Meine bisherigen Tage im Kindergarten konnten mein Bild von diesen Zwergen nicht verbessern.
Wie erwartet stellen sie dumme Fragen, fangen bei jeder Kleinigkeit an zu weinen und sind ziemlich humorlos. Mehrere Male erntete ich für meine ironischen Kommentare nur verstörte Blicke.
Die wenigsten Kinder begreifen die Regeln von "Mensch ärger dich nicht", aber alle wollen es spielen und halten es nicht mal zwei Minuten ohne Mogeln aus.
Sie ziehen sich die Schuhe falsch herum an, können den Reißverschluss ihrer Jacke nicht alleine schließen und haben keinen Schimmer, wie man ein Taschentuch benutzt.
Ständig verletzen sie sich und brauchen Pflaster.
An meinem ersten Praktikumstag ist ein Kind einen fünf Meter hohen Abhang auf dem Rücken mit dem Kopf nach vorne herunter gerutscht und dann mit dem Nacken fest gegen einen Baumstamm geknallt. Das Kind hat so geschrieen, dass ich dachte, ich hätte es umgebracht.
Nach fünf Minuten war es schon wieder lachend oben und erzählte Geschichten von Löwen und Tigern.
Gestern Mittag saßen wir alle in einem Stuhlkreis und versuchten die Geschichte von Jesu Gefangennahme zu rekonstruieren. Das Gespräch lief folgendermaßen ab:
Erzieherin: Wer hat Jesus verraten?
1. Kind: Lazarus!
Erzieherin: Nein, nicht Lazarus. Wie hieß der Mann nochmal?
2. Kind: Nazarus!
Erzieherin: Nein, nicht Nazarus.
3. Kind: Mazarus!
Die Erzieherin unterdrückt ein Lachen, während wieder 20 Kinderhände nach oben schießen.
Jetzt könnte man meinen, dass sich das Ganze doch sehr amüsant und unterhaltsam anhört und ich keinen Grund habe, mich dort zu langweilen. Das Problem ist nur, dass ich gelernt habe, dass man Kinder ernst nehmen und nicht über sie lachen sollte.
Also kann ich immer erst nach dem Kindergarten über die witzigen Dinge lachen und dann ist es eigentlich auch nicht mehr wirklich lustig.