Wednesday, September 26, 2007

Geschwindigkeit

In der Schule hieß es immer: "Sprich langsamer!" Bei Referaten, beim Vorlesen, bei gewöhnlichen Beiträgen, immer wurde ich unterbrochen und musste mein Sprechtempo halbieren. Das gelang mir für ungefähr fünf Wörter und schon verfiel ich wieder in meine alte Sprechgewohnheit.

Seit Jahren gebe ich mir Mühe, langsamer zu reden. Und trotzdem werde ich immer noch regelmäßig darauf aufmerksam gemacht, dass es schwierig wäre, mir zu folgen.

Heute morgen schaute ich dann "Menschen bei Maischberger". Es sollte um die Gefahr durch Scientology gehen und da ich die Diskussionsrunden mit dieser Moderatorin gerne sehe, machte ich es mir auf dem Sofa bequem und freute mich, dass ich rechtzeitig eingeschaltet hatte.
Doch schon bald ließ meine Begeisterung nach. Schon innerhalb der ersten Minuten nahm das Gesprächsniveau so sehr ab, dass jeder einzelne ohne Rüchsicht auf Höflichkeiten versuchte, das Wort zu bekommen. Ein Gast verbat Jürgen Fliege sogar den Mund (zwar nur für zwei Minuten, wie der Gast betonte, doch das beleidigte Gesicht des Pfarrers war wohl das amüsanteste, was während dieser Diskussionsstunde passierte).
Immer wieder unterbrachen sich die Gäste gegenseitig, zickten sich richtig an und hatten auch keine Scham, die Moderatorin zu ignorieren.
Aber hatte jemand sich erstmal das Recht zu reden erkämpft, nahm die Ansprache kein Ende mehr. Dazu waren die eingeladenen Menschen keine guten Redner. Sie sprachen im Schneckentempo und völlig ohne Betonung. Manche Minuten gingen an mir vorbei, ohne dass ich auch nur einen Satz vollständig wahrnahm, weil ich während der Pausen zwischen den Wörtern schon längst an etwas anderes denken konnte.

Ich persönlich plädiere für eine höhere Sprechgeschwindigkeit. Packt man mehr Worte in eine Minute, lässt sich mehr sagen. Die Leute müssen weniger warten, langweilen sich demnach weniger und die Sendezeit wäre effektiver genutzt.
Damit wäre das Thema "Gesprächsniveau" sicherlich noch nicht ganz durchgestanden, aber vielleicht wäre es ein kleiner Schritt für ein besseren Fernsehen...

Thursday, September 20, 2007

Alleine?



...wahrscheinlich die nächsten Jahre nicht mehr.

Tuesday, September 18, 2007

Zwiebeln

Mir war schon warm als ich um halb sieben bei der Arbeit ankam. Eine halbe Stunde einfaches Gehen scheint für meinen Körper schon leichte Überforderung zu sein. Oder aber ich hatte mich zu warm angezogen, was mir, als ich an mir herunter schaute und den dicken Mantel betrachtete, doch wahrscheinlicher erschien.
Wie auch immer.
Schwitzen würde ich jetzt erst richtig.

Ich meldete mich bei der Kasse an und machte mich bereit, die Kisten mit Broten und Teilchen nach vorne zu tragen.
In der ersten Woche hatte ich an allen nur möglichen Stellen Muskelkater. Ich spürte plötzlich Muskeln, die ich gar nicht kannte (und die vorher vermutlich so gut wie nicht existent waren) und hatte trotzdem das Gefühl, dass die Brote von Tag zu Tag mehr wogen.

Aber auf Superman zu hoffen, half mir leider nicht weiter und so holte ich den ersten Wagen von draußen und begann auszupacken. Ich hatte schon einige Kisten auf den Rolli gestapelt als ich plötzlich etwas seltsames roch. Was war das? Irgendwie stank es unglaublich nach Zwiebeln. Aber woher konnte das kommen? Konnte es etwa sein, dass...? Nein, auf keinen Fall! Aber woher konnte es sonst kommen? Ich schnupperte an mir (und musste plötzlich an Jerry denken). War ich das etwa?
Mein Chef in der Fabrik hatte immer nach Knoblauch gerochen und ich verbrachte Tage damit mich darüber zu wundern bis er mir erzählte, dass er sich jeden Tag ein Toastbrot mit einer Knoblauchzehe belegte. Irgendwann hatte ich mehr Angst vor seiner Nähe als vor seinen schlechten Scherzen.
Oh man! Ich stank widerlich nach Zwiebeln! Und jeder konnte es riechen! Ich belästigte alle um mich herum! Und gleich musste ich mit dieser Duftnote auch noch bedienen!
Ich wollte duschen.

