Saturday, June 28, 2008

Grillerchen

Bei meinem Nebenjob sehen die Aufstiegschancen nicht sonderlich rosig aus. Damit habe ich mich abgefunden. Doch neulich hatte ich eine Vision.
Mir fiel ein Werbeflyer von einer Bäckerei (deren Namen ich hier nicht nennen möchte) in die Hände und ich begann neugierig den Text zu studieren. Manchmal überkommt mich das Verlangen, einen Rotstift rauszuholen und zu korrigieren. In diesen Momenten wird mir klar, dass ein Lehramstudium wohl doch das richtige gewesen wäre (vielleicht sollte ich wechseln?). Da aber der Hintergrund schon rot war, ließ ich es dabei belassen, mir die wiztigsten Formulierungen zu merken.

Das Ganze war eine Anleitung zum Grillen: "Die Kunst des Anmachens." mit dem Ziel dem Kunden verschiedene Baguettesorten schmackhaft zu machen.

Neben den zahlreichen Wortwiederholen ("4 bis 5 Spritzer - mehr nicht!- auf die kalten und trockenen Kohlen spritzen." oder: "...verwandeln sich beim Grillen in krebserregende Nitrosamine. Krebserregende Stoffe entstehen auch,...") gab es nützliche Tips, die ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen werde, wie z.B:
"Völlig uncool: der Föhn. Grill-Ignoranten wollen die Vorglühzeit gern mittels Blasebalg oder Föhn beschleunigen. Dazu gelten folgende Regeln: Unsere Vorfahren hatten auch keinen Föhn - sonst hätten sie ja gleich elektrisch kochen können." Das ist wirklich ein überzeugendes Argument.
Noch schlimmer als der Föhn, scheinen aber Feuerzeuge zu sein, denn - und hier folgt nun mein Lieblingssatz: "Falls Sie Ihren Nachbarn bei einem lustigen Indianertänzchen beobachten, hat er es vermutlich mal wieder lässig mit dem Feuerzeug probiert und ist dabei, sich feste die Finger zu verbrennen." Spätestens bei dieser Äußerung hätte ich den Rotstift wieder eingepackt. Auf jeden Fall aber erschienen mir meine Zweifel bezüglich meiner Studienwahl beim Lesen plötzlich unbegründet zu sein.
Zum Schluss wird dem Kunden nun endlich das Brot empfohlen ("...stopfen Sie ganz hungrige Mäuler schon mal mit einem leckeren..."): "...die würzige Beilage für Ihr Grillerchen!"

In der darauffolgenden Nacht träumte ich davon, dass ich mich bei der entsprechenden Bäckerei für die Stelle eines Werbetexters beworben habe und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. Eigens dafür kaufte ich mir ein neues Outfit. Ich sah toll aus.

Saturday, June 14, 2008

Die Achtziger

Hier mein heutiger Lieblingsartikel :

"Eine haarige Dekade und ihre Folgen
Die Achtziger - ein Verstoß gegen die Naturgesetze?


Schulterpolster, Legwarmer, Moonboots, neonfarbene oder getigerte Leggins, Karottenhosen, Netzhemden - so mancher, der sich heute, womöglich noch eigene, Bilder aus den achtziger Jahren ansieht, möchte vor Scham in den Boden versinken. Doch die Modesünden verblassen meist gegen das, was in dieser Zeit mit den Haaren geschah: Größer, höher, weiter und vor allem schräg lautete die Devise.

Vom Ozon- zum Rentenloch

Ob die damals beobachtete Vergrößerung des Ozonlochs maßgeblich durch Haarspray ausgelöst wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen. Die asymmetrischen Frisursünden, die durch die chemischen Keulen ermöglicht wurden, haben jedoch fast dazu geführt, das Ende der Menschheit einzuläuten - das verkündete zumindest Marcus du Sautoy, Mathematiker von der britischen Universit

Seiner Meinung nach stellen die schrägen Haarkreationen ein Vergehen gegen grundlegende Naturgesetze dar: "Symmetrie ist schön", meint du Sautoy, symmetrischer Körperbau sei ein Zeichen für gute Gene. Die Konsequenz: Wer sich asymmetrisch stylt, reduziere die Chance, einen Partner zu finden und sich fortzupflanzen. Betrachtet man die Geburtenstatistiken, so scheinen sie ihm zumindest teilweise Recht zu geben. Tatsächlich stieg die Zahl der Geburten erst Mitte der achtziger Jahre wieder an, als sich New Wave und Popper-Look so langsam verabschiedeten, und erreichte 1990 wieder ein Hoch.

