Monday, July 16, 2007

Niesen

Am Samstag waren wir auf dem Niesen. Wir, das sind Elli, ihr Bruder, ihre Mutter und ich.
Anfangs hatte ich ernsthafte Zweifel daran, dass es in der Schweiz überhaupt Berge gibt. Angeblich konnte ich sie sogar aus meinem Gästezimmer aus sehen, aber wenn ich rausschaute, sah ich nur ein paar Häuser und im Hintergrund einige grüne Hügel, die ich in ähnlicher Form auch schon in Deutschland gesehen hatte. Und darauf standen ein paar Kühe, die zwar grosse Glocken um den Hals hatten, aber nicht einmal lila waren.
Zuerst war ich enttäuscht.
Doch dann kam mir eine Idee: Was, wenn die Schweiz tatsächlich keine Berge hatte?
Vielleicht war das nur suptile Manipulation durch die Medien. Wenn ich darüber nachdachte, kannte ich die Schweizer Berge aus der Trickfilmserie über Heidi. Und das waren Mangas. Wie glaubwürdig könnte das schon sein.
Ich war begeistert von meiner Theorie. Insgeheim malte ich mir aus, was ich von dem Geld, das ich dafür bekommen würde, wenn ich sie verkaufte, alles machen könnte. Zuerst hätte ich die Herrschaft über das Wetter von Ronnys Vermieterin abgekauft. Oder ich hätte mich vorerst mit einer Reise in die Sonne zufrieden gegeben. Auf jeden Fall wäre ich aus der Schweiz abgereist. Vielleicht hatte Michael Moore sogar Interesse. Seine Reportagen sind zwar nicht gut, aber dafür um so unterhaltsamer. Wobei ich zugeben muss, dass das Thema die USA nicht sonderlich betrifft, aber vielleicht tut es den Amerikanern auch mal gut, wenn sie sich mit Skandalen aus anderen Kontinenten auseinandersetzen dürfen.

Aber genug mit den überlegungen (in Wirklichkeit gingen sie noch viel weiter), denn am Samstag musste ich feststellen, dass ich meine Zeit verschwendet hatte.
Wir fuhren zum Niesen.
Von Elli erfuhr ich, dass zum Berg neben einer Standseilbahn auch eine Treppe hoch führte. Mein Sportlerherz klopfte ganz aufgeregt.
Die Treppe steht sogar im Guinnes Buch der Rekorde. 11864 Treppenstufen. Das war doch mal eine Herausforderung. Als leidenschaftliche Allroundsportlerin hatte ich mich selbstverständlich perfekt für solch eine Aktion ausgerüstet, hatte meine Laufschuhe angezogen und ein guten Frühstück gegessen. Ich war bereit bei dreissig Grad brennender Sonne loszugehen.
Die Nacht vorher konnte ich kaum schlafen, so sehr freute ich mich.
Doch was musste ich lesen, als wir ankamen:
"Das Betreten ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt."
Was für eine Enttäuschung das gewesen ist.
In dem Moment, in dem ich das schreibe, bin ich so traurig darüber, dass mir sogar ein kleiner Seufzer entweicht.
Also fuhren wir mit der Seilbahn hoch, was übrigens ganz angenehm war und vermutluch auch etwas schneller ging.

Aber ich habe mich schon informiert. Ein Mal im Jahr wird die Treppe für einen Marathonlauf geöffnet und ich werde dabei sein!

In einer Woche gibt es Fotos von der Aussicht!

Friday, July 06, 2007

Heidi

... und ihre Berge.
Als Kind war ihre Geschichte für mich plausibel. Ein Kind, das herum geschubst wird und ihre Heimat in den Bergen findet. Bei den Tieren und ihrem grantigen Großvater.
Doch dann beginnt ein frustrierender Lebensabschnitt als Spielgefährtin von Klara im Haus von der fiesen Fräulein Rottenmeier in einer gräßlich grauen Stadt namens Frankfurt.
Natürlich geht alles gut aus. Klara kommt aus dem Rollstuhl und bleibt Heidis Freundin und Heidi darf zurück zum Ziegenpeter und den Bergen.
Früher konnte ich mich mit Heidi identifizieren. Ich war neidisch auf das Holzhaus in den Bergen und darauf, dass sie den ganzen Tag draußen mit den Schafen spielen durfte.

Heute allerdings frage ich mich, wieso man ein Dort in der bergigien Schweiz dem schönen Frankfurt vorzieht. Wieso man es genießt, aus dem Fenster zu schauen und eine Berglandschaft vor Augen zu haben. Und warum man sich darauf freut, mit den Schafen draußen zu sein.

Doch diesem Rätsel werde ich auf die Spur kommen.
Morgen fahre ich zwei Wochen in die Schweiz, werde aus dem Fenster schauen und Berge sehen. Und werde nach Dörfli fahren, dem Heidi-Dorf.
Und vielleicht werde ich danach wieder einen Zugang zu der Geschichte bekommen.

Naja, ganz nebenbei werde ich dort zwei Wochen arbeiten.
Da ich nicht weiß, ob ich dort viel Gelegenheit habe, ins Internet zu kommen, melde ich mich also hiermit für zwei Wochen ab ;-).