Aber da musste ich durch. Ich beschloss mir nichts anmerken zu lassen. Wenn ich so tat, als ob ich nichts mit diesem penetranten Geruch zu tun hätte, würde mich wohl niemand verdächtigen.
Und wenn doch... dann war das ein wahnsinnig peinlicher Vormittag.

Ein Blick auf die Uhr erinnerte mich daran, dass ich gar nicht zum bedienen kam, wenn ich so weiter trödelte. Als schob ich den Rolli zur Theke und begann einzuräumen.
Doch der Gestank wich nicht von mir.
Nach und nach leerte ich die Kisten.
Aber was war das für ein riesiger Kuchen? So etwas hatten wir bisher noch gar nicht. Und wo sollte ich den überhaupt hin räumen.
Ich fragte meine Kollegin.

"Ach, den kannst du erstmal wegräumen. Der muss noch geschnitten werden. Das ist Zwiebelkuchen."

Sunday, September 16, 2007

Marktlücke

Falls jemand unter einem Aufmerksamkeitsdefizit leidet, kann er sich gerne an mich wenden. Gegen einen klitzekleinen Kostenbeitrag, verleihe ich meinen süßen Jerry und kann jedem garantieren, dass sein Leiden für die Dauer eines Spazierganges ein Ende hat.

In unserer Nachbarschaft ist Jerry bekannt wie ein bunter Hund. Wenn er die Straße betritt, recken die Leute ihre Hälser um einige Blicke zu erhaschen. Wenn er kurz im Garten pinkelt, schreien die Nachbarn rüber: "Hallo Jerry!"
Meinen eigenen Namen dagegen kennt kein Mensch. Für die Kinder bin ich nur "die-mit-dem-Hund". Morgen schlage ich ihnen vielleicht vor den Beinamen etwas zu erweitern. "Die-mit-dem-Hund-tanzt" würde mir gefallen.

Am Wochenende waren G. und Jerry ausgeflogen. G. war auf einem Geburtstag in Velbert und Jerry bei Sara. Ein Wochenende so alleine war doch irgendwie etwas traurig und so fuhr ich schon gestern Nachmittag nach Gießen um den Hund wieder abzuholen.
Um sechs Uhr fuhr mein Zug zurück. Ich musste Jerry auf den Arm nehmen, weil er sich weigerte die Treppen hochzusteigen. Das Ganze wurde etwas kompliziert, weil ich um meinen Arm einen Hulahupreifen (ein Geschenk von Sara für Jerry) hatte, der immer wieder drohte mir herunter zu rutschen. Im Zug angekommen, musste ich feststellen, dass kein Platz mehr frei war. Mit mir stellten das noch ca. acht andere Leute fest und wir quetschten uns im Bereich der Türen. Zu viele Beine, zu viele Taschen. Ich wusste nicht, wo ich Jerry absetzen sollte, ohne dass er zertrampelt wird. Doch die ganze Fahrt auf dem Arm würde er mir doch zu schwer werden. Also ließ ich ihn runter, gerade noch rechtzeitig um mein klingelndes Handy aus meiner Jackentasche zu fischen bevor mein Anrufbeantworter losging.
Es war G., der fragen wollte, ob alles gut lief.
Also machte ich einen kurzen Zwischenbericht über Jerry Befinden. Ich erzählte ihm, was er am Wochenende unternommen hatte, dass der Zug gerade sehr voll ist und er ganz aufgeregt...
Und... und.... was war das eigentlich um mich herum so still?
Ich schaute mich um.
Keiner redete.

Und noch schlimmer. Alle starrten mich an. Jeder lauschte meiner Zusammenfassung von dem Wochenende meines Hundes. Das ganze Abteil schaute abwechselnd zu mir und wandte dann einen schmelzenden Blick runter zu Jerry.

Die Situation begann unangenehm zu werden.
Ich wechselte das Thema und verabschiedete mich um mich anschließend möglichst unauffällig verhalten zu können.
Es gelang. Mich beachtete niemand mehr. Die Gespräche wurden wieder aufgenommen und ich fühlte mich etwas freier.

Doch bis wir in Marburg angekommen waren, musste ich ständig schauen, dass Jerrys Leine sich nicht zwischen den ganzen Beinen und Koffern verhakt, weil alle Hände ihn streicheln wollten und er das sichtlich genoss.

Vom Bahnhof aus musste ich dann schließlich laufen. 25 Minuten und eine Menge Fußgänger, von denen jeder zweite ein Gespräch mit mir anfing.

Möchtest du also neue Leute kennen lernen? Dir Tips geben lassen, wie Hunde am besten lernen? Oder dich über langweilige Tiergeschichten austauschen?
Leih dir Jerry und setz einen Fuß auf die Straße.
Du wirst einen Heidenspaß haben.

Tuesday, September 04, 2007

Vielleicht

Vögel singen in einer Welt,
die krank, lieblos
und ungerecht ist.
Vielleicht haben sie recht

(Andrea Schwarz)