit hielt. Als ich an einem Freitag Nachmittag kam, staunte ich nicht schlecht, als ich dutzende Bananenkisten voller Bücher auf den Tischen und dem Boden verteilt liegen sah.
Schnell wurde ich fündig, packte reihenweise Klassiker ein und freute mich über Gesamtausgaben großer Schriftsteller. Gleich am Wochenende kaufte ich mir drei neue Bücherregale, die ohnehin schon längst fällig waren, und räumte mit Begeisterung meine neuen Errungenschaften ein.
Leider hatte ich nicht mit den Umzügen gerechnet, die noch folgen würden. Und auch hatte ich nicht bedacht, dass während meines Germanstikstudiums noch weitere Bücher dazu kommen könnten.
Vor jedem neuen Umzug begann ich auszusortieren. Erst ganz vorsichtig. Ich hörte mich im Freundes- und Bekanntenkreis um, ob jemand Interesse an dem ein oder anderen Roman hätte. Dann ging ich weiter. Ich schenkte meinen Mitbewohnern schön gestaltete Ausgaben von Goethe und Schiller, um ihren Bücherregalen einen intellektuellen Touch zu verleihen. Dann verkaufte ich einige Reihen bei Ebay, gab Anzeigen im Internet auf, um einige Stücke kostenlos an Selbstabholer loszuwerden und warf in regelmäßigen Abständen die hoffnungslosen Fälle in den Papierkorb.
Bei meinem letzten Umzug hatte ich gerade noch genug Bücher, um zwei Billy-Regale zu füllen. Ich kaufte mir keine neuen mehr, sondern lieh mir nur noch Romane aus der Stadtbibliothek.
Bis eines Tages noch ein weiteres Buch dazu kam. Schnell hatte ich eine kleine Lücke in meinem Bücherregal gefunden. Sie war zwar etwas schmaler als das Buch, jedoch schien mir dies nicht hinderlich zu sein. Ich nahm es in die rechte Hand, drückte mit der anderen wahllos zwei Bücher auseinander, um in der Mitte Platz zu schaffen... und hörte plötzlich ein Knacken, spürte wie das obere Regalbrett auf meine Hände fiel, sah, wie sich auch die anderen Reihen im Dominoeffekt von oben nach unten von der Wand lösten und hörte Bücher fallen. Der leichte Druck hatte die äußere Wand des Regals heraus gedrückt, so dass die einzelnen Bretter keinen Halt mehr hatten. Ein Haufen Bücher ging zu Boden.

Mittlerweile bin ich zur Stapeltechnik übergegangen. Und zur zweiten Reihe.

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