Sunday, December 23, 2007

Taxifahrer

Heute im Taxi auf dem Weg zum Gießener Bahnhof ergab sich folgendes Gespräch:

Fahrer: Ach, dann bist du ja jetzt viel zu früh am Gleis. Gehst du dann noch einen Kaffee trinken?
Ich: Nein, ich lese dann. Das ist schon okay.
Fahrer (reißt die Augen auf): Du liest?
Ich (verwirrt): Ja, genau...
Fahrer (entsetzt): Was?!... Ein Buch?
Ich (noch verwirrter): Ja, ein Buch...
Fahrer (völlig perplex): Krass!!

Pause.

Fahrer (schaut mich mit erwartungsvoll von der Seite an): Weißt du, ich lese auch...

Wollte der mich anmachen?

Sunday, December 09, 2007

Affe

Vor zwei Wochen etwa kam ich völlig entnervt nach der Uni nach Hause, freute mich auf das Sofa und ein wenig Entspannung, als mir schon im Flur klar wurde, dass etwas nicht stimmte.
Was waren das für Fetzen auf dem Boden? Der ganze Flur war übersät mit Papierstückchen, Zeitungsresten und zerbissenen Heftern... Jerry hatte anscheinend meinen Kunstgeschichtsordner gefunden und sich darüber hergemacht. So lange bis nichts mehr übrig gewesen war.
Ruhig bleiben, hieß es jetzt. Nicht aufregen. Ich hätte ihn eben nicht liegen lassen sollen. Das war meine Schuld. Der Hund konnte nicht wissen, dass er nicht hätte daran gehen dürfen. Außerdem würde er nach so einer Zeitspanne eine Bestrafung ohnehin nicht mehr mit seinem scheinbaren Wutausbruch verbinden können.
Ich sollte mich erstmal hinsetzen und vielleicht den Fernseher einschalten um etwas Ablenkung zu bekommen.
Doch dazu kam es nicht. Auch im Wohnzimmer lagen überall verstreut Schnipsel...
Und dann fand ich den Urspung des ganzen Disasters.
Die Tür vom Arbeitszimmer stand sperrangelweit auf und der Boden war überdeckt von Bücherseiten, Zeitschriften, beschriebenen Papieren.... - eben alles, was Jerry finden konnte.
Ich musste mehrere Bücher wegwerfen und durfte nach dem Aufräumen eine ganze Tüte Müll nach draußen bringen.
Und ich habe mich aufgeregt, Jerry angeschrieen und ihn in den Flur verbannt bis ich mich wieder beruhigt hatte.

Doch es kann noch schlimmer kommen. Einige Tage später träumte ich, ich hätte mir einen Affen zugelegt.

Friday, December 07, 2007

Müdigkeit

Ein Vorteil an dieser Jahreszeit (mal abgesehen von meinem Geburtstag und den damit verbundenen Geschenken) ist, dass man alles auf das Wetter und die deprimierende Dunkelheit schieben kann. Schläft man bei einer Vorlesung ein, ist das Wetter schuld, ist man abends um neun Uhr völlig geschafft und legt sich schlafen, muss man sich nicht mehr verteidigen.
Und wirft man Feiertage und Daten durcheiander, muss man sich keine Gedanken machen.
Es war der dritte Dezember als bei der Arbeit folgendes Gespräch ablief:
Kundin: Oh, was ist das denn?
Ich: Das sind Nikoläuse. Wie Weckmänner, nur dass sie einen anderen Namen haben.
Kundin: Achja, wie nett! Die gibt es doch Nikolaus sicher auch noch, oder?
Leicht verwirrt schaute ich die Frau an. Hatte sie das ernst gemeint? Eigentlich sah sie völlig normal aus. Ich meine, manche Kunden haben wirklich einen Knall, aber diese machte eigentlich nicht den Eindruck. Die Frage war wirklich seltsam... was sollte ich nur antworten. Ich entschied mich für eine sachliche Antwort.
Ich: Nikolaus ist doch schon vorbei.
Jetzt war sie es, die mich verwirrt anschaute.

Aber auch andere Leute scheinen Schwierigkeiten mit der Aufnahmefähigkeit zu haben.
Wir verkaufen zwei Brote, die zwar den gleichen Namen, aber unterschiedliche Formen haben. Das eine ist länglich, das andere rund, weswegen es auch "Anno 1904 rund" heißt.
Vor einigen Wochen fragte mich eine Kundin, ob es auch etwas länglichere von den runden Broten gäbe.
"Nein, tut mir leid. Die sind alle rund." antwortete ich und hoffte, das Thema sei damit erledigt.
"Ach wirklich? Ja, und das dritte von links? Das ist auch nicht länglich?"
Ich hob es hoch. "Nein, das ist auch rund. Die sind alle rund?"
"Können Sie vielleicht nochmal das hintere hochheben?"
Ich hob nicht nur das hintere runde Brot hoch, sondern auch alle anderen sechs Stück, die wir von der Sorte da hatten damit die Kundin endlich abzog mit der Gewissheit, dass alle runden Brote auch wirklich rund sind, und dann hinterher von der Kollegin zu erfahren, dass sie das wöchentlich abzieht.