Denkt doch an die Kinder!

Doch du Sautoy sieht eine neue Gefahr am Horizont - in der Form eines drohenden Achtziger-Revivals. Er bittet deshalb inständig darum, die Modesünden im Schrank zu lassen und auch das Haupthaar nicht in unregelmäßigen Formen zu betonieren. Die Mode der Dekade möge doch das bleiben, was sie ist: ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Menschheit und ein Irrtum der Evolution. Wer sich trotzdem partout daran erinnern möchte, kann ja ein paar Platten auflegen oder seine alten Tonband-Kassetten rauskramen."



Wednesday, June 11, 2008

Chemieästhetik

Vor einigen Wochen sprach der Professor in einer meiner Mittelhochdeutschvorlesungen über den Text "Veni creator spiritus". Da dort der heilige Geist angerufen wird und den Menschen unspirieren und zum Sprachrohr machen soll, kam der Dozent auf Goethe zu sprechen und meinte, der Gedanke der Inspiration sei für Goethe und die Chemieästhetik noch prägend gewesen.
Das ließ mich aufhorchen. Chemieästhetik. Ästhetik der Chemie. Davon hatte ich noch nie gehört. Und schon gar nicht im Zusammenhang mit Goethe. Seit wann gab es denn überhaupt die Chemie als eigene Wissenschaft. Ich musste an Demokrit und seiner Idee von den kleinsten, nicht weiter zerlegbaren Einheiten denken. In der Schule schauten wir mal einen Film über Atome, der mich sehr beeindruckt hat. Die Atome bekamen menschliche Züge zugesprochen. Sie waren unterschiedlich groß, hatten verschiedene Farben und lebten alle zusammen in einer Siedlung. Abends gab es Single-Partys, in denen sich die einsamen Atömchen kennenlernen konnten um gemeinsam etwas neues zu bilden (wie das in der Fachsprache ausgedrückt wird, müsste ich mal meine Mitbewohnerinnen fragen). Eine gewisse Ästhetik konnte ich zwar in dieser Form der Darstellung erkennen, doch wirklich plausibel erschien mir das Ganze nicht. Und den Bezug zum Heiligen Geist als Inspirator konnte ich selbst in diesem kreativen Gedankengang nicht herstellen.

Also drehte ich mich zu meiner Kommilitonin um und fragte: "Sag mal, meint er wirklich "Chemieästhetik"?"
Grinstend antwortete sie: "Genieästhetik."

Jetzt machte der ganze Vortrag wieder Sinn.

Tuesday, June 10, 2008

Von der Muse geküsst

Immer wieder passiert es mir, dass ich im Bett liege und mir in der Einschlafphase Einfälle kommen. Manchmal erinner ich mich an Dinge, die ich am Tag hätte erledigen müssen, aber vergessen habe. Diese Art der Einfälle sind eine recht unangenehme Variante. Schlagartig werde ich wach und fühle mich gezwungen, mir noch schnell einen Zettel zu schreiben.
Angenehmer sind da Ideen zu Themen, über die ich schreiben könnte. Fast automatisch formuliere ich die Sätze in Gedanken, manchmal ganze Gedichte oder Blogbeiträge bis ich darüber einschlafe.
Neulich Nacht träumte ich sogar, ich hätte eine nicht enden wollende Schaffensphase. Täglich gab es neue Einträge auf meinem Blog und in meinem inspiriertem Zustand fühlte ich mich allmächtig.

Doch wenn ich morgens aufwache, fühlt sich mein Kopf leer an. Meine nächtlichen Selbstübertreffungen sind einer grenzenlosen Einfallslosigkeit gewichen. Und als wäre dieses Gefühl nicht zermürbend genug, wird mein Blog Zeuge dieser Unzulänglichkeit.