Tuesday, April 28, 2009

Angeregt

Die Sonne knallte mir aufs Gesicht. Und auf die Arme. Die Beine, den Bauch, die Füße. Ich fühlte mich wie im Backofen. Es war unerträglich. Ich spielte mit dem Gedanken, aufzustehen und mich in die Mitte des Busses zu stellen - dort sah es schattiger aus. Eine Haltestelle halte ich noch aus, dachte ich mir. Und dann wechsel ich den Platz. Wie soll das erst im Sommer werden? Und wenn der Bus morgens dann so voll ist, muss ich stehen. Da kipp ich doch ganz bestimmt um. Mir wurde ganz schwindelig.
Als ich gerade so in Gedanken vertieft war, stieg ein junger schwer bepackter Mann ein und strahlte mich an, während er mir entgegen lief. Ich lächelte kurz zurück, starrte dann aber sofort wie gebannt aus dem Fenster und hoffte, dass er den freien Sitz neben mir übersehen würde. Aber nein, einen Augenblick später saß er schon dort, beugte sich nach vorn, um seine Gitarre besser festhalten zu können und drehte sich dann zu mir: "Ich komm gerad von einer Jugendfreizeit. Wirklich toll. Ganz hier in der Nähe. Das war sehr abwechslungsreich. Das Thema war Identität..." Mit großen Augen starrte ich ihn an. Sprach er tatsächlich mit mir? Es gab keinen Zweifel. Er meinte mich. "Ja, also am ersten Tag sollten wir ein Diagramm zeichnen von unserem Leben. Es gab eine Gerade von Null bis zu unserem Lebensjahr und dann sollten wir die Höhen und Tiefen eintrage. Ja, wir waren sechs Männer und vier Frauen und dann noch ein paar Mitarbeiter vom Jugendkreis. Genau. Und dann haben wir alle noch ein Bild von uns gemalt. Von unserer derzeitigen Gefühlslage. Und mein Bruder - mein Bruder war auch dabei - hahaha, der hat sein Bild drei Mal übermalt, weil er nie zufrieden war. Dann hat dann eine Freundin eingegriffen und ein wenig geholfen..."
Ich musste aussteigen.

Es war wirklich eine angeregte Unterhaltung.

Friday, April 17, 2009

Von Eva und dem Bösen

Wenn nicht Eva die erste Frau im Paradies gewesen wäre, sondern ich (und nebenbei bemerkt konnte ich mir das ziemlich gut vorstellen), dann hätte ich mir nicht von dieser dummen Schlange das Ohr abkauen lassen. Und schon gar nicht hätte ich in den Apfel gebisssen und ihn danach auch noch dem Mitläufer Adam angeboten. Es gab jawohl genug andere Bäume mit Früchten im Garten. Hunger hatten die beiden sicher nicht leiden müssen. Und ganz abgesehen davon: Was reizte Eva daran, so schlau zu sein wie Gott? Die beiden hatten doch alles, was sie brauchten. Einen Spielkameraden und einen Haufen Tiere. Sie konnten mit den Tigern und Löwen tollen, sich mit den Vögeln unterhalten und ihre Bananen mit den Affen teilen. Außerdem schien ganz bestimmt immer die Sonne. Denn so weit ich weiß, gab es keine Häuser, in denen sich sich unterstellen konnten.
Unsgeheim war ich ganz schön sauer auf Eva. Denn hätte sie sich nicht von ihrem Heißhunger leiten lassen, könnte ich jetzt mit den Schimpansen spielen und Schlangen bewundern, die noch Beine hatten.
Aber mir blieb der Trost, dass es nach dem Tod wieder so ein Paradies geben sollte... Wobei, wie gesagt: Diese - nicht gerade kurze Unterbrechung - hätte mir ja erspart bleiben können. Ich hätte mit Sicherheit eine bessere Eva abgegeben.
Wobei ich es auch nicht ganz fair fand, dass Gott diesen Baum überhaupt in den Garten gestellt hat. Ich persönlich hätte es für sinnvoller gehalten, einfach gar keinen zu pflanzen. Aber gut, Gott zu sein kam für mich nicht in Frage.
Mittlerweile beschäftigt mich letztere Frage doch mehr. "Aber Maren" antworten dann die Christen, wenn ich sie frage, wozu dieser Baum überhaupt dort herum stand. "Gott wollte doch keine Marionetten. Er wollte, dass sich der Mensch freiwillig für ihn entscheidet." Darauf denke ich dann: "Soso." und frage mich: Wenn Gott wollte, dass sich der Mensch entscheidet, dann gab es also Gott und das Böse - ein dualistisches System und der Mensch hatte angeblich die freie Wahl. Dann wiederum stellen sich mir zwei Fragen. Nummer 1: Woher kam die Schlange? Irgendeiner Bibelstelle nach (die ich jetzt nicht zitieren kann - einerseits aus Faulheit, andererseits, weil ich keine Bibel besitze, weil Jerry sie zerfressen hat) ist Satan ein gefallener Engel. Das heißt, die beiden Gegenspieler existierten nicht von Anfang an. Und damit komme ich zur zweiten Frage: Wie kann ein Engel fallen? Gab es dann das Böse schon vorher? Und was genau ist das Böse? Anscheinend hatte der Engel schon diese "sündhafte" Veranlagung. Oder ist durch den Hybris-Fall das Böse aus dem Nichts entstanden. Wie beim Urknall? Und hat Gott eigentlich auch die Engel geschaffen?
Und um jetzt wieder zum Paradies zurückzukommen: Hat Gott, wenn er den Menschen geschaffen hat, ihm nicht auch sein Wesen verliehen - mit dem sündhaften Teil? Was also kann der Mensch für sein Wesen? Er kommt auf die Welt und ist gleich schuldig, denn so wurde er kreiert. Der Mensch wird also schuldig in ein bestehendes System geboren, aus dem er nicht entrinnen kann, das er sich aber auch nicht ausgesucht hat. Und dann soll er sich freudestrahlend an einen Gott ketten, der ihn erst erschafft und dann verbietet, so zu sein wie er ist. Und zu guter Letzt muss er sich selbst verleugnen, sich als schuldig bekennen - denn sonst droht im die Hölle.
Wo ist das Gute in Gott?

Thursday, April 09, 2009

Pubertät II

Wir saßen in der Wohnung und warteten. Es sollte noch jemand vorbei kommen und das Klavier abholen. Endlich klingelte es an der Tür und herein kam ein strahlendes Mädchen, das noch schnell im Flur die wichtigsten Informationen mit S. über das Klavier austauschte. Ich blieb im Wohnzimmer sitzen, schaute fern und hörte mit halben Ohr das Gespräch mit. Im Augenwinkel konnte ich die beiden sehen. Irgendwie kam sie mir bekannt vor. Und die Stimme war mir auch vertraut. Ich schaute genauer hin und traute meinen Augen nicht: Es war das Mädchen aus dem Bus! Die, die so glücklich darüber ist, nicht mehr in der Pubertät zu sein. Und die Haare färben so lustig findet!
Mittlerweile waren die beiden schon bei der Verabschiedung angelangt. Gerade öffnete sich die Tür, als S. noch sagte: "Schön, dass so jemand sympathisches mein Klavier bekommt!"
Da konnte ich ihr nur beipflichten.