Saturday, October 25, 2008
Wednesday, October 22, 2008
Prometheus
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch Götter.
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir wider
Der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du's nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden dadroben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiften?
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.
Monday, October 13, 2008
Zahnarzt
Nur Minuten später stand ich mit dem Zahnarzt vor der Röntgenaufnahme. Den Bohrern und Instrumenten kehrte ich den Rücken zu. Mit einem Bleistift umkreiste er nach und nach seltsame schwarze Punkte auf der Aufnahme: "Hier haben wir Karies. Hier ist noch ein Loch. Und da sind gleich zwei. Oh! Und da haben wir einen besonders schwierigen Fall. Da müssen wir schauen, ob der Zahn noch lebt. Vielleicht brauchen Sie eine Wurzelkanalbehandlung."
Entsetzt starrte ich ihn an. "Ach, das ist alles nicht so tragisch! Sie bekommen doch eine Betäubung!" versuchte er mich lächelnd zu beruhigen. "Ich würde vorschlagen, wir fangen mit dem schlimmsten an. Der Wurzelbehandlung. Die würde 70 Euro kosten." sprach er weiter.
Ich musste schlucken. Jetzt kostete das Ganze auch noch Geld.
Entmutigt stimmte ich zu und ließ den betroffensten Zahn zuerst behandeln. Eine Stunde lag ich mit zugekniffenen und schmerzverzehrten Gesicht auf der Liege. Die Spritze wirkte zwar, aber die Geräusche des Bohrers reichten um den Schmerz zu simulieren.
Dann eröffnete er mir, dass nur die schwarze Amalgamfüllung von der Krankenkasse übernommen wird. Weißes Kunststoff würde um die 60 Euro kosten - für jede Füllung. Und davon brauchte ich ca. neun Stück. Vor meinem Auge sah in mich selbst in der Zukunft, lächelnd, mit einer Reihe schwarz polierter Amalgamzähne.
Ich wechselte den Zahnarzt und informierte mich über Alternativmöglichkeiten, die zwar nicht überzeugend, dafür aber umsonst waren.
Innerhalb einer Woche bekam ich vier Termine, in denen insgesamt sieben Zähne behandelt wurden. Die Besuche beim Zahnarzt nahmen eine gewisse Routine an. Ich bekam eine Spritze, spürte die Betäubung kommen und versuchte krampfhaft mich gedanklich mit schönen Dingen zu beschäftigen. Doch sobald der Bohrer in die Nähe meines Mundes geriet, überkam mich ein übermannendes Gefühl der Schwermut und Deprimiertheit. Regelmäßig vollführten meine Zunge, die ich nicht mehr unter Kontrolle hat, und der pinkte Absaugeschlauch der Zahnarzthelferin einen unerbittlichen Kampf. "Tut es weh oder geht es, Frau Kahl?" wurde ich regelmäßig besorgt gefragt. Ja-Nein-Fragen erschienen mir nicht besonders sinnvoll, wenn nur das Äußern von einzelnen Lauten möglich ist. Ein verzweifeltes "ähh" antwortete ich dann brav und die Frau schien beruhigt. Bei meinem letzten Besuch wurde mir eine Sonnenbrille aufgezogen, weil mich die Lampe blendete. Als ich dann endlich aufstehen durfte, sagte meine Zahnärztin zu mir: "Das nächste Mal bekommen Sie wieder die Brille und dann noch Musik auf die Ohren. Dann sind Sie völlig entspannt und wir können in Ruhe arbeiten!"
Ein nächstes Mal gibt es hoffentlich nicht. Auf Anfrage hin, bekam ich eine kindgerechte Einführung in die erfolgreiche Prophylaxe. Dental-Wellness wurde es genannt. Und jetzt weiß ich bescheid.
Tuesday, October 07, 2008
Die wirklich wichtigen Fragen
Ein Mädchen kam entschlossenen Schrittes auf mich zu. Die Haare hatte sie zu einem Zopf geflechtet und ihre Augen fixierten konzentriert einen Punkt hinter mir. Ihr Gesicht wirkte verkniffen, der Blick verfinsterte sich von Sekunde zu Sekunde. Mit einem Mal holte sie mit ihrem Arm aus und schleuderte ihr Handy gegen eine Eingangstür neben sich. Ohne sich umzurdrehen, stampfte sie weiter. Irritiert blieben einige Leute stehen. Direkt hinter ihr lief ein junger Mann, bückte sich und hob das Handy auf, während er sich beeilte mit ihr Schritt zu halten.
Ich drehte mich um - neugierig lauschend, ob die beiden miteinander sprachen. Vielleicht gehörten sie zusammen. Doch sie liefen nur weiter schweigend hintereinander her.
Es belastet mich, nicht zu wissen, was vorgefallen ist.

