Wednesday, February 28, 2007

Worte

Als ich am Wochenende ein altes Skript von der Uni Düsseldorf ("Einführung in die germanistische Sprachwissenschaft") durchblätterte, stieß ich auf dieses Gedicht.
Es wunderte mich, dass ich es das erste Mal bewusst registrierte.
Da ich den Kurs zum Skript in ähnlicher Form schon in Bonn besucht hatte, mir der Schein in Düsseldorf aber nicht anerkannt wurde, musste ich mir das Ganze nochmal anhören. Und eigentlich hätte mich die Langeweile dazu bringen können, das Gedicht zu lesen, zumal es fett auf der ersten Seite gedruckt ist. Vielleicht habe ich es aber auch nur vergessen, weil ich es in dieser Situation nicht interessant fand.

Worte

Einhalt erfundener Worte,
Die man hinter Türen spricht,
Aus Fenstern und gegen die Mauern,
Gekalkt mit geduldigem Licht.

Wirklichkeit von Vokabeln,
Von zwei Silben oder drein:
Aus dem Rätseln des Himmels geschnitten,
Aus einer Ader im Stein.

Entzifferung fremder Gesichter
Mit Blitzen unter der Haut,
Mit Bärten, in denen der Wind steht,
Durch einen geflüsterten Laut.

Aber die Namen bleiben
Im Ohre nur ein Gesumm
Wie von Zikaden und Bienen,
Kehren ins Schweigen um.

Vokale - geringe Insekten,
Unsichtbar über der Luft,
FAllen als Asche nieder,
Bleiben als Quittenduft.

(Karl Krolow)

Sunday, February 25, 2007

Konzentration

Es gibt Tage, an denen ich mich gut konzentrieren kann. An diesen Tagen bin ich aufmerksam und aufnahmefähig. Mein Kopf ist hellwach und manchmal kann ich abends nicht einschlafen, weil die Gedanken ununterbrochen weiterrasen und dabei so "laut" bleiben.
An anderen Tagen schaffe ich es nicht, meine Gedanken auf ein Thema zu fokussieren. Ich schweife ab, träume vor mich hin. Eine Zeile Text überfodert mich, weil ich mich beim letzten Wort schon nicht mehr an den Anfang erinnern kann. Mein Kopf ist einfach nur müde.
Eine Zeit lang dachte ich, dass es etwas mit meinem Koffeinkonsum zu tun hat. Manchmal, wenn ich Kaffee trinke, fängt mein Herz an zu rasen und meine Hände zittern, weil diese Energiezufuhr zu viel für mich ist. Aber gleichzeitig bin ich auch vom Kopf her top fit und konzentriert. Das genieße ich.
Mittlerweile ist mein Umgang mit Kaffee sehr ausgeglichen. Ich trinke täglich die gleiche Menge und trotzdem gibt es Tage, an denen meine Konzentration gut und welche, an denen sie grottenschlecht ist.
Meistens hält dieser Zustand gleich mehrere Tage an.
Und langsam frage ich mich, woran das liegt und ob man daran etwas ändern kann. Ich meine ohne Drogen (Kaffee zähle ich da nicht zu).

Thursday, February 22, 2007

Bestie Mensch

Die Bestie Mensch - ein Buch von dem österreichischen Kriminalpsychologen Thomas Müller, der nicht nur durch seine Fernsehauftritte bei Talkshows Aufsehen erregt hat. In seinem Buch schreibt er über Erfahrungen, die er im Gespräch und in Verhören mit Massenmördern und Sexualstraftäter gesammelt hat, und versucht den Lesern ihre Strategien und Verhaltensweisen näher zu bringen.
Vor einigen Jahren hatte ich ein Interview mit ihm gesehen, in dem er sein Buch ankündigte, und es mir daraufhin gekauft.
Leider versprach das Buch mehr als es hergab.
Im Mittelpunkt der Darstellung steht statt „der Bestie Mensch“ Thomas Müller selbst, seine Biographie und Erlebnisse (u.a. ein Grund, weswegen ihm immer wieder Narzissmus vorgeworfen wurde), die theoretischen Analysen der Verhaltensweisen von den Straftätern wiederholen sich dutzende Male, teilweise sogar wortwörtlich und ziehen sich endlos hin.
Als ich das Buch zugeschlagen hatte, war mir nur ein minimaler Einblick in seine Arbeit und Theorien gewährt worden.

