Saturday, March 31, 2007

Abitur

Das Lebensgefühl, das ich zur Zeit meiner Abiprüfungen hatte, lässt sich wohl am besten mit dem Wort "Unbeschwertheit" beschreiben.
Ganz im Sinne meiner Faulheit hatte ich Deutsch und Englisch als Leistungskurse gewählt und musste dementsprechend wenig lernen. Mathe als drittes schriftliches Fach kam mir zwar wegen der Wahrscheinlichkeitsrechnung eher ungelegen, aber weil meine Vorbenotung schon im Fünfer-Bereich lag und ich auf keinen Fall in die mündliche Nachprüfung wollte, beschränkte ich mein Lernen auch hier auf gelegentliche Treffen mit einer Freundin im Eiscafé, bei denen wir nur des guten Gefühls wegen unsere Bücher offen auf den Tisch legten.
Als die Klausuren dann hinter uns lagen, feierten wir abends regelmäßig schlechte Schulhofpartys, wurden auf den Praktikerparkplatz verdrängt und später auch dort von der Polizei weggeschickt.
Pünktlich zum Abiball bekam ich Fieber und lag eine Woche im Bett. Ich hatte mich schon Wochen zuvor auf das gute Essen gefreut und saß dann nur am Tisch und freute mich auf das Ende der Veranstaltung um mich wieder hinlegen zu können.
Bis jetzt war ich noch auf keine der Stufentreffen und vermisse nur wenige Leute aus der Schule.

Gestern war ich dann aber in der Marburger Innenstadt unterwegs und plötzlich ertönte laute Musik. Eine Menschenmenge versammelte sich auf dem Fußgängerweg und schaute gespannt auf die Straße.
So ähnlich stelle ich mir eine Miniversion der Love Parade vor, denn es folgte eine Wagenkrawane von Abiturienten.
Haufenweise Traktoren zogen Wagen hinter sich her, auf denen hysterisch kreischende Jugendliche zu schlechter Technomusik tanzten und immer wieder "Abitur" riefen.

Es scheint eine Tradition in Marburg zu sein, dass sich die verschiedenen Gymnasien aus der Umgebung organisieren und gemeinsam den Straßenverkehr aufhalten.

Und als ich dann so an der Ampel stand und darauf wartete, dass die Wagen an mir vorbeigezogen waren, fragte ich mich, wieso ich eigentlich nicht so etwas bekommen habe.
Irgendwie ist es doch unfair, dass wir nur unerlaubterweise auf unserem Schulhof feiern durften, während andere eine ganze Stadt dafür bekommen.
Wenn ich wie Heinz Rühmann in der Feuerzangenbowle die Möglichkeit hätte, würde ich nochmal zur Schule gehen - diesmal aber in Marburg.
Allerdings würde ich statt zu der Technomusik zu tanzen lieber zu dem Lied "Ich hab Abitur, ich bin so stolz dafür!" von den Toten Hosen mitgrölen.

Tuesday, March 27, 2007

Selbstdisziplin

Da unser Internet wieder funktioniert und ich somit keine überzeugende Ausrede mehr habe, wieso mein Blog verstaubt, muss ich mich wohl jetzt mit dem Thema Selbstdisziplin beschäftigen.

Das habe ich getan und den Begriff kurzer Hand gegoogelt:
Wikipedia sagt folgendes:
"Selbstdisziplin bezeichnet die Fähigkeit, zugunsten einer ethischen, religiösen oder rationalen Richtlinie körperliche und emotionale Bedürfnisse zu unterdrücken. Auch kann eine dieser Richtlinien als unangenehm empfunden und mit Hilfe der Selbstdisziplin durchgehalten werden.
Die Richtlinien können konkret z.B. Fastenvorschriften sein, ethische Anweisungen im Umgang mit (
emotionsgeladenen) Konflikten, Leistungsvorgaben in einem Beruf, der Wunsch nach Gewichtsabnahme und vieles mehr. Daraus folgt, dass die ethische Bewertung von Selbstdisziplin an die Richtlinie gebunden ist."