Wednesday, July 04, 2007

Werbung

Passend zu meinem Beitrag "Der erste Satz" fand ich diese Woche ein Plakat in der Stadtbücherei. Mit großen rosa Buchstaben wurde für einen Wettbewerb Werbung gemacht:

DER SCHÖNSTE ERSTE SATZ

"Der erste Satz ist wichtig. In der Liebe wie auch in der Literatur. Ein guter erster Satz entscheidet oftmals schon darüber, ob wir uns in einen Menschen oder in ein Buch verlieben, ob wir berührt werden und uns voller Neugier auf das Versprechen einer guten Geschichte einlassen.

Die Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen wollen von Mai bis September 2007 der "Magie" erster Sätze auf die Spur kommen. Mit dem Wettbewerb "Der schönste erste Satz" werden Menschen aller Altersgruppen aufgerufen, den Buchtitel einer deutschsprachigen Autorin oder eines deutschsprachigen Autors zu nennen, dessen erster Satz sie besonders bezauberte, beeindruckte oder neugierig machte."

Mehr Infos gibt es hier

Tuesday, July 03, 2007

Spinne V

Erstmal musste ich nachsehen, bei welchem Teil der sagenhaften Spinnenerzählungen ich mit diesem Beitrag angelangt bin. Es ist, als ziehe sich das Thema wie ein roter Faden durch mein Leben.
Doch - um auch zum Thema passend ein kleines aber feines Wortspiel mit einzubringen, das meine literarischen Fähigkeiten besten zum Ausdruck bringen wird: Es hängt am seidenen Faden.
Ich habe beschlossen diesen Dingen nicht mehr all zu viel Beachtung zu schenken, den Kreaturen nicht mehr den Gefallen zu tun, ihnen einen so goßen Platz in meiner Gedankenwelt zu geben.

Erst heute morgen musste ich wieder einen recht großen Weberknecht unter meinem Schreibtisch entfernen. Wie auch seine Vorgänger verschwand er im Staubsauger. Bis vor wenigen Augenblicken hielt ich ihn für tot.

Allerdings wies mich mein Besuch gerade darauf hin, dass es wohl wenig wirksam wäre, die Tiere nur wegzusaugen. Im Beutel würden sie doch weiterleben. Und dazu gibt es dort auch genug zu fressen, wenn ich unsere Küche oft genug sauber mache. Wenn sie sich dann genügend gestärkt haben, kommen sie einfach wieder heraus gekrabbelt. Der Weg durch das Rohr ist ja nicht zu verfehlen.
Das erklärt dann auch, warum das Exemplar, das ich heute unter meinem Schreibtisch fand, größer war als die von letzter Woche.

Aber wie gesagt: Genug der Horrorgeschichten.

Sunday, July 01, 2007

Laute

Seit drei Wochen war ich heute morgen das erste Mal wieder bei den Baptisten im Gottesdienst.
Innerhalb kürzester Zeit folgten drei Lieder aufeinander. Da ich sie nicht kannte und zusätzlich kein begeisteter Sänger bin, schaute ich mich ein wenig um. Durch die Reihen konnte ich eins meiner Kindergottesdienstkinder entdecken und musste mich wundern, dass es alle Lieder (und es waren welche aus dem dicken Gemeinschaftsliederbuch) mitsingen konnte.
Ich musste daran denken, wie ich früher den Gottesdienst wahrgenommen hatte.
Im Gegensatz zu den Baptisten waren die Kinder von Anfang von den Eltern getrennt und so waren Familien- oder Festgottesdienste für uns nicht nur etwas besonderes, sondern auch etwas fremdes.
Der Gottesdienstsaal am Bleiberg war unübersichtlich groß, immer zu dunkel und die Predigt war ein endloser Vortrag. Um mich herum war alles voller Diakonissen oder alten Menschen. Die meisten sahen tendentiell bedrückt aus und auch schon damals habe ich die Orgel als deprimierendes Instrument empfunden.
Aber am meisten wunderte ich mich über die Lieder, die die Erwachsenen sangen.
Die hatten gar keinen Text. Die Orgel spielte bei jedem Lied die gleiche seltsame Melodie und die Leute sangen irgendwelche zusammenhangslosen Laute. Ich verstand kein Wort und war ganz verwirrt.
Weil aber alle Liederbücher in der Hand hielten und alle auf den Text starrten, versuchte ich das, was ich hörte, mit den Worten auf dem Blatt zusammen zu bekommen.
Aber alles, was ich verstand, waren langgezogene Vokale.
"Ahhhhhhhh" und dann in einem anderen Ton (auf jeden Fall war ein Kreuz davor - das kann ich heute beurteilen) "Ohhhhhh".
Es war mir ein Rätsel.
Also stupste ich meinen Daddy an und fragte, warum er denn keinen Text singt, sondern nur Buchstaben.
Etwas verdattert antwortete er, dass er doch richtige Worte singe. Bei Erwachsenen klinge das nur anders.
Die Antwort stellte mich zufrieden und ich stimmte mit ein: "Ohhh-ahhhh-ihhhh...."