Doch einige Gedanken waren für mich neu und interessant.

Gerade läuft SAW III in den Kinos. Ein Film, der eine grausame Phantasie zum Ursprung hat und Massen von Menschen fasziniert.
Ich habe die ersten beiden Teile auf DVD gesehen und mich immer wieder gefragt, ob es wohl Menschen gibt, die diese Experimente als Inspirationsquelle sehen.
Auf die Frage, was hinter den Erfolgen von Filmen steht, „in denen obduziert und geschnippelt wird“, antwortet Thomas Müller: „Die Spannung und die Erleichterung, dass nach 60 oder 90 Minuten das Gute sieht. Die Realität spricht aber eine andere Sprache. Was manche Produzenten, Autoren und manche Fachleute unterschiedlicher Disziplinen nicht davon abhält ihre Erkenntnisse frisch und frei über den Äther an alle hinaus zu schicken, auch an jene die daraus für ihre Verbrechen etwas lernen können.“
Das Handeln des Menschen ist Ausdruck seiner Bedürfnisse. Aber was passiert, wenn der Mensch versucht, die Bedürfnisse auf einem anderen Weg zu stillen?
In seinem Buch berichtet der Kriminalpsychologe von Gesprächen mit Straftätern, die ihr Machtbedürfnis jahrelang in ihrer Phantasie stillen. Sie stellen sich vor, Menschen zu vergewaltigen oder zu töten, bauen diese Vorstellungen aus und spinnen sie immer weiter bis sie sie in die Realität umsetzen. Und für diese Phantasien nutzen sie Vorlagen aus Filmen oder Büchern.
Unterschätzt die Filmindustrie diese Gefahr? Oder wiegt der Erfolg, den die Faszination des Grauens, der „Bestie Mensch“ mit sich bringt, schwerer als das Risiko?
Und was steckt denn nun wirklich hinter diesem Boom von Serien, Berichten und Filmen?
Ich zweifel’ Müllers These an, dass es die Erwartung auf den Sieg des Guten ist.
Es ist nicht das Gute, das mich fesselt, sondern die Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind.
Vor einigen Wochen habe ich die Aussage aufgeschnappt, dass jeder Mensch so weit zu Gräueltaten im Stande ist wie seine Phantasie es zulässt. Eine erschreckende Behauptung, gerade wenn man bedenkt, dass diese Phantasie durch die ständige Überflutung von ekelhaften und abstoßenden Darstellungen geradezu geschult wird.
Woher kommt also diese Faszination? Warum werden die Menschen so davon angezogen?

