Sonntag, Juni 26, 2011

Pink

Über das Lied "Dear Mr. President"

Die Symapthie der Welt für die amerikanische Politik grenzt offensichtlich beinahe an euphorischer Glorifizierung. Bei so einer unkritischen Gesamhthaltung müssen wir Pink geradezu dankbar dafür sein, dass sie ihr Party-Image für einige Wochen zugunsten einer neuen, noch nie dagewesenen, Weltverbesserer-Lebensphilosophie geopfert hat um der Welt die Richtung zu weisen.
Tatsächlich erinnert ihr Outfit in dem dazugehörigen Musikvideo an eine christliche Rock-Zopf-Birkenstock-Mentalität; eine Öko-Lady tritt für die Gerechtigkeit ein.

"Na na na na na na na na" - welch gewaltigen Worte eröffnen dem Zuhörer die Tür zu Pinks Gedanken. Das achtfache "na", das sich über die göttliche Sieben hinwegsetzt und eine neue Wahrheit ankündigt. Doch die Sängerin verarbeitet das Thema subtil. Klischeehafte Metaphern und ausgelutschte Sinnbilder sind ihr zuwider. Stattdessen setzt sie wider Erwarten dem Lyrischen Ich Präsident Bush als heimlichen Drahtzieher, als Puppenspieler, ja man könnte schon fast sagen: als Achse des Bösen gegenüber. Es ist der kritische Unterton, der zum Nachdenken anregen soll, den es aber erstmal zu finden gilt.
Für den Fall der Fälle werden Ausschnitte von halb verhungerten farbigen Kindern in das Video eingebaut um auch allen möglichen Missverständnissen entgegen zu wirken.
Denn Pinks stellt die berechtigte Frage: "How do you sleep while the rest of us cry?" Sie selbst ließ sich vor laufender Kamera ein Bustwarzenpearcing stechen und auch mich beschäftigt das Problem: Wie kann Bush da noch ruhig schlafen?
Das Erdbeben in China, die Wirbelsturmopfer in Birma und die Kluft zwischen Arm und Reich in unserem eigenen Land - das alles kann ihn doch nicht gleichgültig lassen. Seine ruhigen Träume zeugen von einer Psyche, die einen bedenklichen Zustand erreicht hat. In seinen ausgewogenen Schlafgewohnheiten spiegelt sich seine Menschenverachtung und Machtgier wider.
Doch Pink setzt nicht ausschließlich auf die Taktik des Schlechten-Gewissens-Machen. Sie hat noch ein Ass im Ärmel und setzt auf unverblümte Konfrontation:
"Let me tell you 'bout hard work
Building a bed out of cardboard box
Let me tell you 'bout hard work!
Hard work!
Hard work!
You don`t know nothing 'bout hard work!"
Wie der Marsch von Soldaten wiederholt sich der rythmisch wiederkehrende Ausruf "Hard work!", eine subtile Anspielung auf die Außenpolitik des Präsidenten. Und wie glücklich wir darüber sein können, dass wenigstens eine noch weiß, was richtige Arbeit ist. Die Beispiele scheinen aus dem eigenen Leben der millionenschweren Künstlerin genommen zu sein. Der biographische Aspekt verleiht dem Thema noch mehr Brisanz. Authentizität ist der entscheidende Schlüssel zum Erfolg.

Bitte mehr davon!

(18. Mai 2008)

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