Tuesday, July 18, 2006

Krank

Auch wenn ich mit dem Arbeiten schon wieder fertig bin, habe ich noch einige nette Geschichtchen auf Lager, möchte böse Gerüchte verbreiten und die Fabrik schlecht machen (von denen ich noch Geld erwarte).
Als ich in der zweiten Woche nach der Arbeit auf meinen Bus warten musste, sprach mich einen Auszubildener an, den ich bisher nur vom sehen kannte, weil er in einer anderen Abteilung arbeitet.
Nach einem kleinen Austausch fragte ich ihn, ob er denn nach seiner Ausbildung dort bleiben wollte.
Etwas entsetzt wehrte er ab. "Nein, nein! Ich suche mir was anderes! Hier arbeitet jeder gegen jeden. Ein Sauhaufen! Als ich mich nach fast einem Jahr das erste Mal krank gemeldet habe, wurde ich in das Büro abgeordnet. Dort meinten sie dann, dass es doch eine Schweinerei von mir wäre, mich krank zu melden. Man ist immer nur so krank wie man es zulässt!"

Logisch. Das musste er einsehen. Und lag zwei Tage später im Krankenhaus.

Monday, July 17, 2006

Kinder


Ich habe noch einen neuen Trick!
Neulich saß ich nach dem Sport an der Bushaltestelle und quälte mich durch ein langweiliges Buch, während mir gegenüber eine Frau mit einem Kleinkind die Straße entlang lief. Das Kind schrie immer wieder aus Leibeskräften, als würde es gleich sterben und machte den ganzen Platz damit auf sich aufmerksam. Die Frau dagegen ignorierte das Gekreische und lief sturr vor sich her in der Hoffnung, dass die Wut von selber ein Ende nehmen würde.
Aber immer wieder stieß der Junge seine Aggressionen in Schüben hinaus. Mittlerweile war er schon krebsrot und ich hatte Sorge, dass er zerbersten könnte (ich würde auch sehr gerne mal sehen, wie ein Mensch zerplatzt).
Doch die Frau auf der Bank neben mir rettete ihm wahrscheinlich das Leben.
"Uahhhhhhhhhh!!!!" kreischte sie in solch einer Lautstärke, dass ich kurz zusammen zuckte und Schmerzen in den Ohren bekam.
Ganz verdutzt schaute das Kind sie an und lief nach dem ersten kleinen Schreck beleidigt hinter seiner Mutter her.

Wednesday, July 12, 2006

NKL

Ich habe einen neuen Trick.

Mancheiner legt bei unerwünschten Anrufen einfach auf. Ich kann das nicht. Irgendwie ist es unhöflich.

Gestern Nachmittag klingelte wieder mein Telefon. Unbekannte Nummer.

"Hallo?"

"Ja hallo... blablabla hier. Sie haben bei einem Gewinnspiel mitgemacht und ich habe jetzt die Aufgabe ihre Daten zu vergleichen damit wir sie ihm Fall eines Gewinns benachrichtigen können."

Die Daten stimmten und er fuhr fort:
"Und oben drauf kommt noch ein Geschenk von uns extra für sie! Wir laden Sie ein bei den NKL..."
"Stopp. Darf ich direkt mal unterbrechen? Ich bin absolut gar nicht interessiert!"

"Oh wirklich? Das ist aber schade! Denn Sie hätten die Chance innerhalb von sechs Monaten..."

Ich musste wieder unterbrechen: "Hören Sie, ich habe ihren Job auch ein Mal gemacht. Ich weiß, dass Sie weiter reden müssen. Aber Sie werden mir nichts andrehen können!"

Er klang enttäuscht: "Oh! Ich habe hier ganz neu angefangen. Klappt wohl nicht so ganz."

Es klang so traurig, dass ich sofort Mitleid bekam. "Ach was!" versuchte ich ihn aufzumuntern. "Ein Profi hätte mir auch nichts verkaufen können. Ich habe einfach kein Geld für solche Lose."

Pause.

"Scheiß Job, was?" versuchte ich das Gespräch wieder aufzunehmen.

"Ja. Ach, es geht. Momentan habe ich nur Besetztzeichen oder Anrufbeantworter. Ganz toll..."

Wir tauschten uns über unsere Erfahrungen aus und zum Abschied wünschte ich ihm noch viel Erfolg in seinem neuen Job.

Und es wurde in keinem Satz mehr das Wort NKL-Los mehr gebraucht!


Tuesday, July 11, 2006

Mittelfinger

G. und ich saßen auf dem Sofa. Aus irgendeinem Grund wollte ich ihn spaßeshalber treten. Das heißt, ich wollte es nur andeuten. Tat es auch.
Doch G. riss in diesem Moment entsetzt die Augen auf, zuckte nach hinten und starrte mich an. "Pass doch auf! Du weißt doch, dass du deine Körperteile nicht immer unter Kontrolle hast!"
Gemein fand ich das. Und weil ich so gekränkt war, wollte ich ihm den Mittelfinger zeigen.
Dummerweise blieb ich beim Heben meiner Hand mit einem Finger an der Decke hängen, rutschte ab und schlug mir die Faust mitten ins Gesicht.
G. warf mir einen verschwörerischen Blick zu. Und mir war klar, was er mir sagen wollte. Das könnte doch wirklich jedem mal passieren.

Saturday, July 08, 2006

Fernbeziehung

Letztes Wochenende fand ich auf dem Esstisch bei einer Freundin die Bravo. Ihre kleine Schwester hatte ein Abo und da die gerade im Urlaub und meine Freundin auf der Toilette war, blätterte ich sie neugierig durch.
In der Mitte fand ich ein Interview mit dem Schlagzeuger von Tokio Hotel.
Auf die Frage, ob er eine Freundin hätte, antwortete er folgendes:
Leider ist er zur Zeit Single, weil er wenig Zeit für Freunde hat. Vor ein paar Monaten hatte er zwar eine Freundin, aber sie mussten eine Fernbeziehung führen und dadurch ist es dann zu Bruch gegangen. Sie wohnten dreizehn Kilometer von einander entfernt.
Dafür hatte ich Verständnis.

Tuesday, July 04, 2006

Mein Chef

Als ich heute bei der Arbeit ankam, waren Eva und unser Chef in ein Gespräch vertieft. Gähnend machte ich es mir noch für die letzten Minuten auf meinen Stuhl bequem, während unser Chef Eva nach ihrer Sehstärke fragte.

"2,7" kam die Antwort.

Kritisch begutachtete er die Brillengläser, die er mittlerweile (ohne dass ich die Übergabe bemerken konnte) in seinen Händen hielt. Erst setzte er sie sich auf die Nase, dann nahm er sie langsam ab und hielt sie gegen die Lampe.

"Das kann nicht sein." war sein bestimmtes Urteil.

"Doch, 2 Komma 7" antwortete Eva nochmal deutlich.

"Nein, das kann nicht sein."

Auch auf meinen Einwand hin, dass es doch Evas Brille sei und sie vermutlich auch die nötigen Informationen vom Optiker bekommen hat, ließen ihn nicht davon abbringen.

"Das kann nicht sein."

Richtig. Wie konnte ich auch nur annehmen, dass er sich irrt.