Tuesday, February 20, 2007

Essenseinladung

Ein Freund von uns hatte uns eine Einladung zum Essen geschenkt.
Wir fuhren also nach Remscheid in den Ratskeller und konnten zwischen einem Haufen deutscher herzhafter Speisen wählen.
Ich gebe zu, dass ich Probleme mit der Entschiedung hatte. Nicht, weil die Auswahl so groß war, sondern weil ich das meiste nicht mochte. Es dauerte einige Zeit, doch letztendlich bestellte ich die "Ratsherrnpfanne", was den Mann am Nachbartisch ziemlich erstaunte.
Der riss die Augen weit auf und meinte etwas zu laut zu seinem Nachbarn: "Das schafft die doch gar nicht!"
Ich gebe zu, das war auch meine Vermutung. Aber es stand nun mal nicht dabei, wie groß die Portionen waren und mir blieb auch so keine andere Möglichkeit. Es war das einzige, was ich mochte.
Als der Teller kam fühlte sich der Mann am Nebentisch wohl bestätigt. Und ich wurde etwas nervös. Das war wirklich viel!
Doch ich entwickelte einen ziemlichen Ehrgeiz.
Beim Sport habe ich nie so etwas erleben dürfen. Möglicherweise war das Ausbleiben vom Ehrgeiz auch eine Art Selbstschutz, weil ich auch nicht sportlich genug war um zu gewinnen, aber manches Mal fragte ich mich doch, warum der Kämpfergeist bei mir so selten durchkam.
Beim Essen war er ganz groß.
Ich schaufelte mir das Essen rein als wäre ich die reinste Verdauungsmaschine und schaffte es tatsächlich. Nur ein winzig kleiner Rest blieb auf dem Teller zurück und ich fühlte mich als Gewinner.
Der Mann am Nebentisch machte keinen Mucks mehr und tat so, als hätte er nie etwas über mich gesagt.
Ein schönes Gefühl.
Nur nicht für lange.
Das Essen fand keinen Platz in meinem Magen. Es war einfach zu viel. Meine Hose schien plötzlich zwei Nummern zu klein zu sein und ich bekam Beklemmungsgefühle. Mir wurde immer heißer.
Und dann kam noch eine Einladung zum Kino - ein Film mit Überlänge.
Wie sollte ich das überleben? Über zwei Stunden sitzen, während die Hose den Bauch eindrückt?!

Ich habe es überlebt - und das vor allem, weil es im Kinosaal dunkel ist und niemand sieht, wenn der Gürtel offen ist.

Erziehung

Gestern saßen wir in der WG zusammen und es kam die Frage auf, ob wir eine Sache hätten, die wir unseren Kindern auf jeden Fall weitergeben wollten.
So spontan fiel mir nichts ein. Aber zum Glück gibt es Bücher.
Abends fand ich dann in der autobigraphischen Erzählung "Kindheit" von Leo Tolstoj diesen netten Abschnitt:

"Ich erinnere mich noch dessen sehr gut, wie man sich einmal bei Tisch - ich war damals erst sechs Jahre alt - über mein Äußeres unterhielt, wie Mama trachtete, in meinem Gesicht irgend etwas Schönes zu entdecken: ich hätte gescheite Augen, sagte sie, ein angenehmes Lächeln; sie musste aber schließlich Papas Gegengründen und dem Augenschein nachgeben und zugestehen, dass ich eigentlich häßlich sei. Als ich ihr dann nach dem Essen die Hand küßte, tätschelte sie mir die Wange: "Dass du es weißt, Nikolenka", sagte sie, "um deines Gesichtes willen wird dich niemand lieben; darum musst du dich bemühen, ein gescheiter und braver Bub zu sein."

Thursday, February 15, 2007

Krank

Meine "Schaffensphase" muss erstmal unterbrochen werden.

Am Montag fing alles mit einem harmlosen Husten an und heute hat mich der Arzt bis Mittwoch krank geschrieben.

Krank sein ist echt blöd.
Und langweilig. Ich liege den ganzen Tag im Bett oder auf dem Sofa, finde das Liegen anstrengend, doch sobald ich eine Minute stehe freue ich mich wieder auf mein Bett.

Eigentlich schaue ich die ganze Zeit fern... und das ist auch langweilig...

Monday, February 12, 2007

Die Vögel

Am Samstag war es das vierte Mal. Die Vorzeichen häufen sich.

Es hat Jahre gebraucht um mich dazu zu bringen, den Film "Die Vögel" anzuschauen. Es ist nicht so, dass ich Vögel schlimmer finde als andere Tiere, nur möglicherweise häßlicher und vor allem: unberechenbarer. Während ich mich einfach weigern kann, einen Hamster oder ein Meerschweinchen zu streicheln, ist man den Vögeln in der Natur schutzlos ausgeliefert und gerade Tauben verstehen es, sich einen Spaß daraus zu machen (beim Schreiben überkommt mich ein heftiges Schütteln).

