Mittwoch, Februar 02, 2011

Spinne

Mit nackten Füßen stand ich in der Küche und rührte mir der einen Hand eine Fertigsoße zu meinen Klößen an, während ich mit der anderen schonmal die Milch zurück in den Kühlschrank räumte.
Genau in dem Moment passierte es. Ich schloss den Kühlschrank und sah gerade noch wie zwei Beinchen darunter verschwanden.
Mich überkam ein Schütteln. Woher kamen diese Viecher denn immer? Vielleicht war unter dem Kühlschrank ein richtiges Nest.
In meinem Gedanken nahm die Spinne menschliche Gestalt an. Mit Hut. Keine Ahnung, warum mit Hut. Aber es war ein schwarzer Zylinder.

Ich spürte den Ekel, der mich jedes Mal überfiel, wenn kleine Beine von Käfern oder Spinnen über meine Haut krabbelten. Allein die Vorstellung reichte.
Ruhig bleiben, dachte ich mir und ging erstmal zurück ins Wohnzimmer, während ich mich gleichzeitig in den böswilligen Charakters dieses Tieres reinsteigerte.
Was würde mein nächster Schritt sein?
Richtig! Der Staubsauger. Ich kramte ihn aus dem Schrank, nahm in Kauf, dass bei diesem Unternehmen mein Rucksack und meine Sporttasche mitsamt meinen Klamotten heraus fielen und ging zurück Richtung Küche.
Bewappnet mit dem besten Spinnenfanginstrument überhaupt wagte ich mich wieder in die Höhle des Löwens.
Am besten war es wohl, nur den Schlauch zu benutzen, dachte ich mir und versuchte diesen unter den Kühlschrank zu schieben. Doch er war zu breit.
Zu allem Überfluss musste ich dann feststellen, dass der Sog des Saugers viel zu gering war und nicht mal eine kleine Ausgabe dieses Weberknechts sich ernsthafte Sorgen um sein Leben hätte machen müssen.
Mist!
Ich versuchte nicht weiter darüber nachzudenken, saugte bei der Gelegenheit meine Wohnung und räumte den Staubsauger zurück in den Schrank.
Tagelang tauchte die Spinne nicht mehr auf und ich hatte sie schon wieder fast vergessen, als ich gestern Abend noch schnell ein paar Sachen spülen wollte.
Da war sie wieder. Diesmal saß sie außen vor dem Kühlschrank.
Nachdem ich einen kleinen erschrockenen Satz nach hinten gemacht hatte und meinen Ekel abschütteln konnte, ging ich ganz logisch alle Möglichkeiten durch. Der Staubsauger war für diese Zeit wohl zu laut. Ich wollte keinen Ärger mit meinen Nachbarn kriegen.
Also musste ich sie totschlagen. Wie widerlich. Dafür musste ich total nah an dieses Viech ran.
Aber wenn ich es nicht machte, würde sie möglicherweise nachts über mein Gesicht laufen, vielleicht in meine Nasen kriechen oder in den Mund. Angeblich schluckt man nachts ja Spinnen, ohne es zu merken.
Ich lief zurück zum Schrank, schnappte mir einen Turnschuh und ging langsam zurück. Ich wollte die Spinne auf gar keinen Fall erschrecken und mein Vorhaben zu Nichte machen.
Mit einem Mal schlug ich zu! Volltreffer! Das Tier war zermatscht!
Den Schuh ließ ich liegen. Ich könnte die Leiche auch am nächsten Tag noch entsorgen. Schließlich wollte ich mich nicht übernehmen. Meine Ängste konnte ich auch ein anderes Mal angehen.
Heute Morgen hob ich dann den Schuh auf und machte mich auf ein ekelhaftes Bild gefasst.
Aber nichts. Keine Beinchen, kein Körper.
Ich hatte sie gar nicht getroffen.

(31. März 2006)

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