Grillerchen
Mir fiel ein Werbeflyer von einer Bäckerei (deren Namen ich hier nicht nennen möchte) in die Hände und ich begann neugierig den Text zu studieren. Manchmal überkommt mich das Verlangen, einen Rotstift rauszuholen und zu korrigieren. In diesen Momenten wird mir klar, dass ein Lehramstudium wohl doch das richtige gewesen wäre (vielleicht sollte ich wechseln?). Da aber der Hintergrund schon rot war, ließ ich es dabei belassen, mir die wiztigsten Formulierungen zu merken.
Das Ganze war eine Anleitung zum Grillen: "Die Kunst des Anmachens." mit dem Ziel dem Kunden verschiedene Baguettesorten schmackhaft zu machen.
Neben den zahlreichen Wortwiederholen ("4 bis 5 Spritzer - mehr nicht!- auf die kalten und trockenen Kohlen spritzen." oder: "...verwandeln sich beim Grillen in krebserregende Nitrosamine. Krebserregende Stoffe entstehen auch,...") gab es nützliche Tips, die ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen werde, wie z.B:
"Völlig uncool: der Föhn. Grill-Ignoranten wollen die Vorglühzeit gern mittels Blasebalg oder Föhn beschleunigen. Dazu gelten folgende Regeln: Unsere Vorfahren hatten auch keinen Föhn - sonst hätten sie ja gleich elektrisch kochen können." Das ist wirklich ein überzeugendes Argument.
Noch schlimmer als der Föhn, scheinen aber Feuerzeuge zu sein, denn - und hier folgt nun mein Lieblingssatz: "Falls Sie Ihren Nachbarn bei einem lustigen Indianertänzchen beobachten, hat er es vermutlich mal wieder lässig mit dem Feuerzeug probiert und ist dabei, sich feste die Finger zu verbrennen." Spätestens bei dieser Äußerung hätte ich den Rotstift wieder eingepackt. Auf jeden Fall aber erschienen mir meine Zweifel bezüglich meiner Studienwahl beim Lesen plötzlich unbegründet zu sein.
Zum Schluss wird dem Kunden nun endlich das Brot empfohlen ("...stopfen Sie ganz hungrige Mäuler schon mal mit einem leckeren..."): "...die würzige Beilage für Ihr Grillerchen!"
In der darauffolgenden Nacht träumte ich davon, dass ich mich bei der entsprechenden Bäckerei für die Stelle eines Werbetexters beworben habe und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Eigens dafür kaufte ich mir ein neues Outfit. Ich sah toll aus.