Seit einigen Monaten finde ich in meinem Leben immer wieder Parallelen zum Film.
Als ich mich an einem Nachmittag nichtsahnend in der Marburger Stadt aufhielt, verdunkelte sich urplötzlich der Himmel und ein Schwarm unzählbarer schwarzer Krähen taucht über meinem Kopf auf. Kreischend umkreisten sie die Hausdächer und boten mir ein unheimliches Schauspiel .
Meine Gedanken überschlugen sich.
Welche Absicht verfolgen sie?
Und vor allem: Warum fällt dieses unnatürliche Phänomen sonst niemanden auf? Rufen sie etwa meinem Namen?

Nur eine Woche später wiederholt sich die Geschichte in Gießen.
Am Samstag war es das vierte Mal.

Noch lässt sich kein Muster erkennen. Manchmal passiert es in Marburg, manchmal in Gießen. Mal bin ich alleine und manchmal mit jemanden zusammen. Auch ist mir nicht klar, ob der Himmel schon vorher grau ist oder ob die Vögel die Dunkelheit mich sich bringen.

Feststeht: Ich habe Angst.

Sunday, February 11, 2007

Wohnungssuche

Mal wieder befinde ich mich auf Wohnungssuche.

Für heute hatte ich zwei Termine für Wohnungsbesichtigungen ausgemacht.
Dummerweise rief mich der Besitzer der ersten Wohnung gerade in dem Moment an, als ich die angegebene Adresse erreicht hatte, um mir mitzuteilen, dass er schon einen Nachmieter gefunden hatte und ich lief wieder nach Hause.

Um fünf sollte ich dann die zweite Wohnung anschauen, die gleichzeitig auch die günstigere war.
Pünktlich kam ich an und traf - wie sollte es auch anders sein - auf zehn andere Interessenten, die gelangweilt und schweigend vor dem Haus warteten, während der Wohnungsbesitzer sich in aller Ruhe mit seinem Auto beschäftigte ohne uns eines Blickes zu würdigen.
Als er endlich fertig war, liefen wir alle brav hinter ihm her und schauten uns in die Zimmer an. In den Gesichtern der anderen konnte ich lesen, bei wem das Interesse groß war und wer eher abgeschreckt wirkte.
Die, die ganz großes Interesse hatten, versuchten ein wenig zu schleimen und sogen sich irgendwelche Fragen aus den Fingern um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Und mir gefiel die Wohnung auch sehr gut - nicht nur, weil sie so günstig war.
Doch gerade als ich anfing mich zu fragen, wie wohl das Auswahlverfahren ablaufen würde, fiel dem jungen Mann noch eine kleine Nebensache ein.
Er hatte beim Einzug einiges in der Wohnung machen müssen (die war nämlich noch ein Rohbau) und nun könnte er die natürlich nicht einfach so hergeben. Außerdem würde er noch einige Dinge dort lassen, die auch nicht umsonst abzugeben sind. Dafür müsste er schon ein kleines bißchen Geld verlangen. Um genau zu sein 800 Euro.
Nacheinander rissen wir alle die Augen auf.
"Was genau bleibt denn alles hier?" kam die Frage und er begann aufzuzählen.
Darunter fielen Schränke, Regale, Küchenschränke, Sofas usw. usf.
Ich schaute mich nochmal genauer um und musste feststellen, dass die Möbel nicht ganz meinen Geschmack trafen.

"Oder gibt es hier jemanden, der schon Möbel hat?"
Die Frage war sehr rücksichtsvoll. Nur: Wie kam er nur auf so einen Gedanken? Wenn ich mich so umschaute, sah ich nur Leute, die vermutlich Jahre lang unter der Brücke gelebt und sich nun für ein zivilisiertes Leben entschieden haben. Anzunehmen, dass irgendjemand vorher schonmal in einer Wohnung gelebt hat, war nicht gerade naheliegend.

Wir verabschiedeten uns nacheinander und innerhalb von einer halben Minute hatten alle die Wohnung verlassen.

Saturday, February 10, 2007

Abendmahl

Ich weiß, dass solche Überlegungen dem eigentlichen Anlass nicht gerecht werden und diese Gedanken von unbedeutender Natur sind, aber seit einiger Zeit quält mich diese Frage.

