Tuesday, April 24, 2007

Leere

Diese Leere

Wie leer ist es, da, wo etwas war
Wo WAS war?
Etwas, was nicht mehr da ist
Und ist es nicht mehr da?
Warum nicht?
Und wirklich nicht?
Kann es nicht wieder da sein?
Darf es nicht wieder da sein?

Wie groß muss es gewesen sein,
Was da war,
dass alles jetzt,
wenn es vielleicht nicht mehr da ist
oder vielleicht nicht mehr da sein wird,
so leer ist, dass Leere in Leere übergeht
oder untergeht
oder ruht?

Müsste Ruhe nicht eigentlich anders sein
als das, was leer ist
und doch kalt ist,
obwohl das Leere nicht kälter sein kann
als das, was leer ist
und doch noch brennt,
obwohl das Leere nicht brennen kann
als das, was leer ist,
und doch den Hals zuschnürt,
obwohl das Leere den Hals nicht zuschüren kann.

Was ist es also?

(Erich Fried)

Monday, April 23, 2007

Schule

Als G. und ich gestern in der Sonne saßen, kamen wir auf verschiedene Peinlichkeiten in der Schulzeit zu sprechen.
Dabei erzählte er folgende Geschichte.
Für eine Geometriearbeit hatte er nichts gelernt und hatte das Glück neben einer guten Schülerin zu sitzen, bei der er ohne Probleme abschreiben konnte.
Er gab die Arbeit mit einem guten Gefühl ab und machte sich weiter keine Sorgen. Bis sie zurück gegeben wurde.
Der Lehrer stand vor der Klasse und fragte: "Silke Müller, kann es sein, dass du zwei Arbeiten zurück gegeben hast? Und G., kann es sein, dass du gar keine Arbeit zurück gegeben hast?
G. war bein Abschreiben so unkonzentriert gewesen, dass er nicht nur die Rechenaufgaben abgeguckt, sondern auch gleich den Namen übernommen hat.

Wednesday, April 18, 2007

Kindergarten

Meine bisherigen Tage im Kindergarten konnten mein Bild von diesen Zwergen nicht verbessern.
Wie erwartet stellen sie dumme Fragen, fangen bei jeder Kleinigkeit an zu weinen und sind ziemlich humorlos. Mehrere Male erntete ich für meine ironischen Kommentare nur verstörte Blicke.
Die wenigsten Kinder begreifen die Regeln von "Mensch ärger dich nicht", aber alle wollen es spielen und halten es nicht mal zwei Minuten ohne Mogeln aus.
Sie ziehen sich die Schuhe falsch herum an, können den Reißverschluss ihrer Jacke nicht alleine schließen und haben keinen Schimmer, wie man ein Taschentuch benutzt.
Ständig verletzen sie sich und brauchen Pflaster.
An meinem ersten Praktikumstag ist ein Kind einen fünf Meter hohen Abhang auf dem Rücken mit dem Kopf nach vorne herunter gerutscht und dann mit dem Nacken fest gegen einen Baumstamm geknallt. Das Kind hat so geschrieen, dass ich dachte, ich hätte es umgebracht.
Nach fünf Minuten war es schon wieder lachend oben und erzählte Geschichten von Löwen und Tigern.

Gestern Mittag saßen wir alle in einem Stuhlkreis und versuchten die Geschichte von Jesu Gefangennahme zu rekonstruieren. Das Gespräch lief folgendermaßen ab:
Erzieherin: Wer hat Jesus verraten?
1. Kind: Lazarus!
Erzieherin: Nein, nicht Lazarus. Wie hieß der Mann nochmal?
2. Kind: Nazarus!
Erzieherin: Nein, nicht Nazarus.
3. Kind: Mazarus!
Die Erzieherin unterdrückt ein Lachen, während wieder 20 Kinderhände nach oben schießen.

Jetzt könnte man meinen, dass sich das Ganze doch sehr amüsant und unterhaltsam anhört und ich keinen Grund habe, mich dort zu langweilen. Das Problem ist nur, dass ich gelernt habe, dass man Kinder ernst nehmen und nicht über sie lachen sollte.
Also kann ich immer erst nach dem Kindergarten über die witzigen Dinge lachen und dann ist es eigentlich auch nicht mehr wirklich lustig.

Thursday, April 05, 2007

Anna Karenina

Ich habe meinen Plan "Anna Karenina" von Tolstoi zu lesen aufgegeben. Warum sollte ich eins der längsten Bücher lesen, die die Menschheit je gesehen hat?
Vor einigen Jahren habe ich mich aufraffen können, "Schuld und Sühne" zu lesen und weil mich das Buch so begeistert hat, dachte ich, dass alle russischen Autoren wie Dostojewski schreiben.
Da habe ich mich getäuscht. Denn für die ersten 300 Seiten in Anna Karenina habe ich mehrere Wochen gebraucht und so etwas wie eine Spannungskurve, die nach und nach steil nach oben geht, ist nicht in Sicht.
Also lasse ich es und lese wieder schlechte Krimis, in denen es nur zwei intelligente Hauptpersonen gibt, von denen der eine die gute und der andere die schlechte Seite personifiziert, und der Rest der Charaktere so dumm ist, dass es schon aggressiv macht.
Das war es, was mich an "Schuld und Sühne" so fasziniert hat. Alle Personen lagen auf einer Wellenlänge, hatten zwar möglicherweise verschiedene Denkarten und vertraten unterschiedliche Positionen, aber sie konnten auf einer Ebene diskutieren.
In den neueren Krimis (vermutlich greife ich immer nach den falschen) werden die wenigen intelligenten Personen extra als solche erwähnt und müssen vor allem gegen die Sturrheit und den Egoismus der "dummen Menschen" ankämpfen bis es dann zum Schluss hin zum großen Kampf zwischen dem hochbegabten Kriminalpsychologen und dem etwas weniger (aber wirklich nur mininal- er darf sich nur einen Fehler erlauben, durch den der Leser auf die richtige Fährte kommt) cleveren Verbrecher kommt.

Da gerade Ferien und alle anderen im Urlaub sind, bleibt mir nur ein ausgeliehenes Buch für die nächste Woche. Kein Krimi, aber dafür verspricht das Cover nichts als Langeweile. "Der Medicus", das Lieblingsbuch einer WG-Mitbewohnerin. Und da ich mich dazu entschieden habe, Mittelalter-Geschichts-Romane gut zu finden, bin ich sehr gespannt!