...wie aus dem Fernsehen.
Seitdem ich in Marburg wohne, geschehen keine seltsamen Dinge mehr. Ich finde keine pinken Turnschuhe mehr vor meiner Wohnungstür, werde selten von irren Menschen auf der Straße angequatscht und mein Spinnenproblem scheint sich auch geklärt zu haben (Oder hecken sie gerade einen Plan aus, wie sie mich am geschicktesten fertig machen können? Gerade lese ich "Der Schwarm"... da ist diese Idee naheliegend.)
Das mag auf den ersten Blick doch eigentlich beruhigend erscheinen und wenn ich darüber nachdenke ist es das auch.
Nur mein Blog leidet darunter, weil mir die Themen ausgehen.
Doch manchmal profitiert man doch von Geschichten anderer.
Vor zwei Wochen stand ich samstags in der Bäckerei und langweilte mich. Es gibt Tage, an denen man vor Stress nicht weiß, was man zuerst tun soll und dann gibt es welche, an denen man rumsteht und steht, sich einen Kaffee macht, eine Brezel isst, weiter steht und höchstens putzen könnte, dann aber doch lieber einfach nur steht.
Letzteres war der Fall am besagten Samstag.
Also rief ich G. an um ein wenig zu quatschen.
Doch ich kam gar nicht zu Wort, denn er hatte eine witzige Geschichte auf Lager.
Am Morgen wollte er kurz mit dem Hund in den Garten. Die Wohnungstür hatte er aufgelassen und die Haustür nur so angelehnt, dass er wieder reinkam.
Doch als Jerry mit seinem Geschäft fertig war, ließ sich die Tür nicht mehr öffnen.
Keine Panik, dachte er sich. Erstmal bei den Nachbarn durchklingeln.
Der Mann von oben war nie da, die zwei Studenten hatten Semesterferien und bei der Nachbarin neben uns haben wir die Vermutung, dass die Klingel nicht funktioniert oder aber dass sie uns nicht leiden kann (wahrscheinlicher ist letzteres).
Einen klaren Kopf behalten hieß die Devise.
Kein Handy in der Tasche, Jerry an der Backe und keinen Schlüssel.
UND: eine laufende Badewanne! (denn Jerry hatte mein Kopfkissen vollgepinkelt und das wollte er waschen)
Jetzt hieß es doch Eile.
Vielleicht kam er durch den Keller rein. G. lief einmal ums Haus und musste feststellen, dass Gitter vor den offenen Fenster waren.
Die Balkontür war auch zu...
Und das Wasser war noch nicht unter der Tür rausgelaufen...
Also blieb ihm nichts anderes übrig als den Schlüsseldienst zu rufen, was ohne Telefon nicht das einfachste war.
Beim Nachbarhaus hatte er Glück. Eine Frau öffnete und schlug vor, erstmal ihren Haustürschlüssel zu nehmen und zu versuchen in unser Haus reinzukommen.
Es klappte (was zwar Glück war, doch auch einige Fragen aufwirft...).
Schon dachte er, die Situation wäre überstanden... als er merkte, dass die Wohnungstür zugefallen war.
Also doch der Schlüsseldienst, der das Ganze noch rettete, bevor das Wasser überlief und weniger Geld haben wollte als vermutet.
Als G. an der dickgedruckten Stelle ankam war ich schon schweißgebadet und meine Kollegin schaute mich mitleidig und neugierig an.
Und bei der ersten Erwähnung des Schlüsseldienstes dachte ich an unseren Kontostand und es war alles vorbei.
Bei solchen Geschichten wäre es doch immer günstiger das Ende an den Anfang zu setzen oder zumindest schonmal im Vorhinein zu verraten, dass es keinen Grund gibt, mich aufzuregen.