Wenn der Abendmahlskelch durch die Reihen gegeben wird, darf dies nicht ohne ein Tuch geschehen, mit dem jeder den Rand des Kelches abwischt bevor er den Saft (ein Katholike würde mich für diese Formulierung wohl killen) an seinen Nachbarn weitergibt.
Wozu ist dieses Tuch denn da? Aus hygienischen Gründen?
Die Bakterien werden aber doch nicht aufgesogen, sondern höchstens verschmiert. Und davon hat der Nachbar reichlich wenig.
Oder möchte man damit lediglich demonstrieren, dass man sich Mühe gibt, dem anderen gesundheitlich keinen Schaden zuzufügen, auch wenn man darauf leider keinen Einfluss nehmen kann?
Aber vielleicht nimmt es einem auch den Ekel, wenn man sieht, dass die Spucke weggewischt wird, wenn auch nur oberflächlich.

Oder gibt es sogar eine tiefsinnige Antwort auf diese Frage?

Friday, February 09, 2007

Eichendorff

Auch wenn ich Casper David Friedrichs Bilder aus der Romantik sehr gerne mag, finde ich die Literatur aus der gleichnamigen Epoche tendentiell eher langweilig.

Aber dieses Gedicht bleibt eins meiner Lieblingsgedichte:


Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

(Joseph von Eichendorff )

Thursday, February 08, 2007

Grün

Als ich in der Schlossfabrik gearbeitet habe, musste ich mich zwangsläufig an die kühle Atmosphäre in der Halle gewöhnen.
Wenn ich zur Tür hinein kam, schoss mir als erstes der ölige Geruch entgegen, der in mir sowohl ein vertrautes Gefühl als auch einen gewissen Abwehreanismus weckte. Anschließend wurde ich beim Anblick der Maschinen brutal aus meiner Müdigkeit herausgerissen, weil mir schlagartig klar wurde, wie langweilig der Tag werden würde.
Und dann sah ich nur noch grün.
Alles war in grünen Kisten verpackt, die meterhoch gestapelt an jeder Maschine herum standen.
Das Logo der Fabrik war grün, die Plakate mit den Aneweisungen waren es, die Container, die Overalls, die Hosen, die Hemden.
Sogar die Wände! Die hatten alles grün gestrichen!

Das dachte ich zumindest! Bis mir letzten Sommer (die vierten Ferien, die ich dort verbrachte) auffiel, dass die Wände weiß waren. Das verwirrte mich ziemlich, aber ich konnte mich damit abfinden.

Was mich aber noch mehr wunderte war die Tatsache, dass ich mich gar nicht daran gestört hatte, dass alles grün war. Sogar die Wände. So eine penetrante Monochronie müsste doch eigentlich viel mehr den Effekt haben, dass sie nervt.

Aber auch die Natur ist vorwiegen grün. Die Bäume, Wiesen, Pflanzen.
Nur die Erde ist braun.
Mit einem leichten Grünstich.

Es wird zwar immer gesagt, dass grün beruhigt, aber ist das wirklich so?
Wieso nervt uns die Einfarbigkeit nicht? Nur weil wir daran gewöhnt sind?

Wenn ich im Gespräch vorschlage, die Natur rot zu färben, kommt immer als erste Antwort, dass uns das doch aggressiv machen würde.

Mit welchen Untersuchungen hat man eigentlich die Wirkungen von Farben festgestellt (was meint der Kunststudent ;-))?

Gerade im Moment ist draußen alles weiß, sogar der Himmel. Was mich ja nicht nur wegen der Farbe nervt. Welchen Effekt hat denn weiß? Beruhigend ist ja leider nun schon vergeben.

Ich persönlich wäre für eine grundsätzliche Umgestaltung der vorherrschenden Farben.

Wednesday, February 07, 2007

Das weibliche Gehirn

„Es ist Sünde, Menschen zu langweilen.“ Sagte Oswald Chambers. Und genau das möchte ich heute den Medien sagen.
Denn ich bin gelangweilt.
In der Mittelstufe fing es damit an, dass unser Englischlehrer einen Test mit in den Unterricht brachte, in dem der männliche und weibliche Anteil des Denkens bestimmt werden sollten.
Die Fragen verliefen ungefähr nach diesem Schema:

Sie müssen zu einer bestimmten Uhrzeit ein Ziel erreichen, finden aber den Weg nicht. Was tun Sie?
a) auf die Karte schauen
b) jemanden nach dem Weg fragen
c) aus dem Bauch heraus weiterfahren

Antwort a spräche demnach für einen sehr männlichen und Antwort c für einen sehr weiblichen Anteil. Kurz zusammen gefasst: Frauen sind emotional, Männer logisch und rational.
Diese Verallgemeinerung fand ich damals schon albern. Und als ich mein Ergebnis hatte, wusste ich auch wieso. Mein männlicher Anteil war so hoch, dass er in der Auswertungstabelle nicht mehr aufgeführt war.

Dann ging es weiter. Das Thema wurde zur Mode. Überall erschienen Bücher, Artikel und Fernsehbeiträge.
Und noch immer - Jahre später - können Comedians sich volle Zuschauerreihen sichern, wenn sie sich in ihrem Programm diesem Thema widmen. Die Unterschiede in der Beschaffenheit der verschiedenen Gehirne bieten nach wie vor Gesprächsstoff und gehen dem Showmaster die Ideen aus, kann er immer noch auf die Running Gags zurück greifen. Das Publikum lacht trotzdem. Es nimmt kein Ende.

Und es nervt mich. Langsam wird es öde.

Das findet die ZEIT Wissen auch. Die überschrieb ihre Ausgabe im Januar nämlich mit dem Thema: „Frauen sind auch nur Männer – Die Wahrheit über das weibliche Gehirn.“
Und jetzt könnt ihr euch auf etwas gefasst machen:
Die Wahrheit ist nämlich, dass es keine angeborenen Unterschiede gibt. Dass wir uns verschieden verhalten, hängt nur damit zusammen, dass wir durch die bestehenden Vorurteile in Rollen gepresst werden, die wir unter günstigeren Umständen nicht einnehmen würden: „Die fundamentale Verschiedenheit von Männern und Frauen reproduziert sich selbst.“

Eine nicht gerade überzeugende Theorie, wie ich finde.

Die übrigen Seiten wurden dann mit Zitaten von Wissenschaftlern gefüllt, die die Untersuchungen der Gegenseite kritisieren, weil diese nichts beweisen. Und zusätzlich haben sie zu jedem anerkannten Vorurteil eine Gegenstudie parat.

Hier folgt - für alle von den Medien verblendeten Leser – eine kleine Auflistung von bewiesenen Wahrheiten (aus der ZEIT):

- Frauen reden weniger als Männer (das kann ich nicht glauben)
- Frauen sind nicht friedlich (wen wundert`s?)
- Frauen können nicht zwei Dinge gleichzeitig tun (schade)
- Frauenhirne sind nicht besser vernetzt (ich werde eine Gegenstudie durchführen)
- Frauen sind nicht emotionaler (richtig)
- Frauen sind Memmen (wer muss denn die Kinder zur Welt bringen?)
- Frauen wollen keine reichen Männer (nein?)
- Frauen sind gut mit Zahlen
- Frauen lieben das Risiko

Auch wenn diese Sichtweise wohl nicht so viel Potential für die Unterhaltungssender bietet, bin ich trotzdem gespannt, wie lange sich das Thema noch halten wird...

Goethes Faust

Es gibt einige Bücher, mit denen ich mich in der Schule so lange auseinandersetzen musste bis ich sie anfing zu hassen.
Dazu gehören z.B. "Michael Kohlhaas" oder "Effi Briest". Beim ersten könnte ich heute nicht mal ansatzweise sagen, worum es ging - nur dass ich das Wort "Schlagbaum" das erste Mal beim Lesen dieses Buches registriert habe. Und bei letzterem tat es mir im Herzen weh zu lesen, dass Effi Briest den kultivierten, ernsten und anspruchsvollen Mann (der ja eigentlich schon ihre Mutter heiraten wollte) dem lustigen Anwärter vorzog. Der widerum nannte Effi einen Engel, der so anmutig und schön war, dass es ihm weh tat und er den Wunsch verspürte, diesen Engel zu erschießen.
Und auch wenn das eine der tollsten Stellen war, die ich bisher in Büchern gelesen habe, war mir die Lust am Weiterlesen anschließend vergangen.

Andere dagegen habe ich sogar freiwillig mehrmals gelesen. Zum Beispiel Goethes Faust.
Und dies ist mein Lieblingssatz:

"Da seht, daß ihr tiefsinnig faßt, Was in des Menschen Hirn nicht paßt."

Tuesday, February 06, 2007

Schnee

Unheimliche Dinge geschehen.

Ich bin kein Freund vom Winter. Genau gesagt könnte er meinetwegen jedes Jahr ausfallen. Und wenn er das schon tut, könnte sich der Herbst anschließen. Mir ist das Ganze zu kalt und zu nass. Man weiß nie, wie man sich anziehen soll. Entweder man friert oder man schwitzt.
Außerdem ist es ständig dunkel und bewölkt. Und wenn die Sonne dann mal scheint, kann man davon ausgehen, dass Minustemperaturen herrschen. Und die kann ich auch nicht leiden.

Als es in Marburg das erste Mal schneite, saßen wir gerade in der Schule. Ganz plötzlich wurden alle hektisch, fingen an zu strahlen und sich mächtig über diese kleinen weißen Flöckchen draußen zu freuen. Wie in der Grundschule konnte sich die Klasse gar nicht mehr beruhigen und war in Gedanken schon beim Schlittenfahren am Nachmittag.
Doch wenige Minuten später war das Spektakel wieder vorbei. Es schneite nicht mehr.
Von allen Seiten kamen enttäuschte Bemerkungen, wie "Och nein, ich habe mich so gefreut!" oder: "Hoffentlich schneit es bald weiter!"

Ich konnte für diese Euphorie kein Verständnis aufbringen und meinte (vielleicht etwas zu trocken): "Ich denke nicht. Ich bete schon seit Wochen Sturm, dass dieser Winter schneefrei bleibt."

Die Folgen, die ein solcher Kommentar an einer Bibelschule mit sich ziehen würde, hatte ich nicht bedacht. Heftige Reaktionen folgten. Wie konnte ich nur so gemein sein? Hatte ich denn gar kein Herz für die Kinder? Vermutlich trug ich sogar die Verantwortung an der globalen Erderwärmung! Ich sollte sofort mit diesen fiesen Machenschaft aufhören!

Das stimmte, es war wohl wirklich egoistisch von mir.
Aber heimlich konnte ich ja weiter beten. Das merkte ja niemand.
Und es half. Am nächsten Tag war nichts mehr vom Schnee zu sehen.

Doch heute wendete sich das Blatt.
Nichtsahnend zeichnete ich heute während eines Seminars einen kleinen süßen Schneemann neben meine Aufzeichnungen.

Und nur wenige Stunden später rieselten die ersten weißen Flocken vom Himmel.

Der Erlkönig

Obwohl ich sehr gerne Gedichte lese, tat es mir in der Seele weh, wenn ich sie im Deutschunterricht interpretieren musste.
Es war zwar interessant, die Formulierungen und Reime genauer anzuschauen, aber ich hatte immer das Gefühl, dass ich den Gedichten die Tiefe wegnehme, wenn ich sie in ihre Bestandteile zerlege und mir für jedes einzelne Wort eine Erklärung überlege.
Wenn man so systematisch an eine Gedichtinterpretation herangeht wie ich ich es in der Schule gelernt habe, kann das Gedicht sich nicht mehr entfalten. Es ist eingesperrt, hat einen Anfang und ein Ende, genau wie seine Interpretation.

Gestern Abend dachte ich über das Gedicht "Der Erlkönig" nach. In der Mittelstufe musste ich eine Arbeit darüber schreiben und bekam eine vier dafür. Unter anderem aus dem Grund, dass ich vorausgesetzt hatte, dass der Erlkönig den Tod symbolisiert.

Es ist wohl eins der Gedichte, die fast jeder in der Schule durchgekaut und deswegen satt hat, ähnlich wie "Die Bürgschaft" oder "Die Loreley".
Aber gerade weil der Lehrer meine Interpretation so unpassend und schlecht fand, blieb mir das Gedicht aus Trotz gut in Erinnerung:


Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
-Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?
-Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -

»Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.«

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
-Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

»Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?
-Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

»Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.
«Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater grauset's, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

(Johann Wolfgang Goethe)

Monday, February 05, 2007

Handy

Seit Jamba oder möglicherweise schon vor Angebinn der Jamba`schen Zeitrechnung hören Kinder und Teenies jetzt per Handy Musik. Überall. Im Bus, auf der Straße, im Zug... wo immer man sie trifft.

Vor einigen Wochen saß ich abends im Bus und wollte von Wuppertal nach Remscheid fahren.
Ich war ohnehin schon genervt, weil ich noch eine mehrstündige Fahrt nach Marburg vor mir hatte und unglaublich müde war.
Aber um wach zu bleiben, schlug ich mein Buch auf und las. Es war wohl einer der Momente, in denen ich zwar die Seiten las und umblätterte, aber den Inhalt nicht mitbekam, weil meine Gedanken woanders waren.
Auf halber Strecke stieg ein etwa zehnjähriger Junge in den Bus, eine Mütze auf dem Kopf, Hosen, die ihm fast runterrutschen und einer Bomberjacke, die ihm noch zwei Nummern zu groß war.
Und zeitgleich ging auch die Musik los.
Ich war so genervt und steigerte mich mit ganzen Herzen in die Ignoranz und Ich-Bezogenheit der Kinder hinein, dass es mich richtig aggressiv machte.
Doch es dauerte nicht lange und die Musik hörte auf.
Der Junge stieg einige Haltstellen später aus und ich hatte wieder meine Ruhe.

Doch kurze Zeit später ging das gleiche Lied schon wieder los. Ich war verwirrt, schließlich war der Junge gar nicht mehr im Bus.


Und was vibrierte da eigentlich in meiner Tasche?
Sollte das etwa mein Handy sein? Das ganze Blut stieg mir in meinem Kopf, so peinlich war mir das.
Der Junge war völlig unschuldig. In Wirklichkeit hatte eine Freundin versucht mich zu erreichen.

Sunday, February 04, 2007

Esau

Während ich in meiner Karriere im Gymnasium die Lehrer mit meinem Desinteresse zur Verzweiflung getrieben habe, kann ich heute Episoden aus meinem Streberleben zu Besten geben.
Letzte Woche erst wollte ich mich auf den Unterricht vorbereiten und befasste mich mit dem Propheten Maleachi. Unnötigerweise, wie ich dann feststellen musste, weil das nie Aufgabe gewesen war.
Aber beim Lesen stolperte ich über eine Stelle, die mich zum nachdenken brachte.
Denn - auch wenn dies möglicherweise auf Widerstand stoßen könnte - muss ich einen Verbesserungsvorschlag zur geistlichen Kindererziehung machen.
Genau genommen möchte ich, dass das gute alte Kinderlied "Gott hat alle Kinder lieb" revidiert wird.
Hier folgt meine Begründung:
In Maleachi 1, 3 finden wir Gottes Ausspruch: "... und doch hab ich Jakob lieb und hasse Esau.".

Also müsste es korrekt heißen: "Gott hat alle Kinder lieb. Bis auf Esau." oder "nur den Esau nicht" (auf "nicht" reimt sich mehr und klingt so kindgerecht).
Aber wie man das rhythmisch und metrisch umsetzt, muss jemand anderes entscheiden.
Mein Teil zur bibeltreueren Kindererziehung ist getan.