Mittwoch, Februar 02, 2011

Langeweile oder Wahnsinn

Auf dem Heimweg von meiner letzten Umfrage am Samstag (und nein, ich möchte nicht weiter auf den Misserfolg dieses Jobs eingehen) hielt mein Zug auch in Langenberg.
Langenberg. Ein Bahnhof, an dem man immer - ob man will oder nicht - Bekannte vom Bleiberg trifft.
Und als hätte ich es nicht geahnt wartete auf dem anderen Gleis T. (dabei sollte ich anmerken, dass ich diese Person nur T Punkt nenne um ihm nicht zu nahe zu treten - aus rein sozialen Aspekten also).
Glücklichweise kann man von außen nur sehr schlecht durch die Scheiben schauen, so dass ich ihn unbemerkt beobachten konnte. Und es hat sich gelohnt.


Fast schon apathisch starrte er die ersten Sekunden auf die Gleise. Dann wurde er unruhig. Blickte auf seine Hände, auf seine Uhr. Starrte wieder auf die Gleise. Mit einem Mal machte er einen Satz nach hinten, rannte zwei Meter, kam urplötzlich zum Stehen, drehte sich um und stellte sich an die gleiche Stelle.
Und starrte gelangweilt auf die Gleise. Sein ganzer Körper drückte die Unzufriedenheit mit dieser Situation aus. Seine Schultern hingen runter, sein Blick war genervt.
Komisch dachte ich mir. Was ist ihm da bloß eingefallen? Vielleicht hatte er etwas im Auto vergessen? Allerdings war die Richtung falsch. Der Parkplatz lag rechts.
Dann schon wieder. In Sekundenschnelle hatte er sich umgedreht und lief wie ein Wahnsinniger vom Gleis runter.
Während sich mein Zug in Gang setzte.

Am Sonntag sprach ich ihn an.
Er war verwirrt, musste sich erstmal an diesen Tag zurück entsinnen.
Dann antwortete er mir grinsend: "Mir war wahrscheinlich langweilig."

(4. Mai 2006)

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