Als Beispiel für Selbstdisziplin nennt Wikipedia den Verzicht auf Süßigkeiten, wenn man auf Diät ist oder den Verzicht auf Zigaretten, wenn man aufhören möchte zur rauchen.

Das klingt alles sehr plausibel. Nur frage ich mich, auf was genau ich praktisch verzichten müsste, wenn ich konsequent meine Vorhaben in die Tat umsetzen würde.
Zum Beispiel würde ich meinen Portugiesisch-Sprachkurs gerne weitermachen, "Anna Karenina" endlich zu Ende lesen oder regelmäßig etwas schreiben.
Stattdessen tue ich allerdings gar nichts.
Geistig gesehen fühle ich mich in meiner Ausbildung kein bißchen ausgelastet, ich habe viel Zeit und hätte die Möglichkeit, diese sinnvoll zu füllen. Ich könnte mich neben der Ausbildung bilden (währenddessen kommt bei den Lehrern nicht gut an, wie ich feststellen musste, als ich im Unterricht mit einem offenen Buch erwischt wurde), und jeden Morgen wache ich mit dem Gedanken auf: "Ich habe so viel Zeit und das Bedürfnis meinen Kopf zu füllen und zu beanspruchen. Heute werde ich sie nutzen." Und letztendlich geschieht den ganzen Tag gar nichts.
Kommt kein Druck von außen, werde ich nicht aktiv, beklage mich über Langeweile und schaffe es nicht, sie zu beenden.
Und langsam frage ich mich, was eigentlich mein Problem ist.

Glücklicherweise gibt es noch andere Seiten als Wikipedia. Denn im Internet konnte ich auch folgende Definition für Selbstdisziplin finden:
"Sich anhalten, das zu tun, was nicht von selbst kommt, aber von einem selbst für wichtig gehalten wird."

Und im folgenden fand ich fünf praktische Schritte zur Einübung guter Gewohnheiten:

1) Schreiben Sie die Gewohnheit, die Sie ändern wollen, auf.
2) Beschreiben Sie die neue Angewohnheit, die Sie entwickeln wollen.
3) Beginnen Sie mit dem neuen Verhalten so intensiv wie möglich.
4) Üben Sie das neue Verhalten immer wieder ein.
5) Nutzen Sie jede Gelegenheit, dieses neue Verhalten zu praktizieren

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, woher ich die Motivation bekomme, diese Schritte umzusetzen...

Thursday, March 22, 2007

Internet

Da unser Internet seit einigen Tagen nicht mehr funktioniert, gibt es auch zur Zeit keine Beiträge mehr von mir.
So kann ich also meinen fehlenden Einfallsreichtum auf äußere Umstände schieben und brauche mich nicht weiter zu rechtfertigen und mir über mangelnde Selbstdisziplin Gedanken machen.

Trotzdem hoffe ich, dass mein Blog nicht in Vergessenheit gerät. Denn schon bald werde ich wieder schreiben.

Wednesday, March 14, 2007

Finger

Es ist ja nicht so, dass es das erste Mal wäre, dass ich mir den Finger eingeklemmt habe. Ganz im Gegenteil. Der Alltag bietet genug Gelegenheiten für dieses Missgeschick.
Aber heute habe ich etwas geschafft, was ich nicht mal für möglich gehalten habe.

Ich hatte schon immer ein wenig Respekt vor Maschinen oder Gegenständen, die Dinge aufsaugen. Zum Beispiel vor dem Staubsauger. Manche Leute machen sich einen Spaß daraus, mit dem Schlauch über die Beine oder die Arme zu fahren. Was daran witzig sein soll, ist mir bis heute ein Rätsel. Aber immerhin habe ich rausbekommen, dass es ganz ungefährlich ist (zumindest bei den Billigversionen).

Was ich dagegen bis jetzt für völlig harmlos gehalten habe, ist der Kontoauszugsautomat in der Sparkasse.
Als ich heute meine Karte in den Schlitz stecken wollte, muss ich wohl eine Sekunde zu spät reagiert haben, denn der Apparat wollte meinen Finger direkt mit aufsaugen.
Glücklicherweise war ich geistesgegenwärtig genug meine gesamte Kraft aufzubringen um Widerstand zu leisten. So kam ich mit ein paar Kratzern am Fingernagel davon.
Aber die Saugkraft der EC-Automaten sollte nicht unterschätzt werden!

Saturday, March 10, 2007

Krähen

Die Vogelplage nimmt Überhand.
Gerade eben habe ich auf NDR einen Beitrag über Rendsburg gesehen.
Dort gibt es zu viele Krähen.
Als ich die Bilder sah und das Vogelgekreische hörte, war ich sofort hellwach. Das interessierte mich.
Über 180 Paar Krähen haben sich in dem Stadtteil eingenistet. Die Bewohner sind ratlos. Nicht nur der Lärm macht ihnen zu schaffen, ständig müssen sie ihre Autos und Fenster putzen und auch sie selbst werden bei einem Gang in die Stadt nicht von der Vogelkacke verschont.
Sogar der Bürgermeister musste seine Jacke nach einer kleinen Fahrradtour erstmal zur Reinigung bringen.
Maßnahmen müssen ergriffen werden. Das war allen klar.
Also wurde ein Gärtner von der Stadt dazu abgeordnet vier Mal am Tag mit einer Pistole in die Luft zu schießen, damit die Vögel vor Schreck das Weite suchen.
Und da Krähen sehr schlau sind, muss dies täglich um verschiedenen Uhrzeiten passieren.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wieso der Gärtner die Vögel nicht einfach mit der Pistole erschießt. Aber das geht nicht, weil Krähen unter Naturschutz stehen.
Ich bin bin gespannt, wann Marburg die Notlage einsieht und Konsequenzen zieht.

Sunday, March 04, 2007

Ängste

Christlich sozialisierte Kinder müssen manchmal gegen ganz andere Ängste ankämpfen als weltliche Kinder.
Während andere Angst vor dem dem Daumenabschneider im Struwelpeter oder der bösen Hexe in Hensel und Gretel hatten, musste ich mich mit ganz anderen Themen auseiander setzen.

Zum Beispiel hat mir als Kind mal jemand gesagt, dass Satan Gott alles nachmacht.
Das erschien mir plausibel.
Und sofort wandte ich diese neue Erkenntnis auf mein Glaubensleben an.
Ich dachte darüber nach, dass Satan demnach auch einen Sohn bekommen müsste, der auf diese Erde kommt und sein Unwesen treibt. Und wenn er sich seine Taktik bei Gott abschaut, müsste er sich eine Jungfrau suchen, die dieses Kind gebären soll.
Maria hatte sich diese Rolle nicht ausgesucht, also müsste sich die Auserwählte Satans ebenfalls ohne Zutun und Zustimmung seiner Macht beugen.
Und dann bekam ich Angst.
Hat Satan vielleicht mich ausgesucht? Sollte ich tatsächlich seinen Sohn bekommen?
Ich wusste es nicht. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto wahrscheinlicher wurde es für mich.

Aber es gab auch alltäglichere Dinge, die mich beschäftigten.
Wenn ich nach der Schule nach Hause kam, öffnete manchmal ziemlich lange niemand die Tür.
Jetzt könnte man denken, dass vielleicht niemand das Klopfen gehört hat. Oder schlimmer, dass niemand zu Hause war, weil sie vergessen haben, dass ich komme.
Für mich war aber völlig klar: Meine Familie wurde entrückt.
Und ich als schlechter Christ, dessen Herz voll Sünde ist, ich wurde nicht von Gott auserwählt und muss in die Hölle.

Es ist gut, dass ich in meiner Ausbildung so viel über christliche Kindererziehung lerne. Vielleicht finde ich die Ursachen meiner Ängste und kann sie stückweise überwinden.