Tuesday, November 25, 2008

Spiderman

Der Biss einer radioaktiven Spinne und er hatte übernatürliche Kräfte.
Gestern stand ich gelangweilt in der Bäckerei, als mir plötzlich eine kleine Spinne auf den Kopf fiel und von dort aus auf dem Boden. Ein Zufall? Ich glaube nicht. Die Parallelen sind zu eindeutig.
Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, dass mir ein Superheldenkostüm sicherlich gut stehen würden. Der blaue Supermananzug würde meine Augen gut zur Geltung bringen und meinen Typ unterstreichen...

Saturday, November 22, 2008

Kalorien

Pilzerkrankungen, erhöhter Appetit, depressive Verstimmung, Kopfschmerzen, Beinkrämpfe, Akne, Durchfall, Blutarmut, Hitzewellen, Gewichtsänderungen, Knochenerkrankungen... - dies sind nur einige wenige, der häufig bis gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen beim Einnehmen der Anti-Baby-Pille (Der Begriff wird mich immer an eine Lateinstunde erinnern, in der unser Lehrer uns darüber aufklärte, dass Latein eigentlich nicht zu den "Toten Sprachen" zu zählen sei, da im Vatikan für neu auftretende Begriffe, wie die eben die Pille, lateinische Übersetzungen erfunden werden.)
Es ist schon einige Jahre her, als ich verzweifelt meinen damaligen Frauenarzt aufsuchte und ihn darum bat, mir eine andere Pille zu verschreiben. Ich litt unter schlechter Laune, war genervt und traurig zugleich. Eine irrationale Trübsinnigkeit hatte Besitz von mir ergriffen. Während meines Ferienjobs machte mein Chef sich über eine andere Aushilfe lustig, die an ihrer Maschine aus heiterem Himmel angefangen hatte zu weinen. Während ich seinen spöttischen Blick musterte, kamen mir selbst die Tränen in die Augen, weil ich Mitleid mit dem Mädchen hatte. Die schlechtesten Soaps brachten mich zum weinen. Ich hielt es nicht mehr aus.
Also erzählte ich meinem Arzt von dem Problem. Irritiert blickte er mich an und antwortete: "Also das kann ich nicht verstehen. Ich habe noch nie gehört, dass die Pille sich auf die Stimmung auswirkt. Das kann eigentlich nicht sein."
Die Antwort kam mir komisch vor.
Es stellte sich heraus, der der Arzt auch allen meinen Freundinnen die gleiche Pille verschrieben hatte. Und noch bessere Antworten auf Lager hatte, als die, dass Hormone sich nicht auf die Stimmung auswirken.
Eine meiner besten Freundinnen bekam Probleme mit ihrem Gewicht, als sie anfing, die Pille zu nehmen. Sie hatte erhöhten Appetit und nahm etwas zu. Nach meiner schlechten Erfahrung riet ich ihr den Arzt zu fragen (und noch besser, vorher zu einem anderen zu wechseln).
Seine Antwort: "Nein, von der Pille nimmt man nicht zu. Die hat null Kalorien."
Im Wartezimmer sah ich dann, dass er eine spezielle Ausbildung zur Ernährungsberatung gemacht hat. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Kompetenz.

Wednesday, November 19, 2008

Entführung

Als Kind hatte ich schreckliche Angst vor einer Entführung. Mit Anne von den Fünf Freunden lernte ich das Wort "Knidnapping" und bekam in derselben Kassette ein erschreckendes Bild einer Kindesentführung vor Augen geführt. Immer wieder tauchte das Motiv auf - in Büchern, Filmen und letztendlich auch in den Nachrichten. In meinem Glauben an eine ungerechte Welt, in der ich mit Sicherheit bei jedem Verbrechen ein potentielles Opfer abgeben würde, stellte ich mir die schlimmsten Geschichten vor. Und da meine Familie das geforderte Lösegeld niemals hätten auftreiben können, sah ich mich in meiner imaginären Zelle verhungern.
Bisher lief alles glatt.
Doch mich beschleicht das Gefühl, dass Jerry Opfer einer fiesen Gaunerbande geworden ist. Noch vor einem Jahr verlebten wir glückliche gemeinsame Stunden, frühstückten um die gleiche Zeit, strolchten durch die Wälder, kuschelten uns aufs gleiche Sofa und erlebten seinen ersten Schnee. Jetzt sitze ich alleine in der Wohnung, spüre, wie die Einsamkeit ins Zimmer schleicht. Denn mein Hund ist nicht mehr da.
Es war Anfang Januar als sich zwei, mir sehr nahe stehende, Personen in mein Leben einmischten. Ihr übertriebenes Interesse an meinem und vor allem an Jerrys Wohlergehen in einer komplizierten Situation, in der ich mich zu dem Zeitpunkt befand, hätte mich aufhorchen lassen sollen. Doch geschickt manipulierten sie mich und gaben sich aufopfernd. Sie erwischten mich in einem schwachen Moment und ich stimmte ihrem Vorschlag zu. Jerry zog nach Gießen. Natürlich sei er noch mein Hund, ich könne ihn jederzeit wieder bekommen. Alle Entscheidungen lägen bei mir, ich bliebe sein Frauchen.
Doch meine Dankbarkeit und Erleichterung wich leichtem Misstrauen. Immer wieder hatten sie keine Zeit, mussten arbeiten oder zur Uni, so dass ich ihn nicht besuchen konnte. Mit gutem Essen und ausgiebigen Waldspaziergängen wird der Hund verwöhnt und beeinflusst. Systematisch wird er von seinen "neuen Besitzern" abhängig gemacht. Er traut niemanden mehr. Vorgeschoben werden fadenscheinige Gründe, angeblich habe er Trennungsängste.
Aber langsam komme ich hinter diese Machenschaften. Der Hund soll mir entfremdet werden. Unbemerkt wollen sie ihn mir entreißen. Doch da haben sie mich unterschätzt. Momentan arbeite ich an Phantombildern. Denn wer weiß, welche Schritte sie nach diesem Beitrag bereit sind zu gehen.

Monday, November 10, 2008

Taschentuch


Es fing harmlos an. Jerry zeigte keine auffälligen Verhaltensmuster, benahm sich nicht aufsehenerregend. Über eine psychische Störung dachte ich nicht nach. Ich kam nicht auf den Gedanken, seine Lebhaftigkeit als ADHS-Syndrom zu deuten. Auch sah ich in seiner Art, mich zur Dusche und auf die Toilette zu begleiten, keinen Verfolgungs- oder Kontrollzwang. Vielmehr täuschten mich die traurigen braunen Augen und die hängenden Schlappohren in ihrer kaum zu ertragenen Niedlichkeit über jeglichen Vedacht hinweg.
Auch bei unseren täglichen Spaziergängen benahm er sich ganz so, wie es sich für einen Welpen gehört. Er zerrte, hörte nicht, wickelte laufend die Leine um meine Beine und schnupperte. An jedem Grashalb, an Häuserecken, Hecken, Briefkästen, an jedem vorbei schlendernden Passanten, an Bäumen und am allerliebsten an Müll. Fürs erste machte er noch keinen Unterschied zwischen den Gegenständen. Alles, vor dem ich mich ekelte, war für den Kleinen ein wahrer Leckerbissen. Doch schon bald entwickelte er eine Vorliebe für weiße Dinge. Tüten, Tempos, Papier, ja sogar Tampons, wenn welche aufzutreiben waren. Sein Favorit war schnell gefunden: Taschentücher. Am liebsten benutzt. Schon von weitem witterte er sie, begann sein Tempo zu beschleunigen und trug sie dann voller Stolz, die Schnauze in die Luft gestreckt, im Maul spazieren. Nur ein Cracker konnte seine Freude noch steigern und ihn zu einem Tausch animieren.
Es nervte zwar, aber ich deutete es als infantiles Verhalten, das bald ein Ende finden würde.
Doch es wurde schlimmer. Kein Taschentuch bleibt mehr unentdeckt. Er sammelt sie alle. Im Wald und in der Wohnung. Er durchsucht die Mülleimer und geht an die Taschen. Und wenn er keine gebrauchten finden kann, stibitzt er eine ganze Packung. Seine motorischen Fähigkeiten sind einzigartig. Nacheinander zieht er die einzelnen Tempos heraus und zerkaut sie genüsslich. Es ist zwanghaft.

Ich mache mir Vorwürfe. Es gab eindeutige Anzeichen. Aber ich wollte sie nicht sehen. Ich hätte Maßnahmen ergreifen müssen, ihm eine andere Richtung weisen sollen.
Ich sollte niemals Kinder